80 Millionen Downloads pro Monat

Drei Nordhessen haben riesige Datenbank für kostenlose Bilder entwickelt

Arbeiten seit Jahren von Zuhause: die Pexels-Entwickler (von oben links im Uhrzeigersinn) Bruno Joseph, Daniel Frese und Ingo Joseph in einer Videokonferenz.
+
Arbeiten seit Jahren von Zuhause: die Pexels-Entwickler (von oben links im Uhrzeigersinn) Bruno Joseph, Daniel Frese und Ingo Joseph in einer Videokonferenz.

Drei junge Männer aus Nordhessen sind die Entwickler einer der größten Bild- und Videodatenbanken, die es im Internet gibt. Angefangen haben sie ganz klein, mittlerweile gehören zu ihrem Team Menschen aus aller Welt.

Fotos gibt es in schier unzählbarer Menge im Internet. Doch qualitativ hochwertige und kostenlos nutzbare Bilder waren lange Zeit, je nach Bildmotiv, nicht ganz so leicht zu finden. Zwillingsbrüder aus Fuldabrück im Landkreis Kassel haben sich daran gestört und kurzerhand selbst eine Lösung entwickelt. Mittlerweile verfügt die Online-Datenbank Pexels über ein riesiges Repertoire von mehr als 3,2 Millionen Fotos und Videos aus allen Themenbereichen. Zum Team gehört außerdem ein ehemaliger Nachbar der beiden Gründer.

„Wir haben schon in der Schulzeit hobbymäßig Webseiten gebastelt und mit Grafiken rumgespielt. Die Suche nach Bildern war aber oft sehr kompliziert und auch die Lizenzfrage war meistens eher unklar“, erzählt Ingo Joseph. „Das wollten wir einfacher machen.“ Anfangs sei ihnen noch gar nicht bewusst gewesen, „wie groß das Thema Fotos im Internet ist“. Mit 800 Bildern, die sie sich händisch zusammengesucht haben, und einer rudimentären Webseite fing die Geschichte von Pexels im Jahr 2014 an.

Pexels-Datenbank wächst jeden Monat um 200.000 Objekte

Heute suchen die 25-jährigen Zwillinge die neuen Bilder und Videoschnipsel nicht mehr selbst, sondern diese werden von den Nutzern selbst hochgeladen – jeden Monat wächst die Datenbank um mindestens 200 000 Objekte. Doch nicht alles was hochgeladen wird, wird automatisch für die Suche indiziert. „Jedes Foto, jedes Video wird noch manuell von unseren Mitarbeitern gesichtet. Wir wollen nur die besten Bilder anbieten“, erklärt Bruno Joseph das Vorgehen. Bruder Ingo ergänzt: „Heute kann man mit fast jedem Smartphone sehr gute Fotos machen. Wir achten zusätzlich auf ästhetische Aspekte wie das Motiv, die Farbgebung und den Bildaufbau.“ Die Verschlagwortung für die Datenbank übernimmt mittlerweile zu großen Teilen eine Künstliche Intelligenz.

Doch wer braucht überhaupt so eine große Auswahl? „Wir machen das für alle, die etwas mit Bildern oder Videos machen wollen. Das können kleine wie große Unternehmen sein, Grafikdesigner, Medien oder Privatleute, die eine eigene Grußkarte gestalten wollen“, sagt Daniel Frese (31), der das Team seit 2016 verstärkt und in der gleichen Straße wie die Josephs aufgewachsen ist. „Ich habe irgendwann einfach ungefragt angefangen mitzuarbeiten“, sagt er. Die Nutzung der Pexels-Inhalte ist prinzipiell kostenlos, man kann aber freiwillig an die Ersteller spenden. Geld verdient Pexels mit Werbeanzeigen von kostenpflichtigen Bilddatenbanken – die aber erst angezeigt werden, wenn auf Pexels.com kein passendes Material zu finden ist.

Die drei Jugendfreunde leben mittlerweile in Berlin. Sehen tun sie sich in den meisten Fällen aber nur digital – und das nicht wegen Corona. „Wir hatten noch nie ein Büro, arbeiten schon immer von zuhause aus“, berichtet Bruno Joseph. Eigene Räume in der Hauptstadt würden sich sowieso nicht lohnen: Von dem 40-köpfigen Pexels-Team stammen nur vier aus Deutschland. „Wir haben Mitarbeiter aus ganz Europa, Nord- und Südamerika.“ Insgesamt sind 14 Nationen im Unternehmen vertreten. Das sei zwar nie geplant gewesen, habe sich aber so entwickelt. „Da wir zuhause arbeiten, ist es uns völlig egal, wo die anderen sitzen. Das macht es uns außerdem einfacher, gute Leute zu finden: Wir können weltweit suchen“, sagt Bruno Joseph. Zwilling Ingo ergänzt: „Dadurch haben wir eine sehr offene Firmenkultur entwickelt, auch wenn es manchmal sehr lange dauert, bis man jemanden persönlich trifft. Das ist natürlich weiterhin wichtig, um die Persönlichkeit hinter dem Monitor kennenzulernen.“

2018 wurde Pexels von der australischen Firma Canva aufgekauft. Canva betreibt eine Grafikdesign-Plattform, mit der sich visuelle Inhalte online be- und verarbeiten lassen. „Pexels und Canva passen von der Funktionalität einfach super zusammen“, sagt Bruno Joseph, der – rein formal – der einzige Pexels-Geschäftsführer ist. „Wir treffen weiterhin unsere eigenen Entscheidungen.“ (Von Gregory Dauber)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.