Verbraucherzentrale gibt Betroffenen Recht

Ärger um Kasseler Darts Night: Kundin fordert nach mehrmaliger Verschiebung Geld zurück

Enttäuscht vom Veranstalter der Kasseler Dart Night: Grit Finauer hatte zwei VIP-Karten für die Veranstaltung gekauft, die im Juli 2020 stattfinden sollte. Als sie ihr Geld zurückforderte, bekam sie keine Antwort.
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Enttäuscht vom Veranstalter der Kasseler Dart Night: Grit Finauer hatte zwei VIP-Karten für die Veranstaltung gekauft, die im Juli 2020 stattfinden sollte. Als sie ihr Geld zurückforderte, bekam sie keine Antwort.

Es sollte als Geschenk für ihren Sohn ein Treffer ins Schwarze werden. Letztlich sorgten die beiden VIP-Karten für die 1. Kasseler Darts Night bei Grit Finauer aber nur für Ärger.

Kassel - Nachdem die zunächst für den 25. Juli 2020 geplante Dartveranstaltung mehrfach mit Verweis auf Corona-Auflagen verlegt wurde, forderte Finauer ihr Geld zurück. Ohne Erfolg. Erst nachdem die HNA Kontakt zum Veranstalter herstellen konnte, sagte der nun die Rückzahlung zu.

Als die Mutter im April 2020 von der Dartveranstaltung erfuhr, kaufte sie gleich zwei 99 Euro teure VIP-Tickets für ihren Sohn. Doch wegen Corona wurde die in der Mehrzweckhalle Vellmar geplante Veranstaltung, zu der auch Dart-Größen wie der fünfache Weltmeister Raymond van Barneveld angekündigt waren, zunächst auf September 2020 verlegt. Mit der zweiten Corona-Welle kam dann die Verschiebung auf Februar 2021.

Bis dahin fühlte sich Finuaer durch entsprechende E-Mails auch noch gut über die Verlegungen informiert. Diese seien schießlich auch begründet worden. Doch im Februar hieß es schließlich, die Veranstaltung müsse abermals auf Sommer 2021 verschoben werden – die Karten behielten ihre Gültigkeit. Für diesen Zeitpunkt hatte der Sohn aber keine Verwendung mehr für die Karten, weil er inzwischen ein Freiwilliges Soziales Jahr in München absolviert.

Umso irritierter war Finauer über die Information, die sie vom Kasseler Ticketdienstleister Tickettoaster erhielt. „Man hat mir mitgeteilt, dass der Veranstalter einen Umtausch der Karten ausgeschlossen hat. Ohne dessen Einwilligung könne man leider keine Erstattung vornehmen“, sagt die Mutter. Also wollte sie den Veranstalter, die Firma Shirt Piraten, direkt erreichen. Bei Tickettoaster bekam sie einen Kontakt. Doch unter der angegebenen Festnetznummer erreichte sie niemanden. Ein per Einschreiben verschickter Brief an die Wehlheider Firmenadresse kam zurück. Adressat und Firma nicht auffindbar. Bei Tickettoaster hatte man für Finauer auch keinen anderen Kontakt.

Als die HNA von dem Fall erfuhr, bemühte sich die Redaktion um einen Kontakt zum Veranstalter. Sebastian Hielscher, der hinter der Firma Shirt Piraten steht, meldete sich schließlich auf eine Mailbox-Nachricht und eine E-Mail-Anfrage. Er sei mit seiner Firma nach Hessich Lichtenau umgezogen. Er wies den Vorwurf zurück, er habe die Kunden nicht fortlaufend über Verlegungen der Darts Night informiert. Diese solle nun im Januar 2022 stattfinden. Es mache unter den aktuellen Corona-Bedingungen keinen Sinn, eine Dart Night zu organisieren. Damit sich die Veranstaltung für ihn rechne, benötige er 400 bis 500 Zuschauer. Dies sei aktuell nur unter hohen Auflagen in Innenräumen zulässig. Ein Großteil der Karten habe er auch schon verkauft. Auf den Hinweis, dass Kunden wie Finauer dennoch zu Recht ihr Geld zurückfordern können, sagte Hielscher: „Es geht um exorbitante Summen. Die Spieler sind zum Teil schon vergütet worden. Aber es ist kein Problem für mich, die VIP-Karten zurückzunehmen“. Ihn hätten die Forderungen von Finauer schlicht nicht erreicht.

Wer Fragen zu seinen Karten hat: 01522/ 583 37 75, info@shirtpiraten-kassel.de

Tipps der Verbraucherzentrale:

Wegen der Corona-Pandemie mussten seit Frühjahr 2020 zahlreiche Veranstaltungen verschoben oder gar abgesagt werden. Peter Lassek, Anwalt bei der Verbraucherzentrale Hessen, erläutert die Rechte der Kunden in solcherlei Fällen.

Für Karten, die nach dem 8. März 2020 gekauft wurden, gilt: Kunden können die Karten zurückgeben, den Eintrittspreis und die Vorverkaufsgebühren zurückverlangen. „Fordern Sie den Veranstalter zur Rückerstattung des Ticketpreises auf, am besten schriftlich“, rät Lassek. Auf Nachholtermine müsse man sich nicht einlassen. „Insbesondere wenn Sie an dem neuen Termin keine Zeit haben, können Sie die Karte zurückgegeben“, so Lassek. Viele Verbraucher akzeptierten aber Nachholtermine und würden diese, wenn es passt, wahrnehmen. Gutscheine sollten nur akzeptiert werden, wenn absehbar ist, dass die Betroffenen diese auch zeitnah einlösen können. Niemand müsse sich aber auf einen Gutschein einlassen. Jeder könne die Auszahlung vom Veranstalter verlangen.

Für Karten, die vor dem 8. März 2020 für Veranstaltungen gekauft wurden, die wegen Corona verschoben oder abgesagt wurden, gilt: Durch eine Gesetzesänderung für Corona-Zeiten können Veranstalter für Kartenkäufe aus diesem Zeitraum die Rückerstattung ablehnen und auf einem Gutschein bestehen. „Erst nach Ablauf des Jahres 2021 können sich Kunden den Gutschein in bar auszahlen lassen, falls sie ihn bis dahin nicht eingelöst haben“, so Anwalt Lassek. Das sei etwa möglich, wenn man keine Wunsch-Veranstaltung bei dem Veranstalter finde. (Bastian Ludwig)

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