Maria Anna Muller konnte die Erwartungen nicht erfüllen - Eine Bilanz ihrer Geschäftsführung

Abflug nach eineinhalb Jahren

Bild mit Seltenheitswert: Maria Anna Muller vor einem abflugbereiten Flieger auf dem Flughafen Kassel-Calden. Nach nur eineinhalb Jahren wurde der Vertrag mit der glücklosen Geschäftsführerin aufgelöst. Archivfoto:  dpa

Kassel/Calden. Als Maria Anna Muller am 3. September 2012 den Chefsessel am Flughafen Kassel-Calden einnahm, waren die Vorschusslorbeeren gewaltig. „Sie ist die Richtige für den Flughafen“. Darin waren die Spitzen der vier Gesellschafter der Flughafen Kassel GmbH (FKG) überzeugt, als sie vor exakt zwei Jahren die Verpflichtung Mullers bekannt gaben.

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer nannte Muller „eine ausgewiesene Fachfrau“, die seit vielen Jahren unter Beweis stelle, „dass sie ihr Handwerk in der hart umkämpften Luftfahrtbranche... nicht nur versteht, sondern dabei auch äußerst erfolgreich ist“. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen attestierte ihr „genau das richtige Profil“ und für Landrat Uwe Schmidt war sie „die Richtige für den Neustart“. Caldens Bürgermeister Andreas Dinges wusste darüber hinaus zu schätzen, dass „auch bei der Geschäftsführung des Flughafens die Frauenquote erfüllt werden konnte.“

Zwei Jahre, nachdem Muller in den Himmel gehoben wurde, und eineinhalb Jahre nach ihrem Amtsantritt haben dieselben vier Männer nun die Reißleine gezogen. Denn die Bilanz des Flughafens unter der Leitung der 54-Jährigen ist verheerend. War man zur Eröffnung des neuen Flughafens vor knapp einem Jahr noch von einem Passagieraufkommen von 100 000 für 2013 ausgegangen, wurden die Erwartungen schon nach kurzer Zeit auf 60 000 Passagiere reduziert. Am Ende standen im Vorjahr nur knapp 50 000 Passagiere zu Buche und ein Defizit von rund 6,6 Millionen Euro.

Und auch für 2014 ist kaum Besserung in Sicht. Der erste Linienflug ist für April geplant, und die Verhandlungen mit der Fluggesellschaft Turkish Airlines, die bereits vor Wochen regelmäßige Linienflüge von Kassel-Calden nach Istanbul angekündigt hat, sind noch immer nicht abgeschlossen.

Kein Wunder also, dass die Kritik von außen in den vergangenen Wochen und Monaten immer lauter wurde und der Druck auf die Flughafen-Chefin wuchs. Nicht zuletzt die öffentliche Kritik von Justizministerin Eva Kühne-Hörmann am Management des Flughafens forcierte die Debatte um die glücklose Flughafen-Chefin.

Nach Darstellung von Finanzminister Schäfer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafen GmbH, liegt darin die Hauptursache für die Trennung von Muller. „Der Erfolgsdruck, vor allem durch die Medien, stand dazu (zu den Erwartungen) jedoch in keinem Verhältnis“, erklärte Schäfer am Samstag. Auf der anderen Seite räumt er aber ein, „in diesem ersten Jahr konnten nicht alle Erwartungen in vollem Umfang erfüllt werden“.

Gemeinsam mit dem Nachfolger, der bereits am Mittwoch bei der nächsten Aufsichtsratssitzung präsentiert werden soll, wollen die vier Gesellschafter den Flughafen „wieder in medial ruhigeres Fahrwasser geleiten“. Kernaufgabe sei es, den Geschäftsbetribe des Flughafens sukzessive aufzubauen und Airlines für den Flugbetrieb zu aquirieren.

Von Burghard Holz

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