Tempolimit soll Lärm reduzieren

A44 und A49 bei Kassel: Stadtparlament will nachts endlich Tempo 80

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Seit Jahren klagen die Bewohner der südlichen Kasseler Stadtteile über zu viel Lärm. Nun hat das Stadtparlament für ein nächtliches Tempolimit gestimmt. Aber wird es auch kommen?  

Geht es nach den Stadtverordneten, wird es im Kasseler Süden bald ruhiger. In der Sitzung am Montag stimmte das Parlament für ein nächtliches Tempolimit von 80 km/h auf der A44 zwischen Kassel-West und dem Anschluss Wilhelmshöhe sowie auf der A49 zwischen West und Industriepark.

Eingebracht hatten den Antrag SPD, Grüne, Kasseler Linke, FDP, Freie Wähler und Piraten sowie der parteilose Andreas Ernst. Während die CDU ebenfalls zustimmte, lehnte die AfD das Tempolimit ab. Ob zwischen 22 und 6 Uhr tatsächlich bald langsamer gefahren werden muss, ist allerdings fraglich. Für Autobahnen sind die Verkehrsbehörden zuständig, die nicht an Parlamentsbeschlüsse gebunden sind – in dem Fall Hessen Mobil. Eine Entscheidung wird es wohl im Herbst geben.

Was dafür spricht

Laut Sascha Gröling, dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD, sei die Belastung auf den beiden Autobahnen im Kasseler Süden zuletzt „unzweifelhaft angestiegen“. Verschärft habe sich die Situation durch die Baustelle auf der Bergshäuser Brücke, die nach wie vor teilweise gesperrt ist und daher von vielen umfahren wird. Für die Stadtteile Oberzwehren, Niederzwehren und Waldau bedeute das mehr Lärm und Schadstoffe: „Die Bürger regen sich zu Recht auf.“

Für Violetta Bock von den Linken ist „ein bundesweites Tempolimit überfällig, aber noch lange nicht in Sicht: Solange der Bund keine Maßnahmen ergreift, müssen wir handeln.“

Der Grüne Jürgen Blutte erinnerte an die Geschichte der A49, die als Tangente gedacht gewesen sei, „um den Verkehr aus den Stadtteilen herauszunehmen“. Heute sei sie hingegen so überlastet, dass viele wieder durch die Stadt führen: „Nachmittags um zwei ist ein Tempolimit unnötig, weil nur noch Schritttempo möglich ist.“

Dominique Kalb von der CDU prophezeite, dass die Situation noch schlimmer werde – dann nämlich, wenn die A49 einmal bis zur A5 führt, wie es schon seit Jahrzehnten geplant ist: „Spätestens dann haben wir den ganzen Schwerlastverkehr bei uns.“

Was dagegen spricht

Sven R. Dreyer von der AfD hält ein nächtliches Tempolimit für überflüssig. „Lärmschutztechnisch“ bringe es nichts. Bei den Emissionen befürchtet er sogar negative Auswirkungen, da bei Tempo 80 viele vom fünften in den vierten Gang schalteten. Nachdem Blutte sein Plädoyer für ein Tempolimit gehalten hatte, entgegnete Dreyer dem Grünen: „Es ist nicht immer so einfach, wie es manche Populisten gern hätten.“ Den Satz quittierten alle anderen Fraktionen mit schallendem Gelächter.

Die Reaktionen

In den betroffenen Stadtteilen reagierte man positiv auf den Beschluss. „Das ist eine tolle Sache, denn der Lärm der A49 ist bei uns das drängendste Thema“, sagte Oberzwehrens Ortsvorsteherin Barbara Bogdon unserer Zeitung, die nun auf eine Entscheidung von Hessen Mobil wartet.

Die Behörde hatte Schallmessungen an beiden Autobahnen vorgenommen, nachdem die Stadt im Juli eine Überprüfung wegen Lärm beantragt hatte. Bis Ende September werden die Ergebnisse ausgewertet, sagte ein Sprecher. Mit einer Entscheidung über ein Tempolimit sei im Oktober zu rechnen.

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