Nachruf

Lkw-Fahrer stirbt bei Unfall auf der A7 – er hinterlässt Frau mit kleinem Kind

Starb bei einem Verkehrsunfall auf der A 7: Der rumänische Lkw-Fahrer Emilian-Dan Toma (40) lebte mit seiner Familie in Kassel.
+
Starb bei einem Verkehrsunfall auf der A7: Der rumänische Lkw-Fahrer Emilian-Dan Toma (40) lebte mit seiner Familie in Kassel.

Er kam nach Deutschland, um seiner Tochter eine bessere Zukunft zu bieten: Dann starb der rumänische Lkw-Fahrer Emilian-Dan Toma bei einem Unfall. Frau und Tochter brauchen jetzt Hilfe.

Kassel – Als Emilian-Dan Toma vor zwei Jahren die rumänische Großstadt Brasov verließ, tat er dies für seine Tochter. Die damals drei Jahre alte Andreea Ioana sollte es einmal besser haben als ihre Eltern. Emilian-Dan Toma wanderte nach Kassel aus, fand hier einen Job als Lkw-Fahrer und holte seine Frau Cerasela und die Tochter wenig später nach.

Nun sind die beiden allein. Der Familienvater kam am 22. Oktober bei einem Unfall auf der A7 in der Nähe von Fulda ums Leben. Der 40-Jährige übersah ein Stauende und fuhr mit seinem Laster auf einen stehenden Lkw auf. Drei andere Fahrer wurden verletzt, für Emilian-Dan Toma kam jede Hilfe zu spät.

Emilian-Dan Toma stirbt bei Unfall auf A7: „Er hatte eine Vorahnung, dass er am Steuer sterben wird“

Der schreckliche Unfall passierte zwei Tage nach dem fünften Geburtstag von Andreea Ioana. Ihre Mutter sagte zu ihr: „Papa ist auf eine längere Reise zu den Engeln gegangen.“

Lkw-Fahrer gilt als Knochenjob. Es war aber der Traumberuf von Emilian-Dan Toma, der bereits in seiner Heimat Busse und Laster gesteuert hatte. In ganz Europa war er unterwegs. „Er liebte es zu fahren“, sagt seine Frau Cerasela. Immer wieder redeten sie darüber, ob er sich nicht einen ungefährlicheren Job suchen sollte. Aber Emilian-Dan Toma fuhr weiter. „Er hatte eine Vorahnung, dass er am Steuer sterben wird“, sagt seine Frau.

Kennengelernt hatten sich die beiden vor 17 Jahren in Brasov, einer 250.000-Einwohner-Stadt im Südosten Siebenbürgens, die auf Deutsch Kronstadt heißt. Die gelernte Apothekerin Cerasela arbeitete damals in einem Kosmetikladen, in dem man auch Socken kaufen konnte. Eines Tages betrat Emilian-Dan das Geschäft, um sich Strümpfe zu kaufen. In den Tagen danach kam er wieder und wieder und kaufte immer dasselbe. Cerasela rätselte, was er mit den ganzen Socken machen will.

Paar zog aus Rumänien nach Kassel

Nach zwei Wochen fragte er sie schließlich, ob sie Pizza essen gehen wollten. Im Restaurant gestand er ihr, dass er einfach Zeit gebraucht hatte, um sie anzusprechen – darum die vielen Socken. Damals mag er schüchtern gewesen sein. Doch sonst schätzte Cerasela, dass Emilian-Dan so entschlossen war: „Er war immer zuversichtlich, dass alles klappt.“

Nach Kassel zog das Paar, weil hier bereits einige Freunde von ihm lebten und ebenfalls als Lkw-Fahrer arbeiteten. Für Cerasela war Deutschland indes lange eine fremde Welt: „Am Anfang wollte ich jeden Tag nach Hause.“ Noch heute spricht sie kaum Deutsch. Aber sie fand eine Arbeit als Reinigungskraft. Sie verdient hier besser als in Rumänien, wo es als Apothekerin nur ein „lächerliches Gehalt“ gab.

Nach tödlichem Unfall auf A7: Frau und Tocher benötigen Unterstützung

Doch nun ist alles anders. Emilian-Dan Toma war der Hauptverdiener. Frau und Tochter brauchen nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch Hilfe bei Behördengängen. Vieles in Deutschland ist der 46-Jährigen noch fremd.

Unterstützung bekommt sie von Priester Ioan Ovidiu von der Rumänisch-Orthodoxen Kirche in Kassel, der bereits am Abend für sie übersetzte, als sie vom Tod ihres Mannes erfuhr. Der Geistliche weiß, dass es Rumänen hier nicht immer leicht haben: „Für viele Deutsche sind alle Rumänen Roma. Sie werden schikaniert.“ Cerasela Toma hingegen hat in Kassel noch keine Diskriminierungen erlebt. Sie sagt: „Ich bin kein Mensch, der von anderen etwas verlangt. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und bald wieder arbeiten kann. Ich muss jetzt Mutter und Vater sein.“

Wer die Familie unterstützen will, kann sich bei Priester Ioan Ovidiu von der Rumänisch-Orthodoxen Kirche melden: 01575/0737695, parohia.kassel@gmail.com. (Matthias Lohr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.