Milde Winter bremsten Aktivitäten des Clubs aus

50 Jahre Wintersportclub Kassel: Skitrubel schmolz dahin

Kassel. Als sich 1967 der Wintersportclub Kassel gründete, wurde der Winter noch seinem Namen gerecht: Auf dem Hohen Gras im Habichtswald herrschten verlässlich gute Schneeverhältnisse.

Skifahren war zum Massensport geworden, erzählt Manfred Wilke, der seit der Gründung des Clubs dessen Vorsitzender ist. Gleiches gilt für seinen Stellvertreter Wolfgang Riedinger. Mit Hilfe ihrer Mitglieder haben sie in 50 Jahren Hunderten Kindern das Skifahren beigebracht.

Wolfgang Riedinger

In den Boomzeiten der 70er- und 80er-Jahre waren bis zu 30 Übungsleiter in der Skischule des Clubs beschäftigt, die dem Nachwuchs am Hohen Gras auf die Bretter halfen. Der Club hatte dafür zunächst einen Lift am „Kleinen Herbsthaus“ gebaut – einem Hügel oberhalb der Gaststätte Herbsthäuschen. Dieser wurde anfangs mit einem Benzinmotor betrieben. 1972 kamen der bis heute existierende Lift und die Abfahrtsschneise hinzu – der kleine Lift wurde 1992 aus Naturschutzgründen abgebaut.

In einer langen Blechlawine rollten die Autos seinerzeit über die Ehlener Straße auf Kassels Hausberg: Der Skiclub bot Abfahrt und Langlauf an. Beliebt waren die Schülerrennen. Auch im Langlauf konnten die Mitglieder Erfolge vorweisen: Die Langlaufgruppe wurde 1971 und 1973 Hessenmeister in der 4x10-Kilometer-Staffel. Auch einen Landesmeister im Riesenslalom hatte der Club in seinen Reihen.

Doch der große Skitrubel am Hohen Gras ist längst vorbei, bedauert Wilke. Bereits Ende der 80er-Jahre fanden die letzten Skikurse statt. Schuld daran waren die zuletzt milden Winter, die Kassels Skiparadies zunehmend entzaubert haben. „Da konnte man einfach keine Kurse mehr planen“, sagt Wilke.

Hobbyfilmer: Manfred Wilke hat die Erlebnisse des Skiclubs über 50 Jahre hinweg mit seiner Kamera festgehalten.

Die 120 Mitglieder des Skiclubs beschränken sich heute auf ein zweimal wöchentlich stattfindendes Skitraining. „Da halten wir uns fit, um auf die Saison vorbereitet zu sein“, sagt der 78-jährige Vorsitzende. Denn der Club organisiert bis heute zweimal jährlich Fahrten nach Österreich und Italien, um dort auf schneesicheren Abfahrten unterwegs zu sein.

Vor 30 Jahren: Dieses Bild zeigt den Skiclub am sogenannten „Kleinen Herbsthaus“, einer Abfahrt unweit des Herbsthäuschens. Der dortige Lift wurde 1992 stillgelegt. Rechts im Bild ist Manfred Wilke zu sehen. Damals war es minus 16,7 Grad kalt. Fotos: Haun/Archiv, privat

Wilke präsentiert zum Jubiläum alte Filmausschnitte vom Club, denn er hatte seit Ende der 60er-Jahre seine Kamera immer mit auf der Piste. Sein Filme zeigen die Skigaudi am Hohen Gras, aber auch Kasseler Pistenfreuden in französischen Edelskigebieten. Teile des Bildmaterials haben wir in einem HNA-Video zusammengeschnitten.

Und wie geht es am Hohen Gras weiter? Manfred Wilke ist Optimist: „Ich glaube, dass wir einen richtigen Winter kriegen.“ Er würde sich wünschen, dass sich wieder mehr Skibegeisterte auf das Hohe Gras wagen. „Früher gab es am Königsplatz, am Hauptbahnhof und am Kirchweg Infotafeln, auf denen die Schneehöhen am Habichtswald angezeigt wurde. So etwas wäre hilfreich.“ Auf jeden Fall müsse der Lift erhalten werden, der mit dem Ruhestand der langjährigen Betreiber vor einer ungewissen Zukunft steht.

Rubriklistenbild: © Fotos: Haun/Archiv, privat

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