DGB-Vorsitzender Michael Sommer als Hauptredner in Kassel

4000 Menschen bei Maikundgebung auf dem Königsplatz

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Michael Sommer, Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)

Kassel. Trillerpfeifen, Tromelwirbel und ein Fahnenmeer: Mit Transparenten zogen die 4000 Teilnehmer der Mai-Demonstration am Sonntagvormittag vom Nordstadtpark über die Holländische Straße zum Königsplatz

Tag der Arbeit: DGB-Kundgebung in Kassel

Dort fand die zentrale Kundgebung mit Michael Sommer, dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) statt.

Auch Helmut Schneider hatte sich in den Zug eingereiht. „Der 1. Mai ist Pflicht“, sagte der 72-Jährige, der 48 Jahre bei Henschel und dort auch im Betriebsrat war. „Von Kind auf. Da gibt’s nichts anderes.“ Dass diesmal der DGB-Bundesvorsitzende mit dabei war, mache für ihn keinen Unterschied. Der Eisenbahner Kurt Lange (72) freute sich dagegen, Sommer einmal aus der Nähe zu erleben.

Der Gewerkschafts-Chef gab sich kämpferisch. Der 1. Mai sei seit 125 Jahren ein Symbol für die Emanzipation der arbeitenden Klasse, rief er den Menschen auf dem Königsplatz zu. „Es ist die Arbeit, die dem Menschen Würde verleiht.“

Aber nur dann, wenn es gerecht zugehe und die Arbeitgeber faire Löhne zahlten, von denen die Menschen auch leben könnten. Deshalb müsse es einen gesetzlichen Mindeslohn von 8,50 Euro geben. Es dürfe nicht sein, das Armutslöhne durch Hartz IV subventioniert würden. Die Arbeitgeber müssten die Löhne zahlen und nicht der Staat. „Das ist das Mindeste“, sagte Sommer.

In Deutschland seien 11,4 Millionen Menschen und über eine Million Kinder auf Hartz IV-Leistungen angewiesen. „Und das, obwohl wir in einem der reichsten Länder leben.“

Sommer bekräftigte die Forderung der Gewerkschaft nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Man werde nicht lockerlassen, bis dies gesetzlich geregelt sei. Die Arbeitnehmer aus Osteuropa, die seit heute ohne bürokratische Hürden in Deutschland arbeiten dürfen, seien willkommen. Die Arbeitgeber dürften in diesen Menschen aber kein Reservoir für Ausbeutung sehen.

Der DGB-Chef sprach sich auch für einen schnellen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft aus. „Es ist Zeit, endlich Konsequenzen zu ziehen“, rief er unter Beifall. Die Atomkraft sei zu groß für den Menschen, die Opfer und Gefahren könne niemand verantworten.

„Hauptsache Arbeit“ - diese Losung greife zu kurz, sagte Nordhessens DGB-Chef Michael Rudolph. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei zwar nicht schlecht, aber kein Grund zum Jubeln angesichts der vielen Leiharbeiter und Mini-Jobs.

Stefan Körzell, Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen warf der hessischen Landesregierung vor, ein Tariftreue-Gesetz zum Schutz vor Lohndumping verschlafen zu haben.

Am Vorabend hatte sich Sommer ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Oberbürgermeister Bertram Hilgen zeigte sich erfreut, dass die zentrale Kundgebung des DGB in Kassel stattfand. Er hoffe, nicht zum letzten Mal.

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