Viele Anwohner halten sich nicht an die städtische Winterdienstsatzung

Ärger über unerlaubten Einsatz von Streusalz in Kassel

Streusalz ist ein beliebtes Mittel gegen Glätte. Doch in vielen Städten und Gemeinden – darunter auch Kassel – ist der Einsatz nur in Ausnahmen erlaubt.
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Streusalz ist ein beliebtes Mittel gegen Glätte. Doch in vielen Städten und Gemeinden – darunter auch Kassel – ist der Einsatz nur in Ausnahmen erlaubt.

Viel hilft viel: Das scheint die Devise bei etlichen Anwohnern zu sein, die in diesen Tagen gegen Schnee und Eis auf den Gehwegen vor ihrer Haustür vorgehen. Mehrere HNA-Leser haben sich bei der Redaktion gemeldet und den nur in Ausnahmen erlaubten Einsatz von Streusalz in ihren Wohnsiedlungen kritisiert.

Kassel - Laut Winterdienstsatzung der Stadt Kassel darf Auftausalz aus Umweltgründen nur in Ausnahmen verwendet werden. Es droht ein Bußgeld von bis zu 500 Euro. Dennoch scheinen sich auch von Privatleuten beauftragte Winterdienste nicht daran zu halten.

Petra Spengler-Wendt ärgerte sich zuletzt häufig, wenn sie rund um ihr Wohnhaus am Kirschrain im Stadtteil Jungfernkopf unterwegs war. Überall sah sie Streusalz in großen Haufen auf den Gehwegen liegen. „Man darf Streusalz nur in absoluten Ausnahmen verwenden, etwa bei Blitzeis. Das ist ja auch sinnvoll, das geht alles ins Grundwasser“, sagt Spengler-Wendt. Dennoch hat sie beobachtet, dass auch private Winterdienste, die im Auftrag ihrer Nachbarn die Gehwege streuen, dafür zu Salz greifen.

„Ich habe den Mitarbeiter mal angesprochen und gefragt, warum er Salz verwendet. Seine Antwort war, er dürfe das, weil er für eine Firma arbeite. Das Verbot betreffe nur Privatpersonen“, sagt Spengler-Wendt.

Gehweg im Jungfernkopf: Kasselerin ärgert sich.

Die Kasselerin kann diese Argumentation nicht verstehen. Denn letztlich dürfe es doch keinen Unterschied machen, ob man selber den Gehweg von Eis und Schnee freihält oder eine Firma dafür beauftragt.

Ausnahmen für den Einsatz von Streusalz sieht die städtische Winterdienstsatzung nur auf Treppen, Brücken und an Haltestellen des öffentlichen Personenverkehrs vor. Zudem darf es auch dann eingesetzt werden, „wenn Glätte nicht auf andere zumutbare Weise beseitigt werden kann“. Dies gilt etwa für Blitzeis. In diesem Fall sei der Einsatz aber auf das „unbedingt notwendige Maß“ zu beschränken, heißt es in der Satzung. Keinesfalls dürfe Salz in der Nähe von Bäumen gestreut werden. Zudem müssen Rückstände sobald wie möglich wieder von den Gehwegen entfernt werden. „Das Salz liegt noch Tage später auf den Wegen“, sagt Spengler-Wendt.

Die Stadt Kassel gibt der Einschätzung von Spengler-Wendt recht: „Das Salzverbot gilt auf dem Gebiet der Stadt Kassel grundsätzlich auf allen öffentlichen Gehwegflächen – also unabhängig davon, wer den Winterdienst ausführt“, so ein Stadtsprecher. Nur in engen Ausnahmen sei der Einsatz vorübergehend erlaubt, wie etwa bei überfrierender Nässe.

Die Satzung gelte allerdings nicht für private Grundstücksflächen. Auf diesen dürfe Salz als Auftaumittel „im erforderlichen Umfang“ eingesetzt werden. (Bastian Ludwig)

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