4000 beteiligten sich am Protest – Verkehr kam zum Erliegen

Warnstreik im öffentlichen Dienst: Streik: Ver.di droht eine Verschärfung an

Kassel. Fast 4000 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst beteiligten sich am Dienstagvormittag an drei Demonstrationszügen durch Kassel. Dabei kam der Innenstadt-Verkehr zeitweise zum Erliegen.

Sollte es bis zum 29. März nicht zu einer Einigung mit den Arbeitgebern über Lohnerhöhungen kommen, hat die Gewerkschaft Ver.di für nach Ostern mit unbefristeten und unangekündigten Streiks gedroht.

Eine Schlichtung oder eine weitere Verhandlungsrunde werde es nicht geben. Im Vergleich zum Warnstreik vor zwei Wochen, als 2100 Menschen auf die Straße gingen, waren die Auswirkungen an diesem Dienstag stärker.

Davon waren zunächst die Autofahrer betroffen: Weil die Busse und Trams der KVG in den Depots blieben, kam es im Berufsverkehr zu Behinderungen.

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Nachdem die Protestzüge ab 9 Uhr von ihren Sammelpunkten zu einer Kundgebung auf dem Königsplatz marschierten, kam der Verkehr zeitweise zum Erliegen. Staus bildeten sich rund um die Innenstadt. Zu spüren bekamen den Streik auch die Patienten: Im Klinikum fand nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Matthias Dippel ein Viertel des üblichen Operationspensums statt. Geplante Behandlungen seien verschoben worden.

In der Orthopädischen Klinik wurde nur in zwei von vier OP-Sälen gearbeitet und auch die Paracelsus-Elena-Klinik musste mit weniger Personal auskommen. Bestreikt wurden auch die 30 städtischen Kitas. Die angebotenen Notdienste seien von den Eltern aber wenig genutzt worden, sagt Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt. Harald Fennel, Bezirksleiter von Ver.di-Nordhessen, ist skeptisch, was eine Einigung mit den Arbeitgebern angeht: „Ich glaube nicht, dass es auf dem Verhandlungsweg eine Lösung gibt.“

In dem Fall seien nach Ostern die Gewerkschaftsmitglieder zur Urabstimmung aufgerufen. Es droht eine Streikwelle mit noch gravierenderen Auswirkungen.

Ver.di-Demo in Kassel

Vor dem Kasseler Klinikum hatten sich am Morgen etwa 600 Mitarbeiter dieser Einrichtungen versammelt: Klinikum Kassel, Vitos Haina, Lebenshilfe Frankenberg, Krankenhaus Bad Arlosen, Kliniken Wolfhagen, Hofgeismar und Helmarshausen, Orthopädische Klinik, Seniorenwohnanlagen Fasanenhof und Lindenberg, Gesundheit Nordhessen Rehazentrum, Hardtwaldkliniken I und II, der Wicker-Klinik Bad Wildungen und Ökomed.

Im Klinikum ist die Belegschaft heute bis in die Nacht stark ausgedünnt. Nach Angaben von Betriebsratschef Matthias Dippel findet nur jede vierte geplante OP statt. In der Hautklinik werde überhaupt nicht operiert. Auch die Chirurgie und der Patiententransport seien in ihrer Arbeit "erheblich behindert". Im Nachtdienst werden statt vier bis fünf Pfelgekräfte nur ein bis zwei eine Station (30 bis 70 Betten) betreuen.

Nicht nur der öffentliche Nahverkehr ist zum Erliegen gekommen. Auch einige Behörden und Schwimmbäder bleiben wie schon beim ersten Streik am 8. März geschlossen. 

Service in Kürze:

Nahverkehr: Den ganzen Dienstag werden weder Busse noch Bahnen der KVG im Stadtgebiet Kassel, nach Baunatal, Vellmar und durch das Lossetal fahren. Somit entfallen alle Fahrten der Linien 1 bis 29. Auch ist damit zu rechnen, dass die Regiotrams aus dem Umland nur bis Hauptbahnhof Kassel fahren, die anschließende Runde durch Kassels Innenstadt aber auslassen. Außerhalb Kassels übernehmen Subunternehmer der KVG einen Teil der Fahrten. So werden auch Busse von HLB, RKH und SURF (Linien 35 und 37) an diesem Tag unterwegs sein. Auf den Linien 38 und 39 fallen am Abend ab 20 Uhr sämtliche Fahrten aus.

Klinikum Kassel: „Die Notfallversorgung der Patienten ist gesichert“, teilt die Unternehmensleitung der Gesundheit Nordhessen mit. So werde man die Beeinträchtigungen für die Patienten so gering wie möglich halten. Trotz des Streiks werden laufende Therapien fortgeführt, auch die Kreißsäle sind regulär mit Hebammen besetzt. Über die Verschiebung von planbaren Untersuchungen und Eingriffen werden die Patienten sofern möglich informiert.

Kitas: Für die städtischen Kitas sind Notdienste eingerichtet, sodass Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Notdienste haben die Kitas Bettenhausen, Mattenberg, Kirchditmold, Brückenhof, Forstbachweg, Jungfernkopf, Menzelstraße, Zierenberger Straße und Ahnabreite sowie das Kinderhaus Waldau und der Hort Auefeld. Die Eltern wurden bereits informiert. Verwaltung Hier soll der Betrieb möglichst wie gewohnt weiterlaufen. Allerdings wird der Schalter des Kundenservice im Foyer des Rathauses nicht besetzt sein. Mit längeren Wartezeiten ist beim Einwohnerservice oder in der Kfz-Zulassungsstelle zu rechnen.

Öffentliche Einrichtungen: Das NVV-Kundenzentrum der KVG an der Mauerstraße in Kassel ist am Dienstag komplett geschlossen. Dies gilt auch für die Städtischen Werke. Für HNA-Kunden bleibt das Kundenzentrum geöffnet. Geschlossen bleiben auch das Stadtbad Mitte und das Hallenbad Süd.

Müll: Die Mülltonnen werden am Dienstag nicht abgeholt. Die Abholung verschiebt sich jeweils um einen Tag nach hinten. Auch die Recyclinghöfe haben geschlossen. (abe/bon/bal)

Archivvideo: Streik-Umfrage in Kassel: Was sagen die Bürger?

Rubriklistenbild: © Janz

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