Krebsvorsorge: Nach auffälligem Befund am Gebärmutterhals sind Kontrollen nötig

Was ein Abstrich verrät

Auffälliger Abstrich des Gebärmutterhalses: Deutlich sind die unterschiedlich großen Kerne der eingefärbten Zellen zu erkennen. Foto:  Walbeck/nh

Ich bin in Sorge, weil bei der letzten Krebsvorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt ein Abstrich nicht in Ordnung war. Mein Arzt sagt, nach einem Vierteljahr soll eine Kontrolle erfolgen. Ich habe aber Angst, dass in dieser Zeit eine bösartige Erkrankung fortschreiten könnte. Was soll ich tun?“, fragt eine 32-jährige Leserin aus Vellmar.

Auf diese Frage und dieses Thema geht Drs. Janusch Walbeck, niedergelassener Frauenarzt und Cytologe in Kassel, ein.

?Was ist zu tun, wenn bei einer Untersuchung zur Krebsfrüherkennung der Abstrich mit Zellen des Gebärmutterhalses einen auffälligen Befund aufweist?

!„Zunächst einmal ist dies kein Grund zur Panik“, betont der Facharzt. Ein nicht eindeutiges oder ein abnormes Untersuchungsergebnis könne durch verschiedene Faktoren entstehen. So könnten Zellveränderungen bereits durch Entzündungen oder Pilzinfektionen hervorgerufen werden. In den meisten Fällen verschwinden solche auffälligen Veränderungen von allein wieder. Sei ein Abstrich auffällig, setze man deshalb in der Regel nach drei bis sechs Monaten eine Kontrolluntersuchung an. Seien Abstriche wiederholt auffällig, „muss man genauer gucken“, sagt der Gynäkologe.

?Wie geht es danach weiter, wenn der Kontrollabstrich erneut auffällig ist?

!Da bei Zellveränderungen am Muttermund eine Infektion mit bestimmten Viren eine große Rolle spielt, wird häufig ein Test auf Humane Papilloma Viren (HPV) mitgemacht. Mithilfe molekularbiologischer Methoden kann man eine Infektion mit HPV-Viren nachweisen und die verschiedenen Viren-Typen bestimmen.

Im Falle eines positiven HPV-Tests mit Nachweis einer Hochrisiko-Infektion ist es nun besonders wichtig, alle drei bis vier Monate einen Krebsabstrich zu untersuchen, um die Patientinnen herauszufiltern, bei denen sich gefährliche Zellveränderungen entwickeln können. Von der Infektion bis zur Entwicklung einer Krebserkrankung dauert es in der Regel mindestens sieben Jahre, erläutert Walbeck.

?Auch eine Infektion mit einem Hoch-Risiko-Virus heißt also nicht, dass man an Krebs erkranken wird?

!Nur zwei bis acht Prozent aller Infizierten entwickeln langfristig HPV-ausgelöste Zellveränderungen bis hin zum Gebärmutterhalskrebs. Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der mit HPV infizierten Patienten ist ein intaktes Immunsystem in der Lage, die Infektion zu kontrollieren und auch zu bekämpfen.

?Was kann man denn tun, um die körpereigene Abwehr zu unterstützen, und gibt es eine medizinische Therapie, um HPV-Viren zu entfernen?

!Leider gibt es derzeit keine spezifische Therapie, um die HPV-Viren zu entfernen. Doch kann ein gesundes Immunsystem eine HPV-Infektion jahrelang unter Kontrolle halten oder sogar zurückdrängen. Wie gut die körperliche Abwehr einer Patientin, beziehungsweise wie groß ihr Risiko ist, nach einer HPV-Infektion eine Krebserkrankung zu entwickeln, lässt sich anhand bestimmter Biomarker nachweisen. Deshalb sind auch solche Tests sinnvoll, wenn bereits Zellveränderungen da sind, sagt der Gynäkologe.

Hilfreich für das Immunsystem ist ein gesunder Lebensstil. Schädlich indes sind vor allem Rauchen, Stress und Schlafmangel. Zur Unterstützung des Immunsystems gibt es laut Walbeck gute Erfahrungen mit Vitamin-C-Vaginaltabletten und örtlich angewandten Vitamin-D-Tropfen, die bereits nach einigen Wochen nachweisbar zu erfreulichen Zellveränderungen führen können.

?Was ist zu tun, wenn nun aber doch wiederholt Zellveränderungen bei der cytologischen Untersuchung festgestellt werden?

!In diesem Fall kann der behandelnde Arzt die Patientin zu einer Dysplasiesprechstunde überweisen, erläutert der Gynäkologe. Nach einem ausführlichen Gespräch wird die Patientin hierbei mithilfe eines Koloskops (Vergrößerungsglas) untersucht. Um abnorme Zellveränderungen besser erkennen zu können, werden spezielle Essigsäurelösungen auf den Muttermund aufgebracht, um veränderte Bereiche deutlich sichtbar zu machen. Auch gezielte Abstriche und Gewebeproben können dabei entnommen werden. Anhand dieser Untersuchungs- und Testergebnisse kann man besser entscheiden, ob, wie und in welchem Umfang operiert werden muss, erläutert Walbeck.

?Wie sieht so eine Operation aus?

!Es gibt verschiedene Operationsmethoden zur Entfernung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses. Zum Beispiel kann man betroffene Stellen mit verändertem Zellgewebe gezielt mit einer Elektroschlinge abtragen, hoch erhitzen (zum Beispiel durch Laservaporisation) oder mit einem Messer entfernen. In der Regel sind diese Eingriffe ambulant möglich.

Walbeck: „Auch heute wird oft immer noch zu viel Gewebe weggenommen.“ So werde zu häufig noch die Messerkonisation angewandt. Bei weniger invasiven und gezielteren Verfahren ließen sich jedoch gerade bei jüngeren Frauen die Spätfolgen wie Früh- und Fehlgeburten verringern.

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Von Martina Heise-Thonicke

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