Püree statt Knolle

Ärger um Kartoffel-Engpass bei Klinikum-Service

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„Wie schafft es eine Krankenhaus-Großküche, in solch einen Kartoffel-Engpass zu geraten?“, fragt sich Eduard Ress, der seit 18 Jahren in der Seniorenwohnanlage Fasanenhof lebt. Er vermutet Sparwillen beim Klinikum Kassel. „Völliger Unsinn“, sagt die Pressesprecherin.

Kassel. Als Eduard Ress am Montag auf seinen Mittagsteller schaute, wusste er sofort: „Da stimmt etwas nicht.“ Der Abgleich mit dem Speiseplan verriet: Statt der angekündigten Kartoffeln gab es Püree zum Fischfilet. „Jetzt fangen die schon an, an Kartoffeln zu sparen“, dachte Ress sofort.

Ress bekommt seit 18 Jahren sein Mittagessen auf einem Tablett. Er lebt in der Seniorenwohnanlage Fasanenhof, die zur Holding Gesundheit Nordhessen gehört – wie auch das Klinikum Kassel, in dessen Großküche sein Essen gekocht wird.

Immer war Ress zufrieden mit dem, was da täglich auf den Teller kam. Aber jetzt dachte der 95-Jährige sofort an die mageren Bilanzen der Holding im Jahr 2012. Er hatte davon in der HNA gelesen – auch über den angekündigten Sparkurs im Konzern.

Warum also nicht bei der Kartoffel anfangen? Und tatsächlich war auf einem Zettel zu lesen: „Die Rohwarenversorgung mit Kartoffeln kann derzeit von unserem Lieferanten nicht mehr sichergestellt werden. Aus diesem Grund gibt es für die Übergangszeit ab sofort für die Patientenversorgung keine Kartoffeln.“

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Für Ress unerklärlich: „Kartoffeln gibt’s doch in jedem Supermarkt“, sagt er. Und überhaupt findet er die angebotene Zwischenlösung – eine „alternative Stärkebeilage“ – nicht besonders appetitlich. „Was soll das bitte sein?“, fragt er angriffslustig.

Ist die Kartoffel tatsächlich erstes Opfer des Sparwillens der Gesundheit Nordhessen? „Völliger Unsinn“, sagt Gisa Stämm, Sprecherin der Holding. „Jedes Jahr im Sommer haben wir dieses Problem mit den Kartoffeln. Die alten eingelagerten Kartoffeln entsprechen nicht mehr den Qualitätsanforderungen, während der Lieferant noch keine neuen Kartoffeln vorrätig hat.“

Für die Zwischenzeit gebe es eben Püree oder etwas Vergleichbares. „Jedes Jahr ist das so. Nur haben wir in diesem Sommer erstmals darauf mit einem Zettel aufmerksam gemacht. Wir wollten transparent sein“, sagt Stämm. Aber wahrscheinlich hätten die Bewohner gerade deshalb erstmals die Abweichungen vom Speiseplan bemerkt.

Für Ress sind das „faule Ausreden“. Für ihn ist es nicht verständlich, dass eine Krankenhaus-Großküche logistisch nicht dazu in der Lage ist, einem Kartoffel-Engpass derart flott zu begegnen, dass Patienten erst gar nichts davon mitbekommen. „Stattdessen wird ein Zettel gedruckt.“

Er habe eh genug von „diesen mickrigen Kartöffelchen, die wir da immer kriegen“, zeigt sich Ress unversöhnlich. Er überlegt jetzt, den Service des Klinikums Kassel abzubestellen. „Ich habe einfach keine Lust auf Fisch mit Stärkebeilage.“

Von Boris Naumann

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