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600 Notinseln in Kassel bieten Kindern Zuflucht: Ehrenamtliche Helfer gesucht

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Von: Anna Weyh

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Sie wissen, wo sie Hilfe finden: Ferdinand und Ida von der Grundschule Harleshausen stehen vor dem Notinsel-Aufkleber am City-Kauf an der Wolfhager Straße.
Sie wissen, wo sie Hilfe finden: Ferdinand und Ida von der Grundschule Harleshausen stehen vor dem Notinsel-Aufkleber am City-Kauf an der Wolfhager Straße. © anna weyh

Vom verpassten Bus bis zum stumpfen Stift: Zu den 600 Notinseln in Kassel können Kinder gehen, wenn sie Hilfe brauchen. Der Kinderschutzbund sucht nun Helfer für das Projekt.

Kassel – Ferdinand besucht die Grundschule Harleshausen. Gerade jetzt im Winter, wenn es früh dunkel wird, kann es schon mal ziemlich gruselig auf dem Weg nach Hause werden. Dem Siebenjährigen helfen da die Notinseln der Deutschen Kinderschutzstiftung „Hänsel und Gretel“. Die Aufkleber in den zahlreichen Kasseler Geschäften begleiten Kinder wie Ferdinand durch die Straßen.

„Wenn uns jemand verfolgt oder irgendetwas nicht stimmt, dann können wir zu einer Notinsel gehen“, sagt der Junge. „Unsere Lehrerin hat uns das erklärt“, sagt Ida, Ferdinands Klassenkameradin. Jedes Kind hat in der Schule auch einen Radiergummi mit dem Notinsel-Logo bekommen. „Damit wir uns das merken können“, sagt die Siebenjährige. Bereits seit 2011 läuft das Projekt in Kassel. Organisiert vom Kinderschutzbund gibt es mittlerweile rund 600 Notinseln für Kinder in der documenta-Stadt. „Es geht darum, eine Hilfskette in Gang zu setzen“, sagt Kirsten Voelzke vom Kinderschutzbund.

Die Geschäfte, die beim Projekt mitmachen, bringen den Notinsel-Aufkleber gut sichtbar im Eingangsbereich an. Kinder können dann in den Geschäften vorbeikommen, wenn sie sich zum Beispiel verlaufen oder den Bus verpasst haben. „Aber es kam auch schon mal vor, dass ein Junge vor der Schule in eine Notinsel kam und darum bat, seine Buntstifte anzuspitzen. Er hatte es vergessen“, sagt Voelzke. „Die Kinder wissen, dass sie herkommen können und nicht weggeschickt werden“, sagt ihre Kollegin Christine Caprano.

Der Kasseler Kinderschutzbund arbeitet eng mit Schulen und Kindertagesstätten zusammen. „Die Lehrkräfte machen auch Rundgänge durch ihren Stadtteil und zeigen den Kindern die Notinseln“, sagt Caprano. Das beruhige auch die Eltern, denn auch schüchterne Kinder trauen sich so eher, nach Hilfe zu fragen, sagt sie.

Die Notinseln müssen gepflegt werden. Bei knapp 600 teilnehmenden Geschäften ist das für das Vorstandsteam des Kinderschutzbundes, das aus nur drei Leuten besteht, viel Arbeit. „Deshalb suchen wir in den einzelnen Stadtteilen ehrenamtliche Helfer“, sagt Kirsten Voelzke. Die Menschen vor Ort sehen auf ihren alltäglichen Wegen schnell, wo ein neues Geschäft eröffnet, wo ein Besitzer wechselt oder ein Laden schließt. „Das ist wichtig, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben“, sagt Voelzke. Denn im Internet sind alle Kasseler Notinseln aufgelistet.

„Wir wollen nicht, dass da Anlaufstellen benannt sind, die nicht mehr existieren“, sagt Christine Caprano. Um sehr viel mehr gehe es bei der Unterstützung des Projektes nicht. „Wir können nicht überall sein. Offene Augen in jedem Stadtteil würden uns helfen“, sagen die Vorstandsmitglieder.

Hilfe holen mussten die Grundschüler Ida und Ferdinand bisher noch nicht in einer Notinseln. Aber wenn es mal soweit ist, wissen sie ja, wo sie hingehen können.

Kontakt: notinseln@kinderschutzbund-kassel.de

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