1. Startseite
  2. Kassel

Ärger über Gema-Gebühren: Veranstalter muss für Ukraine-Solidaritätskonzert zahlen

Erstellt:

Von: Matthias Lohr

Kommentare

BGH-Urteil: Eine Wohneigentümergemeinschaft muss keine Gema-Gebühren zahlen
Ein Solidaritätskonzert für die Ukraine bringt hohe Einnahmen ein. Doch die Verwertungsgesellschaft Gema möchte ihren Teil davon. (Symbolbild) © Marcus Brandt

Die Solidarität mit der Ukraine ist groß. Nach einem Konzert gibt es nun jedoch Ärger mit der Gema. Der Veranstalter wird zur Kasse gebeten.

Kassel - Über das  Solidaritätskonzert für die Ukraine, das Markus Knierim am 19. März im Kasseler Staatstheater organisierte, gibt es nur eine Meinung. „Super“, „großartig“ und „mega“ lauten die Kommentare auf der Facebook-Seite des Theaterstübchen-Chefs. 30.000 Euro durch Einnahmen und Spenden sind an dem Abend zusammengekommen. Und doch ärgert sich Knierim zwei Wochen später – und zwar über die Verwertungsgesellschaft Gema.

Bei der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, wie der offizielle Name lautet, hatte der Konzertveranstalter einen Antrag auf Befreiung gestellt, den man auf der Webseite der in Berlin ansässigen Organisation ausfüllen kann. Knierim hatte gehofft, dass ihm die Gema-Gebühren erlassen werden. Schließlich war der Abend für eine gute Sache. Damit möglichst viel Geld für das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe und die ZDF-Nothilfe Ukraine zusammenkommt, waren sämtliche Musiker umsonst aufgetreten. Das Staatstheater in Kassel hatte sein Schauspielhaus mietfrei zur Verfügung gestellt.

Gema will nach Solidaritäts-Konzert in Kassel Geld sehen

Doch die Gema will trotzdem ihr Geld. Sie bot Knierim lediglich einen Nachlass in Höhe von zehn Prozent an. Knierim findet das nicht okay. Auf unsere Anfrage erklärt eine Gema-Sprecherin: „Es ist grundsätzlich nicht möglich, dass wir bei Benefizveranstaltungen die Gema- Gebühren vollständig erlassen. Der Grund dafür ist, dass die Gema das Geld Dritter treuhänderisch verwaltet und ihr zustehende Gelder auch berechnen muss.“ Dies sei im Verwertungsgesellschaftengesetz verankert.

Gleichwohl habe der Vorstand wegen der Veranstaltungen zugunsten der Ukraine-Hilfe mittlerweile eine besondere Vereinbarung getroffen: Statt eines Nachlasses von 10 Prozent wie sonst üblich gibt es nun 25 Prozent. Als Knierim seinen Antrag stellte, sei „uns die erweiterte Nachlassgewährung noch nicht bekannt“ gewesen. Von den knapp 16.000 Euro Einnahmen aus den Ticket-Verkäufen muss der Organisator aus Kassel jetzt nur noch etwa 1200 Euro an die Gema bezahlen.

Kassel: Veranstalter nicht zufrieden mit Preisnachlass der Gema

So richtig zufrieden ist Knierim mit der Lösung nicht. Das Prinzip der Gema findet auch er gut. Sie schüttet Geld an Komponisten, Textautoren und Musikverleger aus. In Deutschland vertritt sie rund 80.000 Mitglieder, zudem weltweit mehr als zwei Millionen Rechteinhaber. Die Gema sorgt also dafür, dass Künstler von ihrer Kunst leben können. Knierim ist sich jedoch sicher: „Hätten wir die Inhaber der Liedrechte gefragt, hätte jeder auf seinen Anteil verzichtet, um den Menschen aus der Ukraine helfen zu können.“ (Matthias Lohr)

Auch in Göttingen wurde ein starkes Zeichen für den Frieden gesetzt. Vadim Neselovskyi (Piano) aus der Ukraine und Arkady Shilkloper (Horn, Flügelhorn) aus Russland performten dort gemeinsam.

Auch interessant

Kommentare