Nach 13 Jahren als Direktor geht Dr. Jürgen Ziegler (61) in den Ruhestand - Verantwortlich für 1100 Schüler

Abschied vom Wilhelmsgymnasium

Markante Architektur: Die Aula des Wilhelmsgymnasiums aus den 1960er-Jahren schätzt Jürgen Ziegler besonders. Er geht zum Monatsende in den Ruhestand. Foto:  Herzog

Kassel. Seinem Sportlehrer an der Grundschule am Wall (Wesertor) ist er bis heute dankbar. „Der hat mir Mut gemacht und gesagt, dass ich das Abitur schaffen kann“, sagt Dr. Jürgen Ziegler (61).

Ohne diese frühe Weichenstellung hätte er wohl nicht studiert und wäre auch nicht Direktor am traditionsreichen Kasseler Wilhelmsgymnasium geworden. 13 Jahre hatte er Verantwortung für rund 1100 Schüler und 80 Lehrer. In wenigen Tagen wird Ziegler in die passive Phase der Alterteilzeit verabschiedet.

Er hat eine berufliche Laufbahn hinter sich, die ihm nicht in die Wiege gelegt wurde. Die Eltern kamen 1953 aus Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) nach Kassel. Der Vater, den die Staatssicherheit der DDR im Visier hatte, fand Arbeit als Lokbauer bei Henschel, die Familie wohnte am Westring in der Nordstadt.

Die Jahre an der Goetheschule und später als einer der ersten Studenten an der Gesamthochschule Kassel haben Jürgen Ziegler ebenso geprägt wie der Sport. Er holte nationale Titel im Stabhochsprung und wurde sogar Vizeeuropameister in der Halle. Eine Fußverletzung beendete die Karriere im Leistungssport.

Dass er sich bis heute gern bewegt, sieht man dem drahtigen Pädagogen an. Deutsch und Sport hat er studiert und seine Doktorarbeit über Sport als damals noch neues Leistungsfach an der Schule geschrieben.

Für jemanden, der eigentlich sein gewohntes Umfeld in Kassel schätzt, war es ein riesiger Sprung, nach Istanbul zu gehen. Ziegler hat sich das 1987 mit seiner Frau und der damals noch ganz jungen Tochter getraut. Die vier Jahre an der deutschen Schule in der Metropole Istanbul hätten seinen Horizont ungemein geweitet, sagt er. Als die Familie zurück kam, nahm er über die damalige Schulabteilung beim Regierungspräsidium und die König-Heinrich-Schule in Fritzlar Anlauf für seinen Traumberuf am Wilhelmsgymnasium.

Drastisch verjüngt

Unglaublich viel habe sich da in den vergangenen Jahren geändert. Mit 60 neuen Lehrern sei der Alterdurchschnitt drastisch nach unten gegangen.

Zu den großen baulichen Veränderungen gehörte nach 30 Jahren Diskussion eine neue Sporthalle und auch eine Mensa. „Die Stadt Kassel hat während meiner Zeit als Direktor viel gemacht, das muss man wirklich anerkennen“, sagt Ziegler. Er hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er auf Leistung setzt. „Wenn alle die gleichen Chancen haben, ist das ein zutiefst demokratischer Ansatz“, sagt er.

Für den Ruhestand hat er sich - wen wundert es? - mehr Sport vorgenommen. Mit seiner Frau will er ausgedehnte Touren in den Bergen unternehmen und sich endlich mehr Zeit für die beiden Enkel nehmen. Einen Nachfolger für Ziegler will das Kultusministerium in den nächsten Wochen präsentieren.

Von Thomas Siemon

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