Dioxinskandal: Keine Proben aus Stadt und Kreis – Veterinärämter kontrollieren regelmäßig 4000 Betriebe

„Absolute Sicherheit gibt es nicht“

Unter der Lupe: Lebensmittelkontrolleure untersuchen in Stichproben, wie es um die Belastung zum Beispiel von Hähnchenfleisch bestellt ist. Unser Symbolbild zeigt Marina Schotte vom Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt in Arnsberg bei einer Kontrolle. Archivfoto: dpa

Kassel. Hessenweit gibt es Entwarnung: In Eier-Stichproben wurde kein Dioxin gefunden, berichtet Dr. Heiko Purkl, stellvertretender Leiter des Amts für Veterinärdienst und Lebensmittelüberwachung in Kassel. Weitere Untersuchungen laufen, weiß Purkl: „Sollte es auffällige Befunde geben, würden wir informiert.“

Im Dioxinskandal laufen die Fäden im Ministerium in Wiesbaden zusammen. Das hessische Landeslabor hatte Eierproben von verschiedenen hessischen Veterinärämtern angefordert – jedoch nicht aus Kassel. Auch der Landkreis habe keine Proben liefern müssen, sagt Pressesprecher Harald Kühlborn. „Im Moment gibt es keinen akuten Anlass, dass wir losrennen und die Regale leer räumen müssten“, formuliert es Purkl überspitzt. Das gelte auch für Fleisch: Für die neun Mastbetriebe in der Schwalm, die in Verdacht standen, Futtermittellieferungen mit überhöhtem Dioxingehalt erhalten zu haben, hatte es Entwarnung gegeben.

Regelmäßige Kontrollen

Regelmäßig besuchen je fünf Lebensmittelkontrolleure der Veterinärämter in Stadt und Kreis ortsansässige Betriebe zur Kontrolle. 2200 sind es in Kassel, 1721 im Landkreis. Dazu zählen Gastronomiebetriebe – von der Imbissbude bis zum Nobelrestaurant –, Einzelhändler und Hersteller wie Bäckereien oder Brauereien. Im Kreis sind rund 1200 landwirtschaftliche Betriebe darunter, ergänzt Kühlborn.

„Jeder Betrieb wird risikobeurteilt – danach richtet sich die Kontrollfrequenz“, sagt Purkl und nennt zwei Beispiele: Einen Getränkehändler kontrolliere das Amt nur jährlich, da dieser ein in Flaschen geschütztes Produkt anbiete. Einem Imbiss hingegen, der mit Hackfleisch arbeite, statte man weitaus öfter Kontrollen ab. Je schlechter ein Betrieb abschneide, desto häufiger werde er kontrolliert.

Verdachtsproben

„Unsere Hauptprobleme sind fehlerhafte Produktkennzeichnungen“, sagt Kühlborn: Phosphat in Bratwurst etwa, was auf Speisekarten aufzulisten sei. Auch Bierzapfanlagen und Sahneautomaten habe man im Blick. Insgesamt überprüfen die Veterinärämter in Stadt und Kreis sämtliche Betriebe, die Lebensmittel, Kosmetika oder sogenannte Bedarfsgegenstände (zum Beispiel Pfannen, in denen Lebensmittel zubereitet werden) produzieren oder anbieten. Fällt den Kontrolleuren dabei etwas auf, etwa Fleisch, das einen schmierigen Eindruck macht, nehmen sie eine Verdachtsprobe. Bei einer Planprobe hingegen gehen die Mitarbeiter ganz gezielt vor: „Wir überlegen, wo das Risiko am höchsten sein könnte“, erläutert Purkl: Arzneimittelrückstände in Hühnerfleisch, Anabolika in Kalbfleisch nennt er als Beispiele.

Allen Kontrollen zum Trotz: „Es gibt keine absolute Sicherheit“, räumt Purkl ein. Die Mitarbeiter könnten nur ein bestimmtes Kontingent untersuchen – Dioxin sei schließlich nur ein unerwünschter Stoff unter vielen Tausend. Dass die Verunsicherung unter den Verbrauchern wächst, kann Heiko Purkl gleichwohl nachvollziehen: „Ich empfehle, nicht in Hysterie zu verfallen, sondern sich zu informieren.“

Informationen: www.hmuelv.hessen.de oder www.verbraucherfenster-hessen.de Hier werden unter anderem Kennnummern von mit Dioxin belasteten Eiern bekannt gegeben.

Von Anja Berens

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