Ärger um Blitzer am Jungfernkopf - Rentner will Strafe nicht zahlen

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Auch ohne Schild gilt Tempo 30: Die Blitzersäulen an der Straße Am Ziegenberg befinden sich in einer Tempo-30-Zone.

Kassel. Vor einigen Wochen ist Karl-Heinz Lentwojt in seinem Auto in der Straße Am Ziegenberg am Jungfernkopf geblitzt worden. Dort steht seit Ende April eine der neuen Blitzersäulen der Stadt. Lentwojt war mit 54 km/h unterwegs. Erlaubt ist dort nur Tempo 30.

Der 76-Jährige sieht aber nicht ein, die Strafe zu zahlen, die laut Bußgeldkatalog bei 80 Euro plus drei Punkten in Flensburg liegt.

Der Immenhäuser war davon ausgegangen, dass er in der Straße 50 fahren dürfe. „Wenn man vom Einkaufszentrum Zum Hirtenkamp auf die Straße Am Ziegenberg einbiegt, ist gar nicht zu erkennen, dass es sich um eine 30er-Zone handelt“, bemängelt Lentwojt. Dort stehe kein Schild, das auf das Tempolimit hinweise.

Dort muss und darf auch gar kein Tempo-30-Schild aufgestellt werden, erklärt Lothar Pflüger vom Ordnungsamt der Stadt Kassel. Die beiden Blitzer am Ziegenberg befinden sich nämlich – ebenso wie die Anlagen an der Wegmannstraße – in einer durchgehenden Tempo-30-Zone. Entsprechende Verkehrsschilder müssen laut Pflüger an allen Stellen stehen, an denen man in die 30er-Zone einfahren kann.

Wer zum Beispiel von der Obervellmarer Straße zum Einkaufszentrum Hirtenkamp einbiegt, passiert zwei gut sichtbare Schilder, die auf die verkehrsberuhigte Zone hinweisen. „Tempo 30 gilt dann so lange, bis man den Bereich wieder verlässt und an der grauen, durchgestrichenen Variante des Schilds vorbeikommt“, sagt Pflüger. Eine Wiederholung der Beschilderung sei innerhalb der Zone nicht zulässig. „Stellen Sie sich vor, an jeder Kreuzung und Einmündung stünden neue Schilder“, verdeutlicht Pflüger. „Dann hätte man einen einzigen Schilderwald.“

Archiv-Video: Kassels neue Blitzer

Das heißt: Autofahrer müssen sich merken, dass sie sich in einer 30er-Zone befinden. Wer zwischendurch anhält, muss bei der Weiterfahrt daran denken, dass er immer noch im Tempo-30-Gebiet ist. Mit Piktogrammen auf der Fahrbahn werde am Zonen-Eingang und zusätzlich vor Grundschule und Kita am Jungfernkopf auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hingewiesen, ergänzt Norbert Wallesch vom Straßenverkehrsamt. Eine flächendeckende Einführung der Piktogramme komme aus Kostengründen nicht infrage. Zudem sei nachgewiesen, dass die Zeichen kaum einen Aufmerksamkeitseffekt hätten, wenn sie durchgehend aufgebracht werden.

Etwa 35-mal pro Woche hat der Blitzer Am Ziegenberg bisher ausgelöst. Wie viele der Erwischten im Glauben waren, sie dürften 50 km/h fahren, ist nicht bekannt. Klar ist: Wer 50 statt 30 fährt, muss mit mindestens 35 Euro Bußgeld rechnen.

Von Katja Rudolph

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