Viel Theater um Honig

50.000 Bienen wohnen jetzt auf dem Dach des Kasseler Staatstheaters

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So Süß kann Kultur sein: Imker Victor Hernandez (links) ist Stadtimker. Er kümmert sich um die Bienen auf dem Dach des Staatstheaters und erzeugt den Honig mit dem besonderen Geschmack. Astrid Horst und Intendant Thomas Bockelmann probieren gern.

Kassel. Was haben Bienen und das Theater gemein? Thomas Bockelmann, Intendant des Kasseler Staatstheaters, muss nicht lange überlegen. „Bienen sind sehr fleißig. Und Theaterleute auch. Schauspieler arbeiten bis zu 60 Stunden in der Woche. Samstags, sonntags, Weihnachten und Doppelschichten an Silvester. Sie sind bienenfleißig.“

Zwischen den schwarz-gelben Insekten und dem Theater auf dem Friedrichsplatz gibt es jetzt eine weitere Verbindung: Stadtimker Victor Hernández hat auf dem Flachdach zwei Bienenstöcke aufgestellt. 50 000 Bienen haben seit April auf dem Opernhaus ein neues Zuhause gefunden. Die ersten 100 Gläser Honig sind geerntet.

Lexikonwissen:

Das Kasseler Staatstheater im HNA-Regiowiki

Der Honig schmecke sehr fein, sagt Astrid Horst. Die Pressesprecherin des Staatstheaters war es auch, die die Idee für die Kooperation zwischen Imker und Theater hatte. Auf einer Premierenfeier war sie mit Hernández ins Gespräch gekommen. Der Hobby-Imker hat vor zwei Jahren die ersten Bienenstöcke auf seinem Dach in der Nordstadt aufgestellt und erntet seitdem Stadthonig. Weitere Stöcke sind auf Dächern in Kirchditmold, im Botanischen Garten und im Kurparkhotel (Bad Wilhelmshöhe) aufgestellt worden. Und auf dem Opernhaus. Seine Bienen lieferten mittlerweile Honig für etwa 3000 Gläser pro Jahr, sagt Hernández.

Der Imker macht sich große Sorgen über das weltweite Bienensterben, das auch in Kassel zu spüren sei. „Das Bienensterben hat mich auch erschreckt“, sagt Astrid Horst. Die Bienenstöcke auf dem Theaterdach seien ein kleiner Schritt, dagegen vorzugehen.Bereits einmal hat Hernández Honig, der nach der Blumeninsel Siebenbergen schmecken soll, vom Dach des Opernhauses geerntet. Weitere Ernten sollen in zwei Wochen und nächsten Monat folgen. Solange der Vorrat reicht, werden die Gläser für 6,50 Euro in der Kantine des Staatstheaters verkauft.

Das erste Glas hat Bockelmann gleich beim Fototermin auf dem Dach erworben. Die Imkerei auf dem Opernhaus sieht er übrigens nur als „Einstieg in die Nachhaltigkeit“. Die Flachdächer von Theatern böten beispielsweise auch viel Platz für Photovoltaik-Anlagen zur Stromgewinnung. Zumal der Stromverbrauch in Theaters sehr groß sei. „Ich wittere da ein ungenutztes Potenzial“, sagt der Intendant.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

 

Hintergrund:

Der Weg vom Dach ins Glas

Victor Hernández beschreibt den Weg seines Kasseler Stadthonigs: Ab April fliegen die Bienen vom Dach des Staatstheaters in die Karlsaue. Pollen, Nektar und Tau bringen sie zurück in ihren Stock. Durch Weitergabe der Erträge von Biene zu Biene wird daraus enzymreicher Honig. In den Monaten Mai, Juni und Juli wird geerntet. Die gefüllten Honigwaben werden dafür „entdeckelt“, eine kleine Wachsschicht entfernt. So können sie in einer Art Zentrifuge geschleudert werden. Auf das Schleudern folgt das Sieben. Kleine Wachsreste sind zwar nicht ungesund, gehören aber nicht in den Honig.

Manch einer mag statt flüssigen Honigs lieber cremig-kandierten. Solcher Honig wird vor dem Abfüllen einige Tage behutsam gerührt. Grobe Traubenzuckerkristalle werden dadurch gespalten. Dieser Honig ist dann zähflüssig bis streichfähig und bleibt ohne Kleckern auf dem Brötchen. Optimal gelagert wird Honig kühl und dunkel in fest verschlossenen Gläsern. Dann ist er fast unbegrenzt haltbar. Das Datum auf den Gläsern ist eher lebensmittelrechtlicher Natur. Der Theater-Honig ist nur in der Kantine des Staatstheaters erhältlich. Der übrige Stadthonig ist z.B. bei Edeka Marco Wenzel, Fiedlerstraße oder bei Karibu , Oberste Gasse 30) erhältlich. (use)

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