Nicht sicher, ob Krankenkasse für Ersatz sorgt

65-Jährige aus Rothenditmold verzweifelt: E-Rollstuhl gestohlen

+
Verzweifelt: Aus dieser Garage wurde der Elektro-Rollstuhl von Ursula Feustel gestohlen. Mit dem Ersatzrollstuhl kommt die 65-jährige Frau aus Rothenditmold nicht zurecht.

Kassel. Ursula Feustel ist verzweifelt. Am Freitag, 25. April, wurde der 65-jährigen Frau, die in einem Mehrfamilienhaus an der Naumburger Straße in Rothenditmold wohnt, der Elektrorollstuhl gestohlen. Die Täter müssen in der Nacht zugeschlagen haben.

„Als ich am Morgen weg wollte, war er verschwunden“, sagt Feustel. Der Rollstuhl ist in einer kleinen Extra-Garage direkt neben der Eingangstür untergestellt gewesen. Laut Feustel war diese Rollstuhl-Garage zwar nicht abgeschlossen, allerdings der Rollstuhl. Die 65-jährige Frau erzählt, dass sie aufgrund einer Knieoperation und einer Erkrankung an Diabetes nur noch kurze Wege in ihrer Wohnung zurücklegen kann. Ansonsten sei sie auf einen Rollstuhl angewiesen.

Mit dem Elektrorollstuhl, den sie erst vor einem halben Jahr bekommen habe, habe sie sich überall problemlos hinbewegen können. Nach dem Diebstahl hat Feustel vor wenigen Tagen einen E-Ersatzrollstuhl von einem Sanitätshaus in Fulda bekommen. Allerdings komme sie damit gar nicht zurecht, sagt die 65-Jährige - den Tränen nahe. Dieser Ersatzrollstuhl sei alt, habe kein Licht und sei nicht mehr verkehrssicher. Am Samstag, als sie mit dem Gefährt die Straße überqueren wollte, sei der Rollstuhl einfach stehen geblieben und sie fast überfahren worden.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Knöll dauerten die Ermittlungen wegen Diebstahls an. Laut Knöll handelt es sich um einen „außergewöhnlichen Fall“. Es komme nicht oft vor, dass Rollstühle gestohlen würden - auch wenn sie relativ teuer seien. Laut Knöll hat der gestohlene Rollstuhl einen Wert von 8500 Euro.

Im Fall von Ursula Feustel kommt hinzu, dass der E-Rollstuhl wohl nicht versichert gewesen ist. Jetzt weiß die 65-Jährige nicht, ob sie einen angemessenen Ersatz bekommt. Unterstützt wird Feustel vom Kasseler Verein zur „Förderung der Autonomie Behinderter“ (fab). Sozialpädagogin Petra Diederich, zuständig bei fab für Unterstütztes Wohnen, sagt, dass Feustel seit eineinhalb Wochen auf eine Antwort ihrer Krankenkasse, der DAK, warte. Es sei ein ständiges Hin und Her zwischen der DAK und dem Sanitätshaus.

Bei dem Sanitätshaus will man sich zu dem Fall nicht äußern, da man Auskunft nur gegenüber der Krankenkasse geben dürfe.

Die 65-Jährige hat kaum noch Hoffnung, dass ihr E-Rollstuhl wieder auftaucht. Der sei von den Dieben bestimmt schon ins Ausland gebracht worden, mutmaßt Ursula Feustel. Da sie kaum noch ihre Wohnung verlassen könne, fühle sie sich wie im Gefängnis. „Seit dem Diebstahl bin ich eingesperrt.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.