Castor-Transport verschieben

Polizei durch A49-Proteste am Limit - Gewerkschaft fordert Konsequenzen

Täglicher Einsatz: Polizisten bei der Räumung des von Umweltaktivisten besetzten Waldes bei Stadtallendorf.
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Täglicher Einsatz: Polizisten bei der Räumung des von Umweltaktivisten besetzten Waldes bei Stadtallendorf.

Durch die Proteste gegen den Ausbau der A49 sind die Polizisten in der Region ständig im Einsatz. Die Gewerkschaft fordert jetzt Konsequenzen.

Kassel – Mindestens einige Hundertschaften, aber auch mal bis zu 3000 Polizeibeamte werden seit vier Wochen täglich bei den Protesten gegen den Weiterbau der A49 im besetzten Herrenwald bei Stadtallendorf eingesetzt, sagt Stefan Rüppel, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordhessen.

„Es gibt Kollegen, die bereits jetzt stark belastet und am Limit sind.“ Das könnte Folgen haben: „Vielleicht müssen wir den Bürgern demnächst sagen, dass wir weniger auf der Straße unterwegs sind, weil wir nach Stadtallendorf müssen“, so Rüppel.

Proteste gegen Weiterbau der A49: Polizei arbeitet am Limit

Dass die Arbeitsbelastung wegen der Proteste momentan sehr hoch ist, bestätigen mehrere Beamte des Polizeipräsidiums Nordhessen. Grund sei, dass durch die Einsätze in Mittelhessen Kollegen regelmäßig und deutlich häufiger in anderen Dienstgruppen aushelfen müssten als normal. Das betreffe alle Reviere in Kassel, Baunatal und Vellmar. Die Einsätze dauern nach Angaben eines Beamten mit An- und Abfahrt in der Regel 13 bis 14 Stunden.

„Wir sind uns der aktuell außergewöhnlich hohen Einsatzbelastung bewusst“, sagt Nordhessens Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. Ziel sei es, Probleme möglichst frühzeitig zu erkennen und übermäßige Belastungen einzelner Arbeitsbereiche zu vermeiden. Die nordhessische Polizei sei darauf auch gut vorbereitet, sagt der Präsident. „Es gelingt uns, alle anderen Einsätze und das Tagesgeschäft professionell abzuarbeiten.“

Einsatz bei Protesten gegen A49-Ausbau: Polizisten werden angefeindet

Stelzenbach weist auch daraufhin, dass es bei den Einsätzen zunehmend zu Anfeindungen und Angriffen auf die Einsatzkräfte komme. Er sei beeindruckt, welche Besonnenheit und Gelassenheit die Kollegen trotzdem immer wieder an den Tag legten und dabei einen „kühlen Kopf“ bewahrten. „Denn den Angreifern ist anscheinend oft nicht bewusst, dass hinter jeder Einsatzkraft ein Mensch steckt, der höchstrichterliche Rechtsprechung durchzusetzen hat.“

Um eine weitere Belastung für die Polizisten in Nordhessen zu vermeiden, appelliert der GdP-Vorsitzende Rüppel eindringlich an die Politik, zumindest den Castor-Transport nach Biblis, der für Anfang November geplant ist, auf das kommende Jahr zu verschieben.  (Ulrike Pflüger-Scherb)

Eine für den heutigen Samstag (24.10.2020) geplante Rad-Demo auf der A49 wurde von den Aktivisten abgesagt - dennoch gehen die Proteste weiter.

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