Mittel gegen steigende Einsatzzahlen – Krankenkassen lehnen ab

Ärzte-Chef: Notdienst soll Gebühr kosten

Kassel. Die Ärzte-Vereinigung Hartmannbund fordert eine Notdienstgebühr, die Patienten ohne Ausnahme bei jedem Arztkontakt zahlen sollen.

Nur so lasse sich den steigenden Fallzahlen in Rettungsdienst und ärztlichem Notdienst Einhalt gebieten, sagte der Kasseler Arzt Dr. Ingo Niemetz, Vorsitzender des hessischen Landesverbandes. Unterstützt wird der Hartmannbund dabei von der Bürger-Initiative Gesundheit.

Zu oft würden Not- und Rettungsdienste bei Lappalien aufgesucht. Als Ursache sieht Niemetz, dass ärztliche Leistungen völlig ungesteuert in Anspruch genommen werden könnten. Über die Zahlung einer Gebühr lasse sich das Verhalten ändern. „Nur mit Appellen funktioniert es leider nicht“, so Niemetz. Eine Lösung sei die Eigenverantwortung der Patienten zu stärken, „und dies geht nur über eine angemessene Selbstbeteiligung“.

Wie hoch die Notdienstgebühr ausfallen sollte, sagte Niemetz nicht. Aber als Orientierung verweist er auf Regelungen in anderen Ländern. So koste zum Beispiel in Australien jeder Arztkontakt eine Gebühr von 20 Dollar, umgerechnet etwa 14 Euro.

Derzeit seien vor allem Ärzte Leidtragende der steigenden Fallzahlen. Denn die Krankenkassen zahlen Pauschalen pro Patient und Quartal, unabhängig von der Zahl der Arztbesuche. „Wenn sich nichts ändert, werden auch die Patienten wirklich betroffen sein“, weil Notdienste blockiert seien von Fällen, die keine akute Hilfe bräuchten, sagte Niemetz.

Verwundert reagierte der Verband der Ersatzkassen (VdEK) in Hessen auf den Vorschlag. 2012 sei die als bürokratisches Monster kritisierte Praxis-Gebühr vor allem auf Druck der Ärzte abgeschafft worden, sagte Pressesprecher Meinhard Johannides. Und die habe gezeigt, dass sich das Versichertenverhalten nicht habe steuern lassen. Zudem zahle schon jetzt jeder Patient für Rettungsdienst-Einsätze einen Eigenanteil von mindestens fünf Euro. 

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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