Kritik an der Klinikleitung

Ärger am Elisabeth-Krankenhaus in Kassel: Mitarbeiter mit scharfer Kritik

Kritik kommt aus der Mitarbeiterschaft: In einem Brief hatte sich die leitende Ärzteschaft bereits vor einem Jahr kritisch über die Klinikleitung geäußert.
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Kritik kommt aus der Mitarbeiterschaft: In einem Brief hatte sich die leitende Ärzteschaft bereits vor einem Jahr kritisch über die Klinikleitung geäußert.

Das Elisabeth-Krankenhaus blickt auf ein turbulentes Jahr zurück: Unter den Mitarbeitern gab es viel Unmut über die Führung und Entwicklung der Klinik am Weinberg.

Kassel - Während die Leitung beteuert, dass die Probleme abgestellt seien, äußerten sich Klinikmitarbeiter gegenüber der HNA gegenteilig. Zum Jahreswechsel verlässt der bisherige Geschäftsführer Ralf Paland das Krankenhaus. Krankenhausdirektorin Marieluise Labrie war bereits Ende September gegangen.

Bereits im Sommer 2019 hatten sich die leitenden Ärzte des Elisabeth-Krankenhauses in einer Art Brandbrief an das Direktorium des Krankenhauses gewandt. In dem Schreiben, das der HNA vorliegt, beklagen die neun unterzeichnenden Chef- und Belegärzte eine Reihe von Missständen.

So bemängeln sie den Weggang von Pflegepersonal, der mit der „systematischen Verschlechterung der Arbeitsbedingungen“ zu tun habe. Die Personalknappheit mache die Einhaltung der zeit- und personalintensiven Hygienevorschriften problematisch. Es würden „teure Honorarkräfte“ beschäftigt, statt in die Weiterbildung der bestehenden Mannschaft zu investieren.

Kritik am Elisabeth-Krankenhaus Kassel: Ärzte fehlen

Auch ärztliches Personal fehle, so ein weiterer Kritikpunkt. Wörtlich heißt es: „Die ordnungsgemäße Durchführung der ärztlichen Patientenvisite ist nicht mehr gewährleistet.“ So könne ein Teil der Patienten am Wochenende nicht mehr visitiert werden. Junge Ärzte arbeiteten in manchen Bereichen alleine, ohne Einarbeitung, ohne Supervision.

Auch bei der Kommunikation attestiert die Ärzteschaft in ihrem Brief dem Direktorium Versäumnisse. Entscheidungen würden einfach verkündet, ohne die Ärzte dabei einzubeziehen. Auch der geplante Umbau der OP-Säle, der eine Reduktion der Kapazitäten zur Folge habe, sei ohne Rücksprache mit der Ärzteschaft beschlossen worden, heißt es in dem Brief weiter.

Elisabeth-Krankenhaus Kassel: Ärztlicher Direktor weist Kritik zurück

Uwe Behrmann, ärztlicher Direktor des Elisabeth-Krankenhauses, weist die Kritik zurück. So habe es sich bei den Personalproblemen um eine „normale Fluktuation“ gehandelt (siehe Interview). Lediglich bei der Kommunikation räumte er Nachholbedarf ein. Nicht äußern wollte sich Behrmann zu einem Arbeitsgerichtsverfahren, das das Krankenhaus in diesem Frühjahr mit einem leitenden Chirurgen führte.

Der ehemalige Chefarzt war vor einem Jahr fristlos gekündigt worden. Die Klinik hatte ihm nach HNA-Informationen Abrechnungsbetrug vorgeworfen. Allerdings: Vor dem Arbeitsgericht wurde die fristlose Kündigung aufgehoben. Der Mann wurde bis Sommer 2020 bei vollen Bezügen freigestellt.

Elisabeth-Krankenhaus Kassel: Wurde einem Chirurgen wegen seiner offenen Kritik gekündigt?

Einige ehemalige Kollegen sehen einen Zusammenhang zwischen der Kündigung und der Kritik des Chirurgen an der Krankenhausleitung. Der Chirurg hatte in einer E-Mail vom 6. November 2019 an den ärztlichen Direktor und die Geschäftsführung die medizinische Ausstattung bemängelt. Fehlendes Instrumentarium habe zu Komplikationen bei der Behandlung von Patienten geführt, hieß es in der E-Mail. Zwei Wochen später folgte die Kündigung.

Ein ehemaliger Kollege spricht von einem Verlust für die Klinik. Immerhin habe der Chefarzt dafür gesorgt, dass es das Elisabeth-Krankenhaus etwa bei Eingriffen an der Bauchspeicheldrüse auf die AOK-Transparenzliste geschafft habe. Zudem habe der Mediziner durch seine volle Weiterbildungsermächtigung für die Weiterbildung im Haus gesorgt.

