1. Startseite
  2. Kassel

7500 Euro für jeden Kasseler? Das steckt hinter den angeblichen Flyern von Wintershall Dea

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Lohr

Kommentare

Sieht täuschend echt aus: Diese gefälschten Flugzettel verteilten Unbekannte an Haushalte rund um die Firmenzentrale von Wintershall Dea.
Sieht täuschend echt aus: Diese gefälschten Flugzettel verteilten Unbekannte an Haushalte rund um die Firmenzentrale von Wintershall Dea. © Privat/nh

Auf verteilten Flyern steht, dass der Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea 7500 Euro für jeden Kasseler gibt. Die Flugzettel sind gefälscht. Der Konzern erwägt rechtliche Schritte.

Kassel – Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Nach dem Einwohner-Energie-Geld (EEG) der Stadt gibt es eine weitere Entlastung für Kasseler in der Energiekrise. Der Gas- und Ölkonzern Wintershall Dea will seinen Halbjahresgewinn an alle Einwohner der Stadt ausschütten – stolze 7500 Euro pro Kopf, also das 100-fache des EEGs. So steht es auf Flugzetteln, die vorige Woche an Haushalte rund um den Firmensitz des Konzerns in der Friedrich-Ebert-Straße verteilt wurden. Doch die Flyer mit dem Slogan „Hol Dir Dein Gas-Geld!“ sind eine Fälschung.

Wer genau dahinter steckt, ist bislang unklar. Für Wintershall Dea ist das Ganze jedoch kein Spaß. Unternehmenssprecher Michael Sasse erklärt: „Mit dem Fake-Flyer verletzen die bislang unbekannten Urheber dieser Guerilla-Aktion Grenzen.“ Unter anderem wurde das geschützte Unternehmenslogo verwendet. Auch sonst sieht das Design des Flugzettels täuschend echt aus. Wintershall Dea behält sich daher „rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen vor“, wie Sasse sagt.

Kassel: Fake-Flyer kündigt möglicherweise Protest vor der Stadthalle an

Es liegt nahe, dass hinter der Aktion Klimaschutzgruppen stecken, die zuletzt immer wieder gegen den Konzern protestiert hatten. So wird im Text auf der Flyer-Rückseite nicht nur darauf verwiesen, dass Wintershall Dea „1,3 Milliarden Euro höherere Gewinne“ verbucht habe als geplant. Das Unternehmen, so wird es angekündigt, wolle sich in Zukunft auch neu ausrichten. So sollen „weltweit keine neuen Öl- und Gasprojekte“ mehr begonnen werden. Die Mitarbeiter würden jetzt zu nachhaltiger Fernwärme umgeschult.

Dies ist ebenso ausgedacht wie das „Herbst-Event“ von Wintershall Dea am 29. Oktober (14 Uhr) auf dem Platz vor der Stadthalle. Dort sollen angeblich die Anträge für das Gas-Geld ausgegeben werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es dort an dem Tag zu einem erneuten Protest kommt.

Kassel: Konzern zeigt sich nach Fake-Flyern aufgeschlossen bei Übergewinnsteuer

Echt ist dagegen die Diskussion um eine Übergewinnsteuer, die durch die Aktion thematisiert wird. Nicht erst seit der Energiekrise, sondern schon seit der Corona-Pandemie fordern nicht nur linke Politiker eine solche Steuer für Unternehmen, die im Vergleich zu normalen Zeiten enorme zusätzliche Gewinne machen, während Verbraucher unter steigenden Preisen leiden. Laut Umfragen befürworten drei Viertel der Deutschen eine Übergewinnsteuer.

Selbst bei Wintershall Dea zeigt man sich aufgeschlossen. Laut Sasse ist man auch im Konzern „der Ansicht, dass wir unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland und Europa schützen müssen. Bei vielen Menschen wird die Diskrepanz zwischen ,sich leisten wollen’ und ,sich leisten können’ immer größer.“ Aufgabe der Politik sei es, zu entscheiden, „wie genau gegengesteuert werden soll“.

Allerdings verweist er darauf, dass „die größten sogenannten Zufallsgewinne in der Energiebranche derzeit Unternehmen erzielen, die Windstrom oder Sonnenstrom produzieren“.

Kassel: Verlust von Wintershall Dea „stand nicht auf dem Fake-Flyer“

Denn sie könnten ihren günstig produzierten Strom zu sehr hohen Marktpreisen verkaufen. Wintershall Dea habe wegen Milliardenabschreibungen für Russland-Aktivitäten wie die Gaspipeline Nord Stream 2 im ersten Halbjahr 335 Millionen Euro Verlust gemacht, sagt Sasse: „Dies stand allerdings nicht auf dem in Kassel verteilten Fake-Flyer.“

Die Polizei prüft derzeit, ob ein Straftatbestand vorliegt. Laut Sprecher Matthias Mänz hat es solche gefälschten Flyer mit einem Aufruf zu einem konkreten Termin bislang in Kassel noch nicht gegeben. (Matthias Lohr)

Die Stadt Kassel hat wegen der Energiekrise einige Einschränkungen benutzt.

Auch interessant

Kommentare