Anwohner beschweren sich

Ärger um Neubau Reginastraße: Gebäude hat einen Stock mehr als im Prospekt

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Höher als auf dem Werbeplakat: Der Neubau an der Reginastraße hat fünf Geschosse plus Dachaufbauten. Er ist damit höher als auf der Illustration (siehe unten). Foto: Fischer

Kassel. Anwohner der Reginastraße haben vor dem Kasseler Verwaltungsgericht gegen den Neubau geklagt, der vor ihrer Haustür entsteht. Der Grund: Die Umsetzung entspreche nicht den Entwürfen, mit denen für das Wohnhaus mit 24 Eigentumswohnungen geworben wurde.

Tatsächlich ist das Gebäude ein Stockwerk höher als auf den Illustrationen, die der Bauherr vor Beginn der Arbeiten präsentiert hatte.

Weil die drei Anwohner zu spät mit ihrer Klage dran waren, wurde diese aus formalen Gründen abgelehnt. Dennoch wollen sie weiter gegen den Bau kämpfen, der im September fertig sein soll.

Die Stadt sagt auf HNA-Anfrage, dass nicht die Illustration entscheidend sei, sondern die Baugenehmigung. Diese gelte für fünf Geschosse plus fünf Dachaufbauten mit Dachterrassen. Weil auf der Illustration nur vier Geschosse und die Dachaufbauten zu sehen sind (siehe Foto unten), fühlen sich die Anwohner getäuscht.

Schließlich habe niemand der Anwohner die Baugenehmigung vorher eingesehen, sagt deren Anwalt Dr. Frank Ehrenberg aus Baunatal. Man habe sich auf das Werbeplakat verlassen. Weil der Bau kurz vor der Fertigstellung sei, habe das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht aber wenig Chancen auf Erfolg versprochen. Deshalb habe man sich mit dem Bauherrn verglichen.

Mit dieser Illustration warb der Bauherr: Das Gebäude hat aber statt vier nun fünf Geschosse plus Dachaufbauten.

Dr. Claudio Funke, einer der betroffenen Anwohner, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Kassel. Diese habe den Denkmalschutz ausgehebelt, um in diesem Altbau-Ensemble einen solchen „Elefanten“ zu errichten. Er werde in der letzten Bauphase genau darauf achten, ob bei den in der Baugenehmigung verankerten Aufbauten die vorgeschriebene Dimension eingehalten wird und im Zweifel dagegen vorgehen.

Der ebenfalls in dem Verfahren beteiligte Anwohner Dr. Klaus-Peter Artelt sieht in dem Vorgang ein Beispiel für viel weitgreifendere Folgen für die Bausubstanz des Vorderen Westens. Mit der 2006 von der Stadt aufgehobenen Gestaltsatzung für den Stadtteil sei Eingriffen in die schützenswerte Bausubstanz Tür und Tor geöffnet worden. In einem Gespräch mit dem Landesdenkmalpfleger Prof. Peer Zietz habe dieser im gesagt, dass bei diesem Bauvorhaben „der Druck aus Kassel einfach zu groß“ geworden sei. Das Areal an der Reginastraße war zuvor 100 Jahre unbebaut gewesen.

Zietz wollte auf HNA-Anfrage diese Äußerung nicht bestätigen. Im Gegenteil: Aus seiner Erinnerung habe es keine größeren Bedenken von Seiten der Denkmalpflege gegeben.

Der Bauherr Klaus Morell von der Projektgesellschaft Urbanes Wohnen Vorderer Westen will sich zu dem Rechtsstreit mit den Anwohnern nicht äußern. Im September solle der Bau bezugsfertig sein. Ursprünglich war dies für Anfang 2014 geplant.

Von Bastian Ludwig

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