Kritik von Eltern - Nansen-Schule möchte weiterhin die angeschafften Luftreiniger aufstellen

Ärger um Spuckschutz: Kasseler Schulamt missbilligt Anschaffung

Schutzmaßnahmen für die Kinder: Jenni Behm mit Tochter Helena und Christoph Zeidler (Elternbeirat) zeigen einen der Raumteiler, die in der Mensa der Grundschule Brückenhof-Nordshausen für Sicherheit sorgen sollen.
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Schutzmaßnahmen für die Kinder: Jenni Behm mit Tochter Helena und Christoph Zeidler (Elternbeirat) zeigen einen der Raumteiler, die in der Mensa der Grundschule Brückenhof-Nordshausen für Sicherheit sorgen sollen.

Eltern der Grundschule Brückenhof-Nordshausen sind verärgert über die ihrer Meinung nach mangelnde Unterstützung beim Kampf gegen Corona durch das Amt für Schule und Bildung.

Kassel – Weil es im Rathaus ein zu langes Hin und Her gegeben habe, könne jetzt die Schutzmaßnahme einer Elterninitiative erst viel später als geplant auf den Weg gebracht werden. „Wir sind schwer enttäuscht“, sagt Alexander Falkenstern vom Vorstand des Elternbeirats. Was war geschehen?

Mitte Februar, mit Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts, hatten Elternvertreter und Kollegium nach Lösungen für einen sicheren Schulbetrieb gesucht, so Falkenstern. Die Grundschule Brückenhof-Nordshausen ist eine Grundschule mit Ganztagesangebot. „Viele der Schülerinnen und Schüler des strukturschwachen Einzugsgebiets bekommen hier ihre einzige warme Mahlzeit am Tag.“ Um eine sichere Essensaufnahme zu gewährleisten und sie zeitlich im Rahmen zu halten, müssten die Schüler jahrgangsweise verköstigt werden. „Unsere Mensa bietet nicht ausreichend Platz für alle Schüler, mit entsprechendem Abstand wird die Situation noch schwieriger“, so Falkenstern. So kam man auf eine Idee, die sich in der Gastronomie bewährt hatte: die Anschaffung transparenter Raumteiler, sogenannter „Spuckschutz“. Die Raumteiler sollen zwischen den Tischen platziert werden, damit die Klassen untereinander abgeschirmt sind.

Ein Angebot über sieben Raumteiler à 180 Euro wurde eingeholt. Das Angebot samt Konstruktionszeichnung habe man Mitte Februar im Rathaus vorgelegt und „mehrfach vergeblich um Unterstützung gebeten“.

Schließlich haben sich Eltern und Schulleitung an den Schulförderverein gewandt, der sofort erklärte, die Kosten zu übernehmen. Vorsitzender Christoph Zeidler: „Dafür ist ein Förderverein ja da.“

Dann habe sich das Amt für Schule und Bildung doch noch gemeldet und erklärt, dass die Finanzierung der Trennwände durch städtische Mittel geprüft werde. Der Förderverein solle nicht hinzugezogen werden. „Wir waren verwundert, aber froh über diesen Sinneswandel.“,

Die Schule bestellte einen Prototypen, der mit dem Kollegium und einem Mitarbeiter der Stadt bewertet wurde. Einhellig sei man zur Überzeugung gekommen, dass die Anschaffung sinnvoll sei.

„Drei Wochen lang haben wir vergeblich auf die Freigabe der Bestellung gewartet. Auf Nachfrage wurden wir vertröstet, die Entscheidung läge bei der Amtsleiterin.

Am Montag, 15. März, „direkt nach der Kommunalwahl und Wochen nach der in Aussicht gestellten Kostenübernahme wurde die Schulleitung per E-Mail und ohne Erklärung darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Trennwände nicht finanziert und somit nicht beschafft werden“, so Zeidler. Auf Nachfrage wurde erklärt, dass den Kindern „nicht zuzutrauen sei, verantwortungsvoll und hygienisch mit den Wänden umzugehen“. Sie würden dazu verleitet, ihr Essen darauf zu verteilen. Es gebe kein Personal, das die Reinigung der Trennwände gewährleiste.

Falkenstern: „Unsere Kinder haben die Hygienemaßnahmen mehr verinnerlicht als viele Erwachsene. Ihnen wird hier jegliche Vernunft abgesprochen.“ Die Eltern seien wütend: Man hätte schon vor Wochen eine sicherere Schulspeisung gewährleisten können. Der Förderverein hat nun die Bestellung der Trennwände veranlasst und wird die Kosten in Höhe von 1300 Euro übernehmen.

Das Problem seien nicht die Wände“, so Schuldezernentin Ulrike Gote. „Wir haben das hygienische Problem der Reinigung. Wer putzt die Scheiben? Die Caterer?“ Es dürfe nicht zu einem neuen Hygieneproblem werden. Und es sollten keine Folgekosten aufkommen.

Nansen-Schule möchte weiterhin die angeschafften Luftreiniger aufstellen

Auch die Fridtjof-Nansen-Schule kritisiert das Vorgehen des Amts für Schule und Bildung in Pandemie-Zeiten. Der Schulelternbeirat hat jetzt einem Brief an das Kultusministerium verfasst, in dem er die „Verbots- und Regelungswut“ des städtischen Amts moniert, anstatt das Wohl der Menschen „in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen“.

Die Grundschule in Süsterfeld/Helleböhn hatte sich im vergangenen Sommer mithilfe des Schulfördervereins und Sponsoren Luftreinigungsgeräte für alle Klassen angeschafft (HNA berichtete). Aber das städtische Schulamt untersagte den Betrieb unter anderem aus Haftungsgründen und in Hinblick auf Folgekosten für Wartung und Reinigung. „Wir finden es in der aktuellen labilen Pandemiesituation skandalös, dass wir die zugelassenen Luftreiniger nicht einsetzen dürfen“, sagt der Vorsitzende des Elternbeirats Michael Siegl. Haftungsrechtliche Bedenken seien mit dem Hersteller geklärt worden. Die Behauptungen einer möglichen Gesundheitsgefahr durch die Geräte und die seitens der Stadt behauptete angebliche Lärmbelastung seien „schlichtweg falsch“, so Siegl. Vor dem Hintergrund, dass die Bundespolitik einen flächendeckenden Einsatz von Luftreinigern fordert und ähnliche Geräte etwa in den Räumen der Landesverwaltung (RP Kassel) eingesetzt werden, sei das zu kritisieren.

Im Brief an Lorz fragen die Eltern, ob das Ministerium in dieser „festgefahrenen Situation“ nicht moderieren könne, mit dem Ziel, den Einsatz der Luftreiniger „unter Einhaltung aller technischen und haftungsrechtlicher Vorgaben zumindest bis zu den Sommerferien zu ermöglichen“.

Von Christina Hein

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