Abzocke dank Kleingedrucktem: Hunderte Firmen sind betroffen

Kassel. Ein Düsseldorfer Unternehmen gibt sich einen behördlichen Anschein und macht damit Kasse bei gutgläubigen Geschäftsleuten: In Kassel fielen etwa 250 Firmen auf dessen 1100 Euro teures Angebot für einen zweijährigen Adresseintrag auf der Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de herein.

Im Landkreis sind ähnlich viele Gewerbetreibende Opfer der Masche geworden.

Obwohl es deutschlandweit über 1000 Strafanzeigen gibt, lässt sich den fragwürdigen Geschäften nur schwer beikommen. Derzeit verschickt die Düsseldorfer GWE-Wirtschaftsinformations GmbH wieder verstärkt ihre behördlich aussehenden Schreiben. Auf diesen sollen die Adressaten gegebenenfalls Korrekturen ihrer Adresse vornehmen.

Im Kleingedruckten stehen die finanziellen Bedingungen, die all jene akzeptieren, die das Formular unterschrieben zurücksenden. In Kassel ist von Autohäusern über Einzelhändler, Handwerksbetriebe, Ärzten und Gastronomen fast jede Branche betroffen – auch Kirchen - etwa die jüdische Gemeinde - und gemeinnützige Einrichtungen. Manche Betroffene beglichen die Forderung, andere weigern sich.

Wer nicht zahlt, erhält die Androhung eines gerichtlichen Mahnverfahrens. Meist bleibt es bei der Drohung. Auf HNA-Anfrage spricht GWE-Sprecher Peter Ortmann von einem „guten Angebot“, 99 Prozent der Kunden seien zufrieden. Wer nicht zahle, der werde verklagt.

Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Düsseldorf gingen jährlich Hunderte Strafanzeigen gegen die GWE ein, sagt Sprecher Christoph Kumpa. Zwar werde wegen Betrugs ermittelt, dies betreffe aber nicht grundsätzlich den Versand der Angebote. Das Geschäft sei moralisch anstößig, aber keine Straftat. Wer genau lese, könne den Angebotscharakter erkennen. Es werde im Einzelfall geprüft, ob ein Betrug vorliegt.

Von Bastian Ludwig

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