Es tut sich was - Berufliche Weiterbildung 50plus

Nun ist es raus: Die Beschäftigung Älterer hat 2012 einen Höchststand erreicht. Nach dem Statistik-Report der Bundesagentur für Arbeit hatten im September 2012 fast 1,484 Millionen Menschen dieser Altersgruppe eine sozialversicherungspflichtige Arbeit. Das waren 12,3 Prozent mehr als noch in 2011. In der Altersgruppe ab 60 stieg die Beschäftigtenzahl in den letzten 5 Jahren sogar um 81,7 Prozent. Ob man will oder nicht – der demografische Wandel hat den Arbeitsmarkt bereits eingeholt.

Dieses Faktum stellt neue Herausforderungen an die berufliche Weiterbildung, denn ältere Mitarbeiter/innen bekommen einen immer wichtiger werdenden Stellenwert. Auf der Jahrestagung des Bundesprogramms Perspektive 50plus in Berlin erläuterte Professor Stamov-Rossnagel von der Bremer Jacobs University, dass viele Ältere effizientes Lernen nie richtig gelernt haben. Es gilt also, möglichst frühzeitig den Fokus auf ein lebenslanges Lernen zu legen, um Potenziale bis ins hohe Alter nutzen zu können. Parallel hierzu verfügen ältere Mitarbeiter/innen häufig über besondere Stärken – dazu gehören Besonnenheit und ein ganzheitliches Arbeitsverständnis ebenso wie die Fähigkeiten, strategisch zu denken und logisch zu argumentieren. Auch in Sachen Arbeitsmoral und Qualitätsbewusstsein haben Ältere die Nase vorn.

Mit zunehmender Anforderung an Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit erfolgt ein stetiger Leistungszuwachs, der bis weit in das sechste Lebensjahrzehnt anhält. Die Schlussfolgerung daraus ist eine angemessene berufliche Herausforderung an den Einzelnen. Nicht nur Überforderung ist ein Problem, auch Unterforderung schafft die Probleme, die sie eigentlich vermeiden wollte. Es bedarf hier des Vertrauens in die Leistungsfähigkeit Älterer, denn natürlich beeinflusst die Leistungserwartung der Umwelt die Leistungsfähigkeit des Menschen. Und letztere braucht einen Sinn. Weshalb unterzieht man sich denn der Mühe, etwas Neues zu lernen?

Auch die Umsetzung altersgerechter Lernformen und das Aufbrechen von Vorurteilsstrukturen sind Anliegen des nordhessischen Beschäftigungspaktes Perspektive 50plus. Seit 2006 setzen mittlerweile die Jobcenter von Stadt und Landkreis Kassel sowie der Kreise Werra-Meißner, Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg das gleichnamige Bundesprogramm in der Region um. Und das mit Erfolg: Allein 2012 konnten fast 1200 langzeiterwerbslose Menschen 50+ wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse des ersten Arbeitsmarktes vermittelt werden. Im Bereich der beruflichen Qualifizierung werden neue Wege beschritten, die den Jugendkult um eine Kultur der „alten Hasen“ bereichern. In der Praxis bedeutet dies unter anderem Qualifizierungsformen, in denen Ältere und Jüngere gemeinsam in gemischten Gruppen lernen und voneinander profitieren. Die Jüngeren durch tradiertes Erfahrungswissen, die Älteren durch ein „Updating“ ihrer Erfahrungen.

Carsten Höhre

www.50plus-nordhessen.de

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