Jahrzehnt mit Protesten, Partys und Pac-Man

80er-Jahre-Schau im Kasseler Stadtmuseum: Macher suchen noch Leihgaben

+
Nach der Grenzöffnung in der Königsstraße: Am 11. November 1989 strömten die Massen zum Einkaufen in die Stadt. Es gab Begrüßungsgeld und Bananen.

Zum 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum will sich das Kasseler Stadtmuseum in einer Sonderausstellung den 80er-Jahren widmen. 

„Wir wollten aber nicht nur auf das Ende des Jahrzehnts blicken, sondern den Fokus weiten“, sagt Christina Reich, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Die Ausstellung unter dem Titel „Ab in die 80er!“ beginnt zwar erst am 2. November, aber die Ausstellungsmacher bitten die Kasseler schon jetzt um Leihgaben.

Das Jahrzehnt sei deshalb so spannend für eine Ausstellung, weil es vielen noch in guter Erinnerung sei, sagt Reich. Geplant ist eine Schau, die Pop- und Partykultur dieser Zeit ebenso aufleben lässt, wie die ernsten Themen. „Damals gab es ein Spannungsverhältnis zwischen einem bürgerlichen Konservatismus auf der einen Seite und der Demokratisierung der Bürger auf der anderen“, so Reich.

Vom Nachwuchs belagert: Zwei Kinder im Jahr 1983 in der Telespiel-Abteilung des Kasseler Kaufhofs.

In der Folge seien die Friedens- Umwelt- und Anti-Atombewegung entstanden, die in Kassel eine große Anhängerschaft hatten. Wohnungsnot und Hausbesetzungen waren ebenso präsent in der Stadt.

Hightech made in Kassel: Transrapid

Aber auch Wirtschaftsthemen, wie der Kampf um die 35-Stunden-Woche und die steigende Arbeitslosigkeit in Folge der fortschreitenden Automatisierung in den Betrieben, werden aufgegriffen. Exemplarisch wird an den Niedergang von Kasseler Firmen – etwa das Enka-Werk in Bettenhausen – erinnert.

Mit dem „Transrapid“ wird die Entwicklung in den Fokus gerückt, die als „Hightech made in Kassel“ bei den Menschen so viele Hoffnungen weckte.

Kassels Baby: Magnetschwebebahn Transrapid 1980 am Henschelwerk Mittelfeld. 

Aber auch weitere Meilensteine, wie die Bundesgartenschau 1981, das Beuys-Projekt „7000 Eichen“, die Gründung des Naturschutzgebietes Dönche, die documenta urbana und der Ausbau der damaligen Gesamthochschule (GhK) dürfen natürlich nicht fehlen.

„Wir erinnern zudem an viele Kasseler Institutionen, die in diesen bewegten Zeiten entstanden sind: Caricatura, Filmladen, Archiv der Frauenbewegung und so weiter“, zählt Reich auf.

An einer Mitmachstation können die Besucher ihre Kasseler Discoerfahrungen austauschen. Zudem werden Kultobjekte dieser Zeit ausgestellt: Rollschuhe, Zauberwürfel, Walkman, Monchichis, Actionfiguren und Telespiele wie Pac-Man und Donkey Kong.

Sie planen die Ausstellung: Die wissenschaftliche Volontärin Andrea Schlicht (links) und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Christina Reich vom Stadtmuseum.

Neben historischen Fotos wird das Jahrzehnt auch in Videos lebendig. So gibt es Material von der Bundesgartenschau und dem Trubel in der Kasseler Innenstadt nach der Grenzöffnung.

Diese Objekte sucht das Museum noch:

Für die Gestaltung der Ausstellung „Ab in die 80er!“ werden noch folgende Objekte aus den 80ern als Leihgaben erbeten: 

  • Klassische Rollschuhe und ein BMX-Rad  
  • Sneaker (Turnschuhe) 
  • Actionfiguren (Transformers, He-Man), Schlumpffiguren, Alf und Ottifant 
  • Videorekorder (auch Super 2000) 
  • Brettspiele „Sauerbaum“ und „Fulda Gap“ 

Kontakt: 0561/ 787 41 49 oder christina.reich@kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.