Kamm-Molche und Gelbbauchunken

A44-Weiterbau: Wichtige Verhandlung vor Gericht

Kassel/Leipzig. Vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig findet am 13. und 14. März eine wichtige Verhandlung für den Weiterbau der Autobahn A 44 zwischen Kassel und Eisenach statt.

Es geht um die so genannte Spitzkehre bei Oetmannshausen. Geklagt hat gegen den Bauabschnitt die Umweltschutzorganisation BUND. Es geht ihr vor allem um den Erhalt eines FFH-Gebietes mit Kamm-Molchen und Gelbbauchunken.

Zeitplan für die weiteren A 44-Abschnitte

Fertig 2018: Helsa-Ost - Hessisch Lichtenau-West (5,9 Kilometer)

Fertig noch in diesem Jahr: Hessisch Lichtenau-West - Hessisch Lichtenau-Mitte (2,2 Kilometer)

Fertig 2016: Hessisch Lichtenau-Ost - Waldkappel-Hasselbach (4,3 Kilometer)

Fertig 2016: Waldkappel-Hasselbach - Waldkappel-Ost (6 Kilometer)

Verkehr rollt schon: Hessisch Lichtenau-Mitte - Hessisch Lichtenau-Ost (4,3 Kilometer).

Die folgenden Abschnitte im weiteren Verlauf befinden sich entweder in der Planung oder die Planung ist abgeschlossen und die Teilstücke werden beklagt: Kassel-Ost (A 7) - Helsa-Ost: in Planfeststellung. Waldkappel bis Hoheneiche: Verhandlung am 13. und 14. März vor dem Bundesverwaltungsgericht. Der Abschnitt bei Wichmannshausen wird ebenfalls beklagt, für das letzte Teilstück der Autobahn bis zum Anschluss an die A 4 wird in ein paar Monaten Baurecht erwartet. (tho)

Setzt sich das Land Hessen mit seinem Bauvorhaben beim BVG in Leipzig durch, hätte das auch Folgen für die weitere Trasse. Sie würde dann über Sontra verlaufen und nicht durch den Ringgau. Der BUND favorisiert Ortsumgehungen statt einer Autobahn. Falls doch eine kommen sollte, ist man für eine Trasse im Bereich des Flusses Netra.

Erlaubt das Bundesverwaltungsgericht den Bau der Spitzkehre, könnte die Hoffnung von Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch, die A 44 könnte 2020 fertig sein, Wirklichkeit werden. Bis 2015 könnten alle Bauabschnitte von der Planung erledigt sein und Baurecht haben. Der Bau würde dann noch einmal fünf Jahre dauern.

Bis 2018 werden rund 23 Kilomter der insgesamt 64 Kilometer der A 44 fertig sein. Sie wird mit 1,6 Milliarden Euro die teuerste Autobahn der Welt. (tho)

Kamm-Molche im Mittelpunkt

Von Frank Thonicke

Kassel. Wenn sich am 13. und 14. März die Anwälte und Experten von BUND und dem Land Hessen vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegenübersitzen, wird viel die Rede von kleinen Tieren sein. Es geht um Gelbbauchunken (gehören zur Familie der Frösche) und die allgegenwärtigen Kamm-Molche.

Sie würden durch die Planungen des Landes für die A 44, die bei Oetmannshausen (Werra-Meißner-Kreis) eine Spitzkehre bekommen soll, in ihrem Bestand dramatisch reduziert, klagt der BUND. Die Umweltschützer sprechen von massiven Verstößen gegen das Naturschutzrecht, von der Zerstörung wertvoller Lebensräume und Winterquartiere für die Amphibien. Im Bereich des A 44-Abschnitts von Waldkappel bis Hoheneiche liegt das FFH-Gebiet „Trimberg“, besiedelt von Gelbbauchunken und Kamm-Molchen. Dort habe das Land Hessen, so der BUND, schon vor Jahren sozusagen im Vorgriff der erwarteten Bauarbeiten Absperrungen errichtet. Die Folge: Unken und Molche hätten die Absperrungen nicht überwinden können, die Bestände seien so bereits um 20 Prozent (Molche) und 70 Prozent (Unken) gesunken.

Aber nicht nur, was dort kreucht und fleucht, auch was springt, rennt und fliegt, sei dort durch die Autobahn bedroht, sagt der BUND. Luchs, Wildkatze, Haselmaus, Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr (eine Fledermaus) müssten vor der Autobahn ebenso geschützt werden wie Zauneidechse, Schlingnatter, Kolkrabe, Gartenrotschwanz und Raubwürger. Deren Schutz sei bei der Planung der Autobahn nur unzureichend beachtet worden. Tatsache ist, dass das Bundesverwaltungsgericht schon bei anderen Abschnitten über den Konflikt Autobahn kontra Naturschutz entscheiden musste. Gewonnen hat bisher die Autobahn. Wenn der BUND jetzt wieder verlieren sollte, hat das womöglich Auswirkungen auf weitere Klagen der Umweltschützer gegen die A 44. Klage eingereicht hat man schon gegen den folgenden Abschnitt der A 44, der Ortsumfahrung Wichmannshausen.

Inhaltlich geht es dort um die gleichen Belange wie bei der Spitzkehre von Oetmannshausen. Verliert man dort, werde der BUND wohl nicht „sehenden Auges“ in einen weiteren Prozess gehen, bei dem man kaum Chancen habe, sagt Thomas Norgall, beim BUND für den Naturschutz zuständig. Obwohl: So richtig klar ist das keineswegs, es gibt keine Entscheidung über einen möglichen Klageverzicht.

Das Land Hessen handelt vor der Verhandlung nach der Devise: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Die Chancen vor Gericht will man lieber nicht bewerten. Etwas zu einer Gerichtsverhandlung zu sagen, bevor die angefangen hat, gehöre sich nicht. Und was, wenn das Land Hessen vor dem Bundesverwaltungsgericht verliert? Dann muss wohl die gesamte Planung ab Oetmannshausen bis zum Anschluss an die A 4 bei Wommen hinterfragt werden.

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