Nach 16 Stunden Flug landete Eckhard Ströter in Calden

5000 Kilometer im Überlebensanzug:  16 Stunden Flug bis nach Calden

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Rein in den Anzug: Mit dem orangefarbenen Overall hätte Pilot Eckhard Ströter rund fünf Stunden im drei Grad kalten Atlantik überleben können.

Calden. Da sitzt der Mann ganz allein in dem kleinen, einmotorigen Propellerflugzeug. 16 Stunden lang. Hinter ihm ein Zusatztank. Neben ihm eine automatisch aufblasbare Rettungsinsel. Und ein Messer. Damit kann er die Insel zerstechen, falls sie im Flugzeug unplanmäßig aufgeht.

Als der Pilot Eckhard Ströter (57) in Kassel-Calden landet, hat sich eine kleine, fachkundige Schar von Bewunderern eingefunden. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Mann mit einem kleinen Flugzeug nonstop von Kanada nach Kassel-Calden fliegt. Eckhard Ströter hat es getan. Er ist ein sogenannter „Ferry-Pilot“. Einer, der Flugzeuge überall hin in der Welt überführt.

Mit der Cessna von Kanada nach Kassel

Der gebürtige Westfale ist eigentlich Flugzeugmechaniker und lebt seit seinem 28. Lebensjahr in den USA. Er hat sein gutes Auskommen.

Warum tut er dann derart Waghalsiges? „Das fragt mich meine Frau auch immer“, sagt der Mann nach seiner erfolgreichen Landung in Calden und schmunzelt dabei. „Das muss wohl die Abenteuerlust sein.“

Maschine für Rundflüge

So eng ist es im Cockpit: Eckhard Ströter zwängt sich zwischen Rettungsinsel und Zusatztank.

Die Maschine – eine einmotorige Cessna 172 – wird nun bei der Firma „Charterflug Kasel“ vor allem für Rundflüge eingesetzt werden. Dafür eignet sich das Flugzeug besonders gut. Vom Typ her ist das Flugzeug ein „abgestrebter Schulterdecker“, wie es in der Fliegersprache heißt. Das bedeutet: Die Tragflächen sind oben, über der Kabine. Die maximal drei Passagiere und der Pilot haben also eine hervorragende Sicht nach unten.

Ein Transport des Flugzeugs per Schiff nach Europa wäre zu aufwendig und zeitraubend gewesen, sagt Charterflug-Chef Nico Knabe. Abbau der Maschine, Schiffstransport, Zusammenbau, technische Abnahme – das hätte viel Zeit gekostet. Also engagierte man Eckhard Ströter.

Der holte das Flugzeug im US-Bundesstaat Virgina ab und flog es zunächst nach Hause nach New Hampshire. Dort baute er für den Flug nach Europa einen Zusatztank ein. So verfügte die Maschine nicht wie üblich über 200 Liter, sondern über rund 700 Liter Sprit.

Dann ging es weiter nach Maine, von dort in die kanadische Provinz Neufundland. Hier bunkerte der Pilot die Rettungsinsel und schlüpfte in einen Überlebensanzug. Mit dem orangefarbenen Overall hätte Ströter rund fünf Stunden im drei Grad kalten Atlantik überleben können – dann hätte man ihn spätestens retten müssen.

Doch es ging ja alles gut: 5000 Kilometer steuerte Eckhard Ströter die Maschine, die normalerweise eine Reichweite von 900 Kilometer hat, über das Meer nach Kassel-Calden. „Nur“ 16 Stunden dauerte das, weil Ströter Rückenwind hatte.

Nach der Landung musste er erst mal auf Toilette. Wie er das im Flugzeug gemacht hat? „Das verrate ich nicht. Berufsgeheimnis.“

Von Frank Thonicke

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