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Ab heute gibt es keine Quarantäne mehr in Hessen

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Von: Anna Weyh

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Ab heute gibt es in Hessen keine Isolationspflicht mehr für Menschen mit einem positiven Corona-Test.
Ab heute gibt es in Hessen keine Isolationspflicht mehr für Menschen mit einem positiven Corona-Test. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Isolationspflicht für Personen mit positivem Covid-19-Test gilt ab dem heutigen Mittwoch in Hessen nicht mehr.

Kassel – Hessen ist damit nach Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein das vierte Bundesland, das sich von der fünftägigen Quarantänepflicht für Corona-Infizierte verabschiedet. Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose sagte dazu im Landtag: „So wie wir bei einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems bereit und willens sind, Verschärfungen zum Schutz vorzunehmen, nehmen wir auch zur Kenntnis, dass die Situation in den Krankenhäusern derzeit absolut beherrschbar ist.“

Der Grundrechtseingriff einer Isolationspflicht sei daher nicht mehr zu rechtfertigen. Hessen bleibe aber auch im dritten Pandemie-Jahr besonnen, versichert Klose. Corona sei noch nicht vorbei und man beobachte die Lage aufmerksam. „So lange das derzeit herrschende Omikron-Virus nicht von einer Variante verdrängt wird, die unser Gesundheitssystem überlasten könnte, ist der Schritt verantwortbar und rechtlich geboten“, so der Gesundheitsminister.

„Es wird Zeit, langsam etwas normaler mit Corona umzugehen“, sagt Dr. Uwe Popert, Allgemeinmediziner in der Kasseler Praxis „Goethestraße 70“ und stellvertretender Vorstand des Hausärzteverbands Kassel. Er begrüßt es, dass er Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion durch die neue Regelung nun nicht mehr draußen vor der Praxis in der Kälte warten lassen muss. „Gerade im Winter ist das nicht schön. Eine Maske tragen sie in der Praxis ja ohnehin“, sagt er.

Mit Blick auf die sinkenden Infektionszahlen und Inzidenzen findet er es in Ordnung, die Isolationspflicht auszusetzen. „Es ist mittlerweile ganz anders als noch vor vier Wochen. Deutlich weniger Abstriche sind positiv bei uns“, sagt er. Popert rät den Menschen, die einer Risikogruppe angehören, sich weiterhin mit einer Maske zu schützen.

Auch der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) unterstützt die Aufhebung der fünftägigen Quarantäneregel. „Ein hoher allgemeiner Impfschutz, wirksame Medikamente und immer weniger schwerwiegende Verläufe verlangen einen neuen Umgang mit Covid-19“, sagen die Vorstandsvorsitzenden der KVH, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke.

Hingegen kritisiert Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Aufhebung der Isolationspflicht in den einzelnen Bundesländern. „Das kommt jetzt zur Unzeit und findet nicht die Billigung der Bundesregierung“, sagt er. Lauterbach sehe darin keinen medizinischen Grund und warnt vor einem Flickenteppich mit unterschiedlichen Isolationsregeln in den Ländern.

Die hessische Landesregierung empfiehlt Corona-Infizierten mit Krankheitssymptomen weiterhin, die Wohnung möglichst nicht zu verlassen, um schnell wieder gesund zu werden und niemanden zu gefährden.

Mit der Aufhebung der Isolationspflicht gehen außerdem weitere Schutzmaßnahmen einher, zum Beispiel gilt für positiv getestete Personen eine Maskenpflicht in Innenräumen.

Das sagen Kasseler: „Wir können nicht ewig so weiterleben“

Bei unserer Umfrage in der Kasseler Innenstadt über die Abschaffung der Isolationspflicht waren nur wenige Passanten bereit, ihre Meinung zu äußern. Der 54-jährige Amir Assadi sieht das Wegfallen der Quarantänepflicht unproblematisch. Er halte die Corona-Regeln mittlerweile für widersprüchlich. In dem Behindertenheim, in dem er arbeitet, habe es nie große Probleme mit Corona gegeben. „Man bleibt zuhause, wenn man sich schlecht fühlt“, so Assadi. Schüler Sebastian Synofzik befürchtet, dass es für diese Lockerung noch zu früh sein könnte. „Die Fallzahlen sind noch hoch, aber wir können auch nicht ewig so weiterleben“, sagt der 15-Jährige. Bei einer Infektion würde er sich freiwillig isolieren. 

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