Stadtverordnete lehnen Modellversuch ab

Absage für Haschisch-Club: Stadtverordnete lehnen Modellversuch ab

Kassel. Die Kasseler Stadtverordneten haben, gegen die Stimmen der Linken, die Gründung eines so genannten Cannabis-Social-Clubs abgelehnt. Ein solcher Club erleichtere Jugendlichen den Zugang zur Droge, lautete die Hauptbegründung.

Im Eingabeausschuss der Stadt hatte der Kasseler Mike Freidank einen solchen Modellversuch gefordert.

In der Einrichtung sollten Volljährige auf legalem Weg mit einer begrenzten Menge Cannabis versorgt werden. Auf diese Weise, so argumentierte Freidank, sollte der Drogenkriminalität der Boden entzogen werden. Für die Gründung des Clubs sollte die Stadt eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragen.

Das Interesse an der Arbeit des Eingabeausschusses, bei dem Bürger ihrer Anliegen einbringen können, war selten so groß wie am Dienstagabend. Mehrere Fernsehteams und auch Zuschauer waren in den Magistratssaal gekommen, um die Diskussion zu verfolgen.

Dr. Karin Müller, Leiterin des Kasseler Gesundheitsamtes, war eingeladen worden, um das Vorhaben aus medizinischer Sicht zu bewerten. Müller sagte, die gesundheitlichen Risiken von Cannabis lägen weniger im körperlichen Bereich, als vielmehr im psychischen und psychiatrischen. Der Konsum könne zu Depressionen, Halluzinationen und Gedächtnisstörungen führen.

Enrico Schäfer (SPD) nannte zwei Gründe, aus denen seine Fraktion einen solchen Club ablehne. Erstens sei die Cannabislegalisierung kein kommunales Thema. Und zweites könne der Schwarzmarkt nur auf Bundesebene bekämpft werden. Ein Cannabis-Club sei mit dem bestehenden Trinkraum nicht zu vergleichen.

Joachim Schleißing (Grüne) fand Freidanks Herangehensweise falsch. Zunächst müsse er eine Forschungseinrichtung finden, die einen solchen Modellversuch unterstützt und dann auch die entsprechende Ausnahmegenehmigung beantragt.

Axel Selbert von den Kasseler Linken gab Freidank Rückhalt: „Die Linken setzten sich dafür ein, dass Cannabis erlaubt wird. Dessen Konsum schlägt nicht negativer ins Gewicht als Alkohol.“ Das Problem seien die Kriminalisierung und die Vertriebswege, über die auch härtere Drogen verkauft würden.

Georg Lewandowski (CDU) sagte, die CDU werde sich „nicht an Maßnahmen beteiligen, die Drogen an die Menschen bringen“. Es sei nicht die Aufgabe der Stadt, sich um ein solches Projekt zu kümmern.

Freidank sagte zum Abschluss, er habe mit keinem anderen Abstimmungsergebnis gerechnet. Einige Wortbeiträge der Stadtverordneten bezeichnete er als „totaler Quatsch“. Cannabis sei nicht dadurch gefährlicher, wenn es legal ist.

Von Bastian Ludwig

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