Es kommt häufig zu Konflikten

Ärger wegen Knöllchen in Kassel: In diesem Stadtteil ist die Parksituation „grauenhaft“

Hier ist es ganz schön eng: im Wahlebachweg im Forstfeld. Hält ein Lieferwagen, kommt niemand mehr vorbei.
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Hier ist es ganz schön eng: im Wahlebachweg im Forstfeld. Hält ein Lieferwagen, kommt niemand mehr vorbei.

In einem Stadtteil in Kassel ist die Parksituation schwierig. Nun werden vermehrt Knöllchen vom Ordnungsamt verteilt.

Kassel – Wenn Reiner Schweinebraten Besuch mit dem Auto bekommt, würde er seine Gäste am liebsten erst einmal in den Aldi schicken. Der 78-Jährige lebt am Wahlebachweg im Stadtteil Forstfeld in Kassel. Parken ist dort nicht erlaubt, weil die Straße nur 3,60 Meter breit ist. Auch an der Ochshäuser Straße können Besucher ihren Wagen nicht abstellen. Die nächste Möglichkeit ist der 400 Meter entfernte Aldi-Parkplatz auf der anderen Seite der A7 in Lohfelden. Aber auch dort darf man ja nur parken, wenn man Kunde ist.

Seit ein paar Monaten verteilt das Ordnungsamt regelmäßig Knöllchen im Wahlebachweg, wie nicht nur Schweinebraten festgestellt hat. Sein Nachbar Marko Wurmbach findet die Parksituation „grauenhaft“ – vor allem deshalb, weil besonders viele Ältere im Quartier wohnen. Die Situation in der Einbahnstraße, durch die auch viele Radler fahren, sei oft gefährlich, kritisiert Schweinebraten.

Kassel: Immer wieder Probleme mit dem Parken

Das alles ist nicht neu. Auch im Ortsbeirat war das Parken im Wahlebachweg bereits Thema. Dass nun vermehrt Knöllchen verteilt werden, liege wohl an einem Anwohner, der sich bei der Stadt beschwert habe, vermuten Schweinebraten und Wurmbach. Ein Sprecher der Stadt teilt jedoch lediglich mit: „Kontrollen finden im Bereich Forstfeld wie im übrigen Stadtgebiet mehr oder minder regelmäßig statt.“

Allerdings machten zuletzt immer wieder ähnliche Fälle Schlagzeilen. So beschwerten sich Anwohner von schmalen Straßen in Wehlheiden und im Fasanenhof, dass die Stadt vermehrt Falschparker kontrolliere. Dabei ist die „Rechtslage eindeutig“, wie Forstfelds Ortsvorsteher Sascha Gröling (SPD) sagt. Laut Straßenverkehrsordnung sind Parken und Halten verboten, sobald die restliche Fahrbahnbreite durch ein haltendes Auto auf unter drei Meter verringert wird. In so einem Fall ist auch kein Halteverbotsschild notwendig.

Reiner Schweinebraten (links) und Marko Wurmbach wohnen im Wahlebachweg im Forstfeld. Die Straße ist so eng, dass wenn ein Fahrzeug hält keiner mehr vorbeikommt.

Kassel: Anwohner fordert Gehwege fürs Parken freizugeben

Anwohner Wurmbach schlägt vor, einen der jeweils 1,10 Meter breiten Gehwege für das Parken freizugeben. Dies ist laut Stadt jedoch rechtlich nicht möglich, weil dann nicht mehr genügend Platz für Fußgänger mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer bliebe. Laut dem Rathaus-Sprecher können nur „bauliche Maßnahmen zu einer Besserung der Situation beitragen“. Die sind im Forstfeld nicht in Sicht. „Es ist so, wie es ist“, sagt Gröling.

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Der Ortsvorsteher ist auch verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Stadtparlament und findet nicht, dass es Aufgabe der Stadt sei, für ausreichend Parkraum zu sorgen: „Es gibt kein Recht auf einen Parkplatz vor der Haustür.“ Zudem sei die Situation im Forstfeld noch großzügiger als etwa im Vorderen Westen. Gröling stellt mittlerweile einen Trend zum Zweit- und Drittauto fest. Die Zahlen geben ihm recht. So hat sich die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge in Kassel seit 2015 von 110 952 auf 120 501 erhöht. Jedes Jahr kommen etwa 2000 neue Fahrzeuge hinzu.

Und die werden immer größer, weil SUVs beliebt bleiben. Auch die Stadt stellt fest, dass sich die Situation in Wohnbereichen mit engen Straßen „aufgrund zunehmender Fahrzeugbreiten neu zugelassener Fahrzeuge selbstverständlich nicht verbessert“. Für Schweinebraten und Wurmbach ist das nur ein schwacher Trost. Immerhin können sie ihre Fahrzeuge aber auf dem eigenen Grundstück parken. (Matthias Lohr)

Wer auf den Außenflächen des Marstallgebäudes in Kassel parkt, muss künftig an speziellen Automaten bezahlen. Die hauseigenen Parktickets sind günstiger als jene der Stadt.

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