Ein Abschied mit Tränen: Schlecker schließt für immer

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Ende vor leeren Regalen: Neun Jahre haben Kathrin Gmirek (von links), Wilma Gauer und Gabriela Gerber bei Schlecker in Rothenditmold gearbeitet. Außer Kindernahrung und Haartönungen ist das meiste ausverkauft.

Kassel. Es war für die Mitarbeiter ein schwerer Tag: Vier Schlecker-Filialen in Kassel haben an diesem Wochenende für immer ihre Pforten geschlossen. Es war ein emotionales Ende - wir waren in der Filiale Rothenditmold dabei. Eine Reportage.

Als das Licht ausgeht, hat Kathrin Gmirek Tränen in den Augen. Sie steht mitten im Laden, umgeben von leeren Regalen. Es ist Samstagmittag, halb eins. Vor einer Stunde hat der Schlecker an der Wolfhager Straße für immer geschlossen.

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Kathrin Gmirek und ihre Kolleginnen Gabriela Gerber und Wilma Gauer haben neun Jahre in Rothenditmold zusammengearbeitet. Sie kennen ihre Kunden, mögen den Stadtteil. Gmirek und Gerber wohnen ein paar Straßen entfernt. Ab Montag können sie nicht mehr zur Arbeit laufen: Dann arbeiten sie in Filialen in Oberzwehren und sogar Bad Emstal. Das soll aber nur vorübergehend sein, bis das Personal neu auf die verbliebenen Filialen verteilt ist.

„Wir haben Glück gehabt“, sagt Gabriela Gerber. Als sie am Dienstag einen Anruf vom Betriebsrat bekam, war ihr ganz schlecht, erzählt sie. Aber die drei Kolleginnen gehören nicht zu den bundesweit 11.000 Mitarbeitern, denen gekündigt wurde. „Wir sind erleichtert, aber es ist trotzdem schlecht“, sagt Kathrin Gmirek, als sie ihren Spind ausräumt. Eine bunte Jacke, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, landet in der Mülltonne. Heute müssen sie alle persönlichen Dinge mitnehmen.

Weitere Hintergründe zur Schließung der vier Kasseler Schlecker-Filialen lesen Sie in der HNA-Montagsausgabe.

Zum Schlussverkauf gab Schlecker 30 Prozent Rabatt auf alles. Den mussten die Kassiererinnen bei jedem Artikel einzeln eintippen. „Wir hatten schon fast wunde Finger“, sagt Gabriela Gerber. Bei manchen Filialen seien die Schnäppchenjäger mit Kleintransportern vorgefahren, hat sie gehört: „Die haben gehaust wie die Vandalen.“ Die Stammkunden hätten sich sehr freundlich verabschiedet. Eine Kundin hat Wilma Gauer noch einen Strauß Tulpen geschenkt: „Die Leute hier in der Nachbarschaft sind todunglücklich“, sagt sie.

Archiv: Schlecker-Betriebsversammlung in Kassel

Schlecker: Betriebsversammlung in Kassel

Die drei Frauen aus Rothenditmold treten raus in die Sonne, und Wilma Gauer schließt zum letzten Mal den Laden ab. An der Ampel trennen sie sich, aber nur bis zum Nachmittag. Dann wollen sie mit einem Piccolo auf den letzten Tag bei Schlecker in Rothenditmold anstoßen.

Von Marcus Janz

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