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Helmut Ernst ist tot: Abschied vom besonnenen Kämpfer

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Von: Christina Hein

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Der Kasseler Helmut Ernst war ein Kämpfer für die Barrierefreiheit. Hier vor dem ICE-Bahnhof, der für ihn verbesserungswürdig ist.
Helmut Ernst war ein Kämpfer für die Barrierefreiheit. Hier vor dem ICE-Bahnhof, der für ihn stark verbesserungswürdig ist. © Christina Hein

Abschied vom besonnen Kämpfer für die Rechte Behinderter. Kassels Vorsitzender des Kasseler Behindertenbeirats, Helmut Ernst, ist mit 70 Jahren gestorben.

Kassel – Häufig sagt man über Verstorbene – vor allem dann, wenn der Tod überraschend kam: Er/Sie hinterlässt eine große Lücke, die so schnell keiner ausfüllen kann. Einer, auf den das zutrifft, ist Helmut Ernst. Der langjährige Vorsitzende des Kasseler Behindertenbeirats und seit fast 25 Jahren Vorsitzender der Behindertensportgemeinschaft Kassel 1951 ist am 8. Oktober im Alter von 70 Jahren unerwartet und plötzlich gestorben.

Seit Jahren war er ehrenamtlich für die Belange und die Rechte behinderter Menschen in Kassel im Einsatz. Dass sich Kassel in Sachen Barrierefreiheit im Vergleich zu anderen Städten sehen lassen kann, ist zum Teil auch Ernsts Einsatz zu verdanken, seinem Engagement und seinem Verhandeln mit Ämtern und Behörden.

Zu seinen hervorstechenden Eigenschaften zählten dabei Besonnenheit, Beharrlichkeit und Kompetenz in der Sache, für die er auch streiten konnte. Projekte, die Ernst in Angriff genommen hatte – etwa der barrierefreie Überweg an der Friedenskirche – ließ er nicht mehr von der Angel. Und sollte es auch Jahre dauern, bis sie realisiert werden – er blieb hartnäckig. Dabei war Ernst im Umgang mit anderen Menschen immer freundlich, verbindlich und zuverlässig. Helmut Ernst, der in Hessisch Lichtenau zur Welt kam, war nach einer Netzhautablösung im Alter von sechs Jahre erblindet. Er besuchte die Blindenschule in Friedberg, machte eine Ausbildung zum Stenotypisten und arbeitete bei einer Firma in Hessisch Lichtenau als Telefonist. Früh engagierte er sich für den Blinden- und Sehbehindertenbund und für die Behindertensportgemeinschaft Kassel 1951, die ihn 2006 in den Behindertenbeirat der Stadt entsandte. Im selben Jahr wurde er Vorsitzender des Beirats und blieb es 16 Jahre lang bis zu seinem Tod. Selber spielte er Tischtennis und Torball. Früh nutzte er elektronische Medien und das Internet, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich hatte viel mit Ernst zu tun. Sein Tod mache sie traurig. Sie habe einen „wichtigen Gesprächspartner“ verloren: „Helmut Ernst hat sich höchste Verdienste für das Gemeinwohl erworben. Unsere Zusammenarbeit im Sozialamt war immer konstruktiv und positiv.“ Ernsts Aufmerksamkeit habe dabei auf der Barrierefreiheit und inklusiven Sportangeboten gelegen. „Die Stadt wird Helmut Ernst und seinen Einsatz für die Teilhabe aller in unserer Gesellschaft in guter Erinnerung behalten“, sagt auch Oberbürgermeister Christian Geselle.

Carola Hiedl vom Behindertenbeirat und lange Ernsts Stellvertreterin sagt: „Er war immer präsent und gut vorbereitet. Er hat sich über Gedankenlosigkeit gegenüber Behinderten geärgert, aber er war nie verbittert, auch nicht in Bezug auf seine eigene Behinderung. Ich vermisse ihn menschlich und sachlich.“ „Er war streitbar – im positiven Sinne – und als Freund konnte man sich auf ihn verlassen“, sagt Horst Griffaton von der BSG.

Ehefrau Sabine Beez-Ernst bezeichnet ihren verstorbenen Mann als „Macher“: „Er hat sich immer für alle anderen eingesetzt und wusste stets – auch wenn es schwierig wurde – wie es weitergeht.“ Das sei in der Familie, zu der drei erwachsene Kinder gehören, und seinem privaten und sozialen Umfeld der Fall gewesen.

Zum Trauerhaus gehöre auch die achtjährige Blindenhündin Nanuk, sagt Sabine Beez-Ernst. „Das Tier jammert nur noch und sucht in allen Zimmern nach meinem Mann.“

Beisetzung Helmut Ernst: 19. Oktober, 12 Uhr, auf dem Friedhof in Hopfelde / Hess. Lichtenau.

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