46-jähriger Kasseler wehrte sich vor Gericht gegen Bußgeld – und gab dann auf

Ärger um Handy am Steuer

Kassel. Handy-Ungemach im Gerichtssaal ist nicht selten. Doch dass am Mittwoch kurz vor Verhandlungsstart ein 46-jähriger Kasseler mit seinem Handy ringt und später ein Gerät bei den Polizisten im Zuschauerraum dumpfe Signale von sich gibt, entbehrt nicht einer gewissen Skurrilität. Denn in dem Bußgeldverfahren geht es um Handynutzung – allerdings am Steuer.

40 Euro Bußgeld gefordert

Der 46-jährige Kasseler hatte sich dagegen gewehrt, wegen dieses Vorwurfs eine Buße von 40 Euro zu zahlen und einen Punkt in Flensburg zu kassieren. Gestern nimmt er seinen Einspruch schließlich zurück – betont allerdings weiter, er habe bei der fraglichen Fahrt kein Handy am Ohr gehabt. Seine Version: Alles, was er getan habe, sei, per Knopfdruck die Freisprechfunktion zu aktivieren.

Es geht um einen Morgen im März. Die Polizei, so berichten zwei Beamte als Zeugen, habe an jenem Tag eine Großkontrolle gemacht. An der Kreuzung Wolfhager Straße/Zentgrafenstraße hätten zwei Kollegen dem „Anhalteposten“ jene Wagen durchgegeben, in denen der Fahrer nicht angeschnallt war oder mit einem Handy am Ohr gesichtet wurde.

Der 46-Jährige wurde herausgewinkt. Im Polizeiprotokoll ist angekreuzt, er habe den Handygebrauch zugegeben. Richter Leyhe versucht zu ermitteln, wie es dazu kam: Der 46-Jährige sage, er sei eingeschüchtert gewesen und habe gefürchtet, mit auf die Wache zu müssen, wenn er den Vorwurf nicht einräume, fasst er dessen frühere Aussage zusammen.

Beide Polizisten sagen, sie könnten sich an die Begegnung nicht erinnern. Statt dessen schildern sie, wie alles läuft, wenn alles seine Ordnung hat: Dem Betroffenen werde der Vorwurf genannt, er werde belehrt, es mache keinen Unterschied, ob er sich zur Ordnungswidrigkeit bekennt oder nicht, sagt der eine. Und der andere betont, man sei sich „immer sicher“, wenn ein Wagen zum Anhalten gemeldet werde.

Auch die Beifahrerin des 46-Jährigen wird gehört. Sie sagt, sein Handy habe geklingelt, kurz bevor die Polizei ins Spiel kam. Sie meint sich zu erinnern, der Kasseler habe das Gerät genommen und seitlich einen Knopf gedrückt. Das passt zu seiner Schilderung mit der Freisprechfunktion.

Einspruch zurückgezogen

Es reicht aber auch, um Anwalt Mike Georg Vetter zu überzeugen, dass die Rücknahme des Einspruchs preiswerter werden könnte. „Es war zu unsicher“, sagt er kurz danach. Handy in der Hand – das reiche nach der Rechtsprechung für den Verstoß.

Von Katja Schmidt

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