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Abschied von Apostelkapelle

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Von: Christina Hein

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Apostelkapelle mit Glockenturm: Das Bauwerk war 1967 eingeweiht worden.
Apostelkapelle mit Glockenturm: Das Bauwerk war 1967 eingeweiht worden. © Katja Rudolph

Die Gottesdienste in der Apostelkapelle werden eingestellt. Die Gemeinde der Friedenskirche hat darüber informiert, dass die Kapelle im Aschrottpark 2022 aufgegeben wird. Mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 16. Januar, werden dort die regelmäßigen evangelischen Gottesdienste zu Ende gehen.

Vorderer Westen. Alles Mögliche hat die Gemeinde der Friedenskirche in den zurückliegenden Jahren unternommen, um ihre Zweigstelle Apostelkapelle im Aschrottpark zu halten. Das Problem: Die Unterhaltungskosten sind zu hoch in Relation zu den Gottesdienstbesuchern. Deren Zahl lag in den vergangenen Jahren häufig unter zehn pro Gottesdienst, sagt Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath.

Wegen zu hoher Heizkosten hatte die Gemeinde bereits 2012 Gottesdienste im Winter gestrichen. Sie wurden wieder angeboten, nachdem eine neue Heizung eingebaut worden war. Trotzdem blieben die Kosten hoch.

Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath in der Apostelkapelle, im Hintergrund das Schnitzwerk des Kasseler Künstlers Hermann Pohl.
Kunst aus Holz: Pfarrer Carsten Köstner-Norbisrath in der Apostelkapelle, im Hintergrund das Schnitzwerk des Kasseler Künstlers Hermann Pohl. © Katja Rudolph

Jetzt also steht fest: „Die Gottesdienste in der Apostelkapelle werden eingestellt.“ Mit dieser Mitteilung im Gemeindeblatt hat die Gemeinde der Friedenskirche darüber informiert, dass die kleine Kapelle im Aschrottpark 2022 aufgegeben wird. Mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 16. Januar, 10.30 Uhr (die Gemeinde bittet um Anmeldungen), werden dort die regelmäßigen evangelischen Gottesdienste zu Ende gehen.

Es sei dem Kirchenvorstand der Gemeinde Friedenskirche nicht leicht gefallen, den zweiten Gottesdienststandort nach 55 Jahren aufzugeben, sagt Pfarrer Köstner-Norbisrath: „Aber es gibt keine Alternative.“

Die Apostelkapelle war 1967 vor allem für die zwischen Tannenwäldchen und Bahnhof Wilhelmshöhe wohnenden Menschen und für die Bewohnerinnen des Aschrottheims gebaut worden. Die im Park gelegene Kapelle werde wegen ihres anheimelnden Charakters von vielen Menschen geschätzt, so Pfarrer Köstner-Norbisrath. Im Zusammenspiel mit der hochwertigen Marcussen-Orgel hatten dort viele kammermusikalischen Konzerte stattgefunden. Zudem gab es alternative Gottesdienstformen wie die „Meditativen Abendgottesdienste“.

Seit Ostern 2014 teilt sich die Gemeinde den Kirchenraum mit der Rumänisch-orthodoxen Gemeinde. Sie wird dort auch weiterhin ihre Gottesdienste feiern und hat großes Interesse daran, die Kapelle langfristig zu nutzen. Vor der Corona Krise haben 150 bis 200 rumänische und moldawische Menschen aus Kassel und Umgebung die sonntäglichen Gottesdienste besucht. „Die Kapelle ist für uns die Mitte, das Herz und eine Heimat geworden ist“, sagt Pater Ioan Ovidiu. „Deswegen wünschen wir uns sehr, die Kapelle langfristig mit Leben zu füllen.“ Dafür gebe es derzeit Gespräche mit der Evangelischen Kirche über mögliche Alternativen. Da sich die Gemeinde frei finanziert, müsse kalkuliert werden. Unter welchen Bedingungen – ob zur Miete, als Pacht oder ob die Kapelle verkauft werden kann – sei noch offen, sagt dazu Stadtdekan Michael Glöckner. „Hier bedarf es weiterer Gespräche.“ Er bedauert die Aufgabe der Kapelle, sehe aber die Notwendigkeit: „Die ev. Kirchengemeinden in Kassel konzentrieren sich.“ Dass sich die Friedenskirche vom Standort Apostelkapelle trennt, habe personelle, ökonomische und ökologische Gründe. „Dennoch haben wir in Kassel verteilt über das Stadtgebiet genügend gut erreichbare, attraktive Gottesdienststandorte.“ Glöckner: „Wir würden uns freuen, wenn in der Apostelkapelle weiterhin Gottesdienste durch eine andere Gemeinde gefeiert werden können.“ Eigentümer der Kapelle ist der Stadtkirchenkreis, das gegenüberliegende Pfarrhaus gehört der Kirchengemeinde. Pfarrer Norbisrath-Köstner tröstet: „Zu besonderen Anlässen kann die Gemeinde der Friedenskirche ihre lieb gewonnene Kapelle auch weiterhin nutzen.“ » 

Apostelkapelle im Aschrottpark Kassel
Apostelkapelle im Aschrottpark Kassel © HNA

Hintergrund

Roter Backstein, eine holzvertäfelte Decke, eine schlichte Kanzel aus Holz: Nicht nur der Geist Gottes, auch der gestalterische Geist der ausgehenden 1960er-Jahre erfüllt die evangelische Apostelkapelle im Vorderen Westen. 1967 ist der schlichte Flachbau im Aschrottpark eingeweiht worden. Der erste Gottesdienst fand am 15. Januar 1967 statt. Entworfen wurde das Gebäude von dem Kasseler Architekten Werner Hasper, der auch die Treppenstraße geplant hat. Über dem Altar ist ein Schnitzwerk des Kasseler Künstlers Hermann Pohl mit Szenen aus dem Johannes-Evangelium angebracht. Mit dem Stadtteil, der sich seinerzeit weiter in Richtung Westen ausdehnte, war auch die Gemeinde gewachsen. Damals hatte sie 7000 Mitglieder (heute sind es 3700). Eine zweite Gottesdienststätte sollte her, um den Gläubigen zwischen Tannenwäldchen und Wilhelmshöher Bahnhof eine Anlaufstelle zu bieten. Schon einmal war die Zukunft der Kapelle gefährdet. Wegen zu hoher Heizkosten hatte die Gemeinde 2012 die Reißleine gezogen und im Winter die Gottesdienste gestrichen. Danach war der Standort auch in der kalten Jahreszeit wiederbelebt worden – dank einer Untervermietung. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde feiert seit 2014 ihre Gottesdienste in der Kapelle. Im Herbst 2016 war die alte Ölheizung durch eine moderne Gasheizung ersetzt worden.

(Christina Hein)

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