"Ende einer Legende"

Abschied ohne Trauer: Lange Schlangen zur letzten Party im Musiktheater

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Wehmut zum Abschied: (von links) Maik Pompert, Melanie Simon, Bertram Schröder und Nicole Günther sind zur letzten Veranstaltung des Musiktheaters gekommen. Sie waren erstmalig 1992 im Club an der Angersbachstraße.

Kassel. Zahlreiche Partygäste waren ins Musiktheater gekommen, um gemeinsam Abschied zu nehmen, bevor das MT seine Türen für immer schließt. Viele wissen nicht, wo sie in Zukunft feiern sollen.

Trotzdem war es aber keine Trauerveranstaltung, sondern ein optimistisch stimmendes Fest. Das lag vor allem daran, dass junge wie ältere Fans alternativer und härterer Rockmusik mit Stolz feststellen konnten, dass die Szene weitaus größer ist, als vermutet.

Ein Zeichen dafür war die Schlange vor dem Einlass. Alle waren noch einmal gekommen, die Älteren in Black Sabbath- und Iron Maiden-T-Shirts und die Jungen in Shirts mit Eskimo Callboy- oder Rise Against-Aufdruck. Zwischen den verschiedenen Altersgruppen fand sogar ein reger Austausch statt.

„Schau dir diesen Abend an, mindestens drei Generationen, alle haben Spaß“, sagt Jannik Schleif aus Kassel. „Für mich war das MT meine Jugend“, sagt der 23-Jährige. Manuela Noll, eine Mittdreißigerin aus Eschenstruth, stimmt zu: „Das MT hat meine Jugend und meinen Musikgeschmack geprägt.“ Sylvia Thon aus Kassel erweitert die Altersgruppen derer, die ihre Jugend im MT verbracht haben, um ein weiteres Jahrzehnt. „Ich war am ersten Tag hier, als das MT vor 30 Jahren eröffnete und mich schaudert der Gedanke, das es jetzt schließt.“

„Ich finde das ganz schrecklich“, sagt auch Andreas Wolter (33) aus Niestetal, „das MT war die letzten 17 Jahre mein musikalisches Zuhause.“

Letzte Partynacht: Musiktheater schließt nach 29 Jahren

Da die Ankündigung der Schließung erst vor wenigen Tagen kam, hat er sich noch keine Gedanken machen können, wo man künftig hingehen wird. „In Kassel und Umgebung gibt es nichts Vergleichbares.“ Wie sehr die Musikrichtung gefragt ist, erlebte man in der letzten Nacht immer wieder, wenn auf der Tanzfläche Beifall aufbrandete.

Kollektive Freude, mal wieder zu „Warriors of the world united“ (Manowar) oder „Enter Sandmann“ (Metallica) und anderen rockigen Klassikern tanzen zu können.

Karten bleiben gültig

Unabhängig vom Betreiberwechsel finden aber bisher angekündigte Konzerte in den nächsten Monaten wie geplant statt. Das verkündete der Betreiber des MT auf seiner Internetseite. Dazu gehören das Konzert von Weekend am Donnerstag, 15. Oktober, das Scream-Festival am Samstag, 7. November, sowie der Auftritt von Sasha am Sonntag, 22. November. Gekaufte Karten bleiben gültig.

Hintergrund

Das Musiktheater hat sich binnen 29 Jahren mehrmals verändert. Ein Blick auf einige wichtige Jahre.

1986: Am 2. Februar eröffnet das Musiktheater an der Angersbachstraße. Zunächst wird das Gebäude, eine ehemalige Lagerhalle der Post, gemietet und in Eigenleistung umgebaut.

1994: Betreiber Joachim Batke kauft das Gebäude.

1996: Ein Gebäude neben dem MT wird angemietet, das gesamte Gelände bekommt später den Namen Nachthallen. Das zweite Gebäude heißt erst Yad, später Tonwerk und Nachtwerk. Auch eine „Dark Area“ wird als dritter Discobereich eröffnet.

2010: Der Mietvertrag für das Nebengebäude läuft aus, somit bleibt von den „Nachthallen“ nur noch das Musiktheater als Disco übrig.

2015: Am Samstag, 3. Oktober, fand die letzte Party im Musiktheater statt. Batke zieht sich als Betreiber zurück, bleibt aber Inhaber des MT-Gebäudes. Ab Mittwoch, 14. Oktober, wird der Electro-Club „130 bpm“ mit neuem Konzept eröffnen.

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