Unbekannte verwüsten Waldfläche für Downhillstrecke

Ärger über gefällte Bäume

Rampen in den Wald gebaut: Frank Appel, Vorsitzender der Waldinteressenten, ist bestürzt über den Vandalismus im Waldstück zwischen Hasenhecke und Fuldatalstraße.
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Rampen in den Wald gebaut: Frank Appel, Vorsitzender der Waldinteressenten, ist bestürzt über den Vandalismus im Waldstück zwischen Hasenhecke und Fuldatalstraße.

Unbekannte haben ein Waldstück zwischen der Hasenhecke und der Fuldatalstraße in Kassel verwüstet, um sich dort eine Downhillstrecke anzulegen. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Kassel - „Die Bestürzung ist groß. Und unsere ganze Arbeit ist für die Katz“, sagt Frank Appel, Vorsitzender der Waldinteressenten in Wolfsanger. Der 67-Jährige spricht über den erneuten Vandalismus in dem 165 Hektar großen Waldstück zwischen Hasenhecke und Fuldatalstraße.

Nachdem Unbekannte im Januar dieses Jahres rund 200 junge Eichen und Weißtannen aus einer Hanglage in dem Waldstück einfach herausgerissen und zum Teil abgeschnitten hatten, wurde hier jetzt erneut gewütet.

Dieses Mal sind die Unbekannten gar mit einer Kettensäge ans Werk gegangen. „Die müssen sie wie eine Sense hin und her bewegt haben“, sagt Appel. Dabei seien vor allem dickere Bäume abgeschnitten worden: Sechs bis acht etwa 30 bis 50 Jahre alte Buchen. Daneben wurde eine Schneise in eine Naturverjüngung eingeschnitten. Nach Angaben von Polizeisprecherin Ulrike Schaake handelt es sich um eine etwa sechs bis acht Meter breite und 50 Meter lange Verjüngungsschneise. Dadurch wurden auf dem Hanggelände unzählige kleine Bäume, die sich selbst ausgesät hatten, zerstört. Laut Appel muss der Tatzeitraum zwischen Freitag, 26. Februar, und Freitag, 5. März, liegen.

Im jüngsten Fall haben die 100 Waldinteressenten aus Wolfsanger, denen diese Fläche gemeinsam gehört, zumindest eine Ahnung, was beziehungsweise wer hinter dem Vandalismus stecken könnte. Denn die Unbekannten haben mehrere Europaletten auf den Hang geschafft, mit denen sie sich Sprungschanzen gebaut haben, wie sie von Mountainbikern auf Downhillstrecken genutzt werden.

Appel berichtet, dass die Täter die abgeschnittenen Bäume zum Teil in ein bis eineinhalb Meter lange Rollen zersägt haben, um sie unter die Paletten zu legen. Einige Paletten wurden auch auf die Baumstümpfe genagelt und mit dem Hinweis „Jump“ (Springen) versehen.

Zudem wurden mehrere Paletten auch an Zäunen gestapelt. An Zäunen, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass das Rehwild nicht in den Bereich mit den frisch gepflanzten Bäumen gelangt, um die Knospen zu fressen. „Das ist wirklich unglaublich“, sagt Appel. Er hat eine Vermutung: „Da können eigentlich nur Jugendliche hinter stecken, die keinen Sinn für die Natur haben.“

Auch Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen, ist empört. Hessen-Forst betreut das Waldstück für die Waldinteressenten. „Das ist ein Auswuchs an Egoismus. Für eigene Interessen wurden die Natur und das Eigentum anderer zerstört.“ Diese mutwillige Zerstörung des Waldes sei umso schlimmer, da nach Stürmen und Dürre in den vergangenen Jahren auch dieses Waldstück erst wieder mit viel Arbeit und Geld „aufgepäppelt“ worden sei.

Nachdem die vor zwei Jahren neu gepflanzten Bäume bereits im Januar herausgerissen worden waren, hatten die Waldinteressenten eine Belohnung von 3000 Euro zur Ermittlung der Täter ausgesetzt. Die Polizei weiß nicht, ob beide Taten auf das Konto derselben Täter gehen. Laut Sprecherin Schaake ermitteln die Kriminalbeamten des für Umweltdelikte zuständigen Kommissariats nun wegen Sachbeschädigung und des Verdachts des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Forstamtsleiter Zindel, der die Problematik mit illegalen Downhillstrecken zur Genüge aus dem Habichtswald kennt, hofft, dass sich die Lage bald entspannt, wenn eine offizielle Strecke am Hohen Gras eingerichtet wird. Dazu befinde man sich noch in Abstimmung mit der Stadt und mit dem Polizeisportverein Grün-Weiß.

Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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