Blick in die Zeugnisse Kasseler Promis

Abitur 2015: 1387 schafften es in Kassel

Fast 1400 junge Menschen haben in Kassel das Abitur geschafft und damit einen wichtigen Grundstein für ihr Leben gelegt. Wir haben prominenten Kasselern in ihre Zeugnisse geschaut.

Kassel. Es ist eine eindrucksvolle Zahl: 1387 Schüler haben in diesem Jahr ihre Abiturprüfung an Kasseler Gymnasien bestanden. Im Vorjahr waren es 1397. Drei Jahre lang hatten sie dafür in der Oberstufe gebüffelt. Unterstützt von Lehrern, die sich für sie ins Zeug gelegt haben.

Umso größer ist die Freude über alle, die es geschafft haben, die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. „Es war eine tolle Arbeit mit den Schülern“, sagt die Studienleiterin der Freien Waldorfschule Birgit Eggers. Diesmal ist sie besonders stolz auf die 37 Abiturienten, die allesamt die Prüfung bestanden haben und mit einem Abinotenschnitt von 2,0 in diesem Jahr vorn liegen.

Auch die Schulgemeinde der Elisabeth-Knipping-Schule ist stolz auf ihre 127 Absolventen, die von unterschiedlichen Schulformen und Schulen auch aus dem Umkreis an das Berufliche Gymnasium gewechselt waren. Darunter beispielsweise zwei einstige Hauptschülerinnen, die es bis zur Allgemeinen Hochschulreife schafften.

„Bei uns gelingt es, Schüler zum Abitur zu bringen, die woanders weniger Chancen gehabt hätten“, sagt Schulleiter Günther Wagner. Die Leistung und die Qualität einer Schule messe sich deshalb nicht nur am Ergebnis der Abiturnoten. So habe es sich das Team der Knipping-Schule unter anderem zur Aufgabe gemacht, Schülern Erfolgserlebnisse und Freude am Lernen zu vermitteln. Dies gelinge auch durch eine enge Bindung an Lebenspraxis und Berufspraxis. Wagner: „Das motiviert die Schüler zusätzlich.“

Auch die Friedrich-List-Schule besuchen Schüler mit unterschiedlichen Schullaufbahnen und häufig mit ausländischen Wurzeln, erläutert Schulleiter Michael Kircher. Deshalb gebe es an dem Beruflichen Gymnasium viele Förderangebote und Maßnahmen, die darauf ausgerichtet seien, dass möglichst alle das Abitur schaffen. 130 List-Schülern ist es diesmal gelungen. Ein Großteil der 13, die es nicht geschafft haben, ging aber mit der Fachhochschulreife von der Schule ab.

