Bereitschaft neu organisiert – Widerspruch von 45 Medizinern – Problem mit Rufnummer

120 Ärzte teilen sich Dienst

Neue Dispositionszentrale für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst: Die Mitarbeiter, hier Isabel Jäkel, helfen bei medizinischen Fragen und gesundheitlichen Problemen, kennen die nächste offene Apotheke, vermitteln ärztlichen Rat und rufen im Notfall den Rettungsdienst. Archivfoto: Heise-Thonicke

Kassel. Nach der Neuorganisation des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Kassel sind die Arztdienste außerhalb der Praxisöffnungszeiten auf deutlich mehr Schultern verteilt: 120 statt bisher 40 Ärzte seien nun unter anderem an den Wochenenden und nachts für die Patienten da, sagt der Kasseler Projektleiter der neuen Dispositionszentrale für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst in Kassel, Dr. Uwe Popert.

Die Neuorganisation hatte Anfang des Jahres Irritationen in Teilen der Ärzteschaft verursacht. Denn nach vielen Jahren wurden erstmals wieder alle Ärzte mit einer Kassenzulassung zum Bereitschaftsdienst in der Arztnotrufzentrale in der Wilhelmshöher Allee 67 herangezogen, darunter auch Hautärzte, Pathologen, Psychiater und spezialisierte Instituts- und Krankenhausärzte. Rund 470 Ärzte aus der Region waren angeschrieben worden, 45 Mediziner legten Widersprüche dagegen ein, teilte die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Petra Bendrich, auf Anfrage mit. Damit werde sich der Widerspruchsausschuss befassen.

Generell funktioniere die Dienstaufteilung inzwischen gut, sagt Bendrich. Die hinzugekommenen Ärzte hätten sich nach einer guten Einweisung schnell integriert und seien eine Bereicherung, bestätigt Popert. Anfangs habe es sehr viel Arbeit gemacht, dass viele eingeteilte Ärzte ihren Dienst nicht angetreten hatten. Immer wieder, so Popert, mussten die Dienstpläne umgeschrieben und nachgebessert werden.

„Anfangs ging es hoch her und es gab im Hintergrund eine Menge Aufregung und Zusatzarbeit“, sagt Popert. Deshalb habe es sich bewährt, dass man die Bereitschaftsdienste hessenweit