Regionaler Fachkräftemangel und erfahrene Mitarbeiter/innen

Mitarbeiter/innen 50plus haben gegenüber Jüngeren einen Spielvorteil, der oft übersehen wird. Tatsächlich ist Erfahrung kein Selbstwert, sondern namentlich im betrieblichen Lernprozess ein echtes Plus.

Erfahrene Menschen sind in der Lage, neues Wissen mit bereits vorhandenem Wissen abzugleichen und kritisch zu hinterfragen. Ebenso bedingt Erfahrung eine problemzentrierte Sichtweise, bei welcher der praktische Anwendungsbezug im Vordergrund steht. Außerdem erleichtert sie den Zugang zu komplexen Sachverhalten. Namentlich vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssen hier neue Wege der Weiterbildung eingeschlagen werden, um die Potenziale Älterer im größeren Umfang nutzen zu können. Im Gegensatz zum traditionellen Frontalunterricht sind hier Modelle mit einem höheren Verwertungsbezug und einer aktiven Lernsituation gefordert. Ältere lernen nicht schlechter, sondern anders. Dies gilt in allen Bereichen: Eine spezielle Chancenbranche für Ältere gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Die Beschäftigungsquote genauso wie die Vermittlungen des Beschäftigungspakts folgen hier der allgemeinen regionalen Beschäftigungsentwicklung. Der Bereich „Gesundheit und Pflege“ scheint diesbezüglich ein Motor zu werden. Der Trend ist branchenübergreifend und betrifft Arbeitsplätze, die sowohl niedrige als auch höhere berufliche Qualifikationen erfordern. Dies beinhaltet auch Ingenieure 50plus, deren Anteil ebenso steigt wie der von Schlossern, Technikern oder Lagerarbeitern. Es ist aber beileibe nicht nur der Mangel an jüngeren Fachkräften, der zu diesem Anstieg führt. Der demografische Wandel bezieht sich natürlich nicht nur auf die Arbeitnehmer/innen, auch die Kundschaft wird immer älter. Im Bereich des Einzelhandels schätzt man den Verkaufsdialog unter Gleichaltrigen, weil diese eine ähnliche persönliche Sicht auf Lebenssituation und Produkte haben. Gleiches gilt für den Vertrieb – Seriosität und Erfahrung sind Pluspunkte im Verkaufsgespräch. Überhaupt ist der Beratungsbereich eine kommende Domäne 50plus. All dies kommt immer mehr auf dem realen Arbeitsmarkt zum Tragen: „Jetzt profitieren Ältere“ titelte die HNA zu Recht bei der Vorstellung des Arbeitsmarktberichts des Arbeitsagenturbezirks Kassel am 02.03.2011.

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