Abitur 2015: Ein Blick in die Zeugnisse Kasseler Promis

Ein Blick in die Zeugnisse Kasseler Promis
Der Anwalt: Die Fernsehkarriere ist nicht die einzige, die der Kasseler TV-Anwalt Christopher Posch gemacht hat. Der 39-jährige Jurist ist ein gefragter Strafverteidiger. Sein Abi hat er am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Melsungen gebaut – mit einem Schnitt von 2,1. Englisch und Gesellschaftlehre lagen ihn am meisten. Und welche Fächer nicht? „Die ganze Bandbreite der Naturwissenschaften.“ © 
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Der F ußballer: Mit Note 3,0 legte Thorsten Bauer 1997 sein Abi an der Albert-Schweitzer-Schule ab. Bestes Fach: Sport. Bei der Fußball-Prüfung holte der Rekordtorschütze und Sympathieträger des KSV Hessen die Höchstzahl (15 Punkte). Sonst sei er Mittelmaß gewesen, auch in den Leistungskursen Englisch und Gemeinschaftskunde (GK). Schlechtestes Fach: Französisch. „Heute hätte ich sicher mehr fürs Abi getan“, sagt der 37-jährige Sozialversicherungsfachangestellte bei der Barmer. © 
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Der Oberbürgermeister: Bertram Hilgen war ein Musterschüler. Sein Abitur an der Winfriedschule in Fulda absolvierte er mit dem Notenschnitt 1,5. Seine schlechtesten und besten Leistungen lagen dicht beieinander: Im Fach Mathe, das Hilgen sehr leicht fiel, bekam er eine 1, in Latein, für Hilgen „hartes Brot“, gab’s eine 2. Möglicherweise habe auch die tägliche lange Anreise von seinem Heimatort Tann in der Rhön bis zu seiner Schule in Fulda seine Motivation beflügelt: „Wer jeden Tag 25 Kilometer mit Bus und Bimmelbahn durch die Rhön zur Schule fährt, weiß, wie hart das ist und macht sich doppelt krumm, damit der Start ins Leben gelingt. Die Jahre auf der Winfriedschule in Fulda waren deshalb eine Art Test fürs Leben und die Tatsache, dass ich ihn sehr gut bestand, ein gewaltiger Schub für die weitere Zeit.“ © 
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Die Ministerin: Eva Kühne-Hörmann hat ihr Abitur 1981 mit einem Schnitt von 2,2 am Friedrichsgymnasium abgelegt. Sie hat das Graecum und das große Latinum bestanden. Altgriechisch und Gemeinschaftskunde waren die Leistungskurse der hessischen Justizministerin, zum Fach Chemie hatte sie wenig Zugang. „Der Unterricht in Altgriechisch war ein Vergnügen und an Aktualität nicht zu überbieten.“ Vom Umweltschutz im alten Griechenland bis zur Beschäftigung mit der Philosophie sei alles dabei gewesen. © 
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Die Schuldezernentin: Schuldezernentin Anne Janz hat ihr Abitur auf dem Gymnasium Wolfenbüttel in Niedersachsen gemacht. Schnitt: 3,0. Lieblingsfach: Gemeinschaftskunde. „Ich habe in der Schule mein Interesse an politischen und gesellschaftlichen Themen entdeckt. Meine Erfahrung ist, dass es im Leben viel wichtiger ist , die eigenen Interessen und Talente zu kennen, als Spitzennoten vorzuweisen.“ © 
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Der Uni-Präsident: Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep hat sein Abi 1965 am Ratsgymnasium Wolfsburg gemacht. Eine Durchschnittsnote gab es damals nicht. Er hatte aber eins der besten Zeugnisse seiner Klasse: ein „sehr gut“ in Sport, in den restlichen Fächern zu gleichen Teilen „gut“ und „befriedigend“. Ein schlechtestes Fach gab es mithin nicht, sagt Postlep. „Für Mathe und Chemie musste ich mehr tun als für andere Fächer.“ © 
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Der Bischof: Bischof Martin Hein hat sein Abitur 1972 am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium Frankfurt abgelegt. Sein Schnitt: 1,4. Ein bestes und schlechtestes Fach gab es nicht, es waren halt nur „sehr gut“ und „gut“, erzählt Hein. Seine Lieblingsfächer waren Latein, Gemeinschaftskunde und Musik. „Aus eigener Erfahrung, aber auch als Vater zweier Töchter, halte ich die Aussagekraft eines Abi-Zeugnisses für eher begrenzt. Die Schwerpunktsetzung im Studium oder in der Ausbildung ermöglicht es erst, die Interessen zur Geltung zu bringen.“ © www.medio.tv
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Der Sparkassen-Boss: Beruhigend: Der Chef des größten Kreditinstituts in Nordhessen konnte schon immer gut rechnen. In Mathe und Physik, sagt der Vorstandsvorsitzende der Kasseler Sparkasse, Ingo Buchholz, sei er immer sehr gut gewesen, was man von den Fremdsprachen nicht sagen könne. 1984 legte der Banker in Celle das Abitur ab. Notenschnitt: 2,7. © 
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Der Intendant: Thomas Bockelmann, Intendant des Kasseler Staatstheaters, hat sein Abitur mit der Durchschnittsnote 2,3 auf der Odenwaldschule gemacht. Sein bestes Fach war Deutsch (1), sein schlechtestes Mathe (4). Noten seien aber nicht alles. „Viel wichtiger ist es, rauszufinden und zu spüren, was einen wirklich interessiert. Und da dann dranzubleiben, selbst wenn es wehtut. “ © 
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Die Friseurmeisterin: Als Alexandra Kaske-Diekmann 1982 ihren Realschulabschluss an der Freien Waldorfschule in Kassel machte, verteilte die Privatschule noch keine Noten. Auf ihr Abschlusszeugnis der Berufsschule ist die 49-jährige Kreishandwerksmeisterin, Friseurmeisterin und Unternehmerin aber stolz: Sie bewies, dass Hessinnen allen Unkenrufen zum Trotz in Baden-Württemberg gut abschneiden können. Ihre Durchschnittsnote war eine 2, gut sei sie in allen Fächern gewesen. © 

Und mit dem Abitur in der Tasche seien die Möglichkeiten sehr vielfältig, sagt Kircher. Wobei sich viele Abiturienten oft sehr großen Druck machten, weil sie ein bestimmtes Studium anstreben.

Gerade von den Absolventen, die einen G 8-Jahrgang besucht und in zwölf Jahren zum Abitur gegangen sind, entscheiden sich viele erst einmal für ein freiwilliges soziales Jahr oder auch einen Auslandsaufenthalt, weiß Helene Leick, Abteilungsleiterin an der Knipping-Schule. Das Bedürfnis der Absolventen, sich nach der Schulzeit erst einmal Zeit zum Orientieren zu nehmen, sei deutlich gestiegen.

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