Studenten wollen Hinweise auf Militärforschung bekommen – Kritik von Uni-Leitung

Ärger um geheime Post

Briefkasten für anonyme Hinweise: Der studentische Arbeitskreis Zivilklausel hat die Uni-Mitarbeiter aufgerufen, Informationen über mögliche Rüstungsforschung an der Uni zu geben. Das stößt bei der Uni-Leitung auf Kritik. Foto: Rudolph

Kassel. Ein knallpinkfarbener Briefkasten sorgt für Sprengstoff an der Uni. Den Briefkasten hatte der Arbeitskreis Zivilklausel – eine studentische Initiative, die sich für ausschließlich friedliche Forschung an der Hochschule ausspricht – im Januar vor dem Büro des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) aufgehängt.

Nach Vorstellung der Studenten sollen dort sowie über einen digitalen Briefkasten im Internet anonyme Hinweise auf mögliche Forschungsprojekte eingehen, in die Geld aus Rüstungsbetrieben oder militärischen Einrichtungen fließt.

In einem Schreiben an die Uni-Mitarbeiter Anfang März hat der Arbeitskreis auf seinen „Uni-Leaks“-Briefkasten hingewiesen. Der Name ist angelehnt an Wikileaks, eine umstrittene Enthüllungsplattform im Internet (leak = englisch für Leck, undichte Stelle).

Auch der pinkfarbene Briefkasten erregt Widerspruch. Uni-Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep hat nun ebenfalls einen Brief an alle Mitarbeiter geschickt. Darin kritisiert er „diese Form einer möglichen Denunziation von an unserer Hochschule tätigen Wissenschaftlern“. Es entspreche nicht der Kultur einer Universität, „wenn Personen und Einrichtungen durch anonyme Verdächtigungen diskreditiert werden“.

Der Präsident wende sich nicht gegen das Anliegen der Studenten, dass die Forschung nur zivilen Zwecken dienen solle, betonte Uni-Sprecher Sebastian Mense. Es gehe lediglich um die Form der Auseinandersetzung. Im vergangenen Juli hatte der Senat bereits einstimmig beschlossen, dass den Orientierungen für Professoren eine Passage hinzugefügt wird, in der sie zu ausschließlich friedlicher Forschung angehalten werden.

Dem Arbeitskreis Zivilklausel reicht das nicht aus, weil es sich lediglich um eine Art moralischen Appell an die Wissenschaftler handelt. „Wir wollen die Zivilklausel rechtlich bindend in der Grundordnung der Universität verankern“, sagt Claudia Holzner, die zu den acht Mitstreitern des Arbeitskreises gehört. Der Antrag, den auch der Asta unterstützt, steht am nächsten Mittwoch auf der Tagesordnung des Uni-Senats. Bei einer studentischen Urabstimmung zum Thema hatten im Januar über 72 Prozent für die Einführung einer solchen verbindlichen Zivilklausel gestimmt.

Mit dem Briefkasten wolle man Transparenz schaffen, wo derzeit keine Kontrolle möglich sei, sagt Sebastian Geiger, der sowohl dem Arbeitskreis als auch dem Asta angehört. Die Uni legt die Herkunft der Drittmittel von nichtöffentlichen Geldgebern mit Verweis auf die vertraglich festgelegte Vertraulichkeit nicht offen.

Genau das fordern die Zivilklausel-Verfechter in ihrem Antrag: eine Veröffentlichung aller Drittmittelgeber sowie ein Gremium, das die Einhaltung des Verbots militärischer Forschung kontrolliert. Sollte die Zivilklausel und damit die geforderte Transparenz kommen, werde man den Briefkasten gern abhängen, sagt Geiger. Bisher sind dort übrigens noch keine Hinweise eingegangen. Nur Werbung für einen Pizzadienst wurde eingeworfen.

Von Katja Rudolph

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