Der jüngste Wechsel in der Geschäftsführung hat nach Aussage des Direktoriums nichts mit den Beschwerden aus der Mitarbeiterschaft zu tun. Ralf Paland, der Kassel nach fünf Jahren zum Jahresende verlässt, war der dritte Geschäftsführer in zehn Jahren. Seit Oktober 2020 führt ergänzend Ines Hübsch die Geschäfte. Hübsch ist Prokuristin des Elisabeth Vinzenz Verbundes (EVV), in dessen Trägerschaft das Kasseler Krankenhaus ist. Eine Nachfolge für die Positionen der Geschäftsführung sowie des ärztlichen Direktors, der in 2021 in den Ruhestand geht, wird noch gesucht. (Bastian Ludwig)

Ärztlicher Direktor: „Wie in allen Krankenhäusern ist Personal ein knappes Gut“

Uwe Behrmann, der ärztliche Direktor des Elisabeth-Krankenhauses, hat im HNA-Gespräch Stellung zu den Vorwürfen genommen.

In einem Brief hatten Ihre leitenden Ärzte 2019 kritisiert, dass zu viel Pflegepersonal abgewandert sei.

Wie in allen Krankenhäusern gibt es auch bei uns eine normale Fluktuation. Erfreulicherweise konnten wir aber immer die frei werdenden Positionen nachbesetzen. Ich halte das für eine normale Fluktuation.

Wie viele Mitarbeiter kündigten 2019 und 2020?

Dazu kann ich nichts sagen.

Außerdem wurde in dem Brief bemängelt, dass ärztliches Personal fehle.

Derzeit sind wir in Nachbesetzungsgesprächen in der Chirurgie. Die Innere ist gut besetzt, weiter können wir uns derzeit dazu nicht äußern.

In der Allgemeinchirurgie arbeiten nach Angaben von Mitarbeitern zwei Ärzte. Angeblich soll es Probleme bei der Besetzung von Diensten geben, weshalb schon Notfälle an das Kasseler Marienkrankenhaus verlegt hätten werden müssen.

Wie in allen Krankenhäusern ist auch bei uns coronabedingt Personal ein knappes Gut – gerade auch durch Auflagen des Gesundheitsamtes mit Quarantäne-Maßnahmen. Erfreulicherweise konnten wir immer auch neues Personal gewinnen. Bisher haben wir alle Dienste besetzen können. Das war zwar nicht immer einfach, aber es musste wegen Personalmangel noch kein Patient, der als Notfall eingeliefert wurde, ins Marienkrankenhaus verlegt werden.

Was sagen Sie zur Kritik, dass zu viele Honorarkräfte beschäftigt werden?

Mitarbeiter aus Überlassung haben wir nur in Ausnahmefällen in der Pflege beschäftigt. Dies nur in den Funktionsbereichen, wie etwa auf Intensivstationen. Allerdings dies nur in kleiner Zahl, zum Beispiel bei Beschäftigungsverboten in der Schwangerschaft. Es hat damit zu tun, dass der Arbeitsmarkt in der Anästhesie- und Intensivpflege ein Arbeitnehmermarkt ist.

In dem Brief der Ärzte wird zudem die Schließung von Stationen bemängelt.

Die Stationen waren wegen Umbauarbeiten geschlossen und sind alle wieder geöffnet.

Was sagen Sie zur Kritik, dass die Ärzteschaft sich zu wenig in Entscheidungen eingebunden fühlt?

Das Problem haben wir ernst genommen. Es wurde schon kurze Zeit später ein erweitertes Direktorium, in dem auch Chefärzte und Belegärzte sitzen, eingerichtet. In der Runde tagen wir sechs Mal im Jahr.

Hat der geplante Umbau des OP-Traktes eine Reduktion der Kapazitäten zur Folge?

Der OP-Trakt ist der älteste Teil des Hauses. Wir haben uns schon seit langem Gedanken über einen Umbau gemacht. Den leitenden Ärzten sind dabei immer auch Zwischenstände mitgeteilt worden. Den aktuellen Stand kann ich aber noch nicht öffentlich machen. Derzeit liegt der Bebauungsplan bei der Stadt zur Entscheidung. Auch nach dem Neubau ist nicht mit einer Reduktion unserer Behandlungskapazität zu rechnen.

Wie bewerten Sie rückblickend die fristlose Kündigung des leitenden Chirurgen?

Für mich ist das abgeschlossen und nicht mehr kommentierbar.

Hat der Austausch der Geschäftsführung etwas mit der Kritik aus der Ärzteschaft zu tun?

Die Entscheidungen haben nichts mit dem Brief aus der Ärzteschaft zu tun. Das war zu dem Zeitpunkt nicht mehr aktuell. Dazwischen liegt ein ganzes Jahr. (Bastian Ludwig)

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