Landgericht Kassel schickt Vermittler für fünf Jahre hinter Gitter

Abenteuerliches Drogengeschäft

Kassel. „Neun Kilo reinstes Heroin, gestreckt das Zehnfache, Marktwert 1,8 Millionen Euro“, rechnete Staatsanwalt Ulrich Hübenthal in seinem Plädoyer vor. Weil der Angeklagte dazu angestiftet habe, diese Menge „tödlichen Stoff“ aus der Schweiz zu importieren, forderte Hübenthal fünfeinhalb Jahre Haft. Das Landgericht verhängte fünf Monate weniger und folgte dem Antrag von Verteidiger Frank Richtberg.

Sein Mandant gehöre nicht zu den Hintermännern des Drogendeals, hatte Richtberg betont. Er habe das Geschäft gemacht, um „schnell etwas Geld zu verdienen und ist selbst nur benutzt worden“. Richtberg forderte die Unterbringung des 47-Jährigen in einer Entziehungsanstalt, damit dieser seine Kokainsucht in den Griff bekomme. Das verwehrte die Kammer jedoch.

Dass der Fall überhaupt vor dem Landgericht Kassel verhandelt werden konnte, lag an der Aussage des Drogenkuriers, den der Angeklagte angeheuert hatte. Obwohl der Kurierfahrer noch auf seinen eigenen Prozess wartet, berichtete er nun als Zeuge von einer abenteuerlichen Reise in die Schweiz, zu der ihn der Angeklagte im Oktober 2011 angestiftet habe: Zunächst habe er in der völlig falschen Stadt nach dem Übergabeort gesucht. In Bern sei es schließlich zu dem Treffen mit den Kontaktpersonen gekommen. 18 Päckchen à 500 Gramm seien ihm in einer Sporttasche überreicht worden. „Mir war bewusst, dass es sich um ein illegales Geschäft handelt - Drogen oder Devisen, jedenfalls keine Schweizer Schokolade“, sagte der Zeuge.

„Einige Umstände der Aktion hätten ihm zwar missfallen, trotzdem entschied er sich mit der Fracht die Heimreise nach Kassel anzutreten. 4000 Euro hätte er für den Job bekommen sollen, berichtete der Zeuge, 1500 Euro davon wären als Provision an den Angeklagten gegangen. Als der Kurierfahrer in Kassel die Autobahn verließ, schnappte die Falle der Fahnder zu. Bote und Vermittler wurden festgenommen.

Der Angeklagte ließ den Prozess geduldig über sich ergehen. Sein Geständnis war kurz. Außer sich selbst belastete er niemanden - kein Wort über die Hintermänner. Da es bereits beim Prozessauftakt eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben hatte, war das Urteil keine Überraschung.

Allerdings blickte der 47-Jährige äußerst enttäuscht, weil er die Strafe nicht in einer Entziehungsanstalt absitzen darf. Begründung des Gerichts: „Die Tat ist nicht aus Suchtdruck heraus begangen worden. Auch besteht nicht die Gefahr einer erneuten Straftat des Angeklagten wegen seiner Kokainsucht.“ (jft)

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