VGH entscheidet über Klage einer Muslima

Schwimmunterricht: Ändert Burkini die Rechtslage?

Der Körper wird verhüllt: Eine Muslima trägt einen Burkini beim Schwimmen. Foto:  dpa

Kassel. Kann einem muslimischen Mädchen zugemutet werden, am Schwimmunterricht mit Jungen teilzunehmen? Mit dieser Frage werden sich am Freitag, 28. September, die Richter des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in Kassel auseinandersetzen.

Eine elfjährige Klägerin, eine muslimische Schülerin aus Frankfurt, beansprucht, vom gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen befreit zu werden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig habe 1993 zu dieser Frage eine Grundsatzentscheidung gefällt, sagt Dirk Schönstädt, Sprecher des VGH. Demnach haben muslimische Mädchen ab zwölf den Anspruch, vom Schwimmunterricht mit Jungs befreit zu werden, sollten sie dadurch in einen religiösen Gewissenskonflikt geraten. Das urteilten die Richter vor 19 Jahren.

Seitdem habe sich aber etwas geändert, sagt Schönstädt. Im Jahr 1993 habe es noch keine islamkonforme Badekleidung gegeben. Mittlerweile werden die Burkinis für Muslima (Ganzkörperbadeanzüge) fast überall angeboten. Die Kasseler Richter müssten nun der Frage nachgehen, ob aus der Existenz des islamkonformen Badeanzugs rechtliche Konsequenzen zu ziehen sind, erklärt Schönstädt.

Das Hessische Kultusministerium hat kürzlich darauf hingewiesen, dass es durchaus in Betracht kommen könne, dass muslimische Schülerinnen „den islamischen Bekleidungsvorschriften entsprechende Schwimmkleidung“ im Unterricht tragen.

Wenige Fälle in Kassel

Beim Staatlichen Schulamt in Kassel würden relativ selten Konflikte zwischen Schulen und Eltern wegen des Schwimmunterrichts bekannt, sagt Leiterin Helga Dietrich. Zum letzten Mal seien vor drei Jahren Fälle aufgetaucht, bei denen sich Schule und Eltern nicht hätten einigen können. „Die Schulen entscheiden bei solchen Fragen aber immer sehr sorgfältig“, sagt Dietrich.

Lydia Gundlach

„Bei uns kommt es nur ganz selten vor, dass muslimische Mädchen am Schwimmunterricht nicht teilnehmen dürfen. Ich hoffe, das bleibt auch so“, sagt Lydia Gundlach, Leiterin der Hegelsbergschule (Nordstadt). Diese Schülerinnen müssten dann allerdings an der Schwimm-AG, die nur für Mädchen eingerichtet worden ist, teilnehmen. „Schließlich sind wir dafür verantwortlich, dass alle unsere Schülerinnen und Schüler das Schwimmen lernen“, sagt Gundlach.

Auch an der Georg-August-Zinn-Schule (Oberzwehren) komme es höchstens pro Jahr einmal vor, dass Muslime ihre Tochter vom Schwimmunterricht befreien wollen, sagt Schulleiter Mathias Koch. Ansonsten gebe es wegen des Sports keine Probleme. „Früher, vor zehn bis 15 Jahren, war das noch anders.“

Mathias Koch

Muslimische Eltern täten sich immer noch schwer damit, ihren Töchtern die Teilnahme an Klassenfahrten zu gestatten. Hier gebe es in zehn bis 20 Prozent der Fälle Schwierigkeiten, sagt Koch. Die Verhandlung findet am Freitag, 28. September, 11 Uhr, im VGH Kassel am Brüder-Grimm-Platz, Raum 300, statt.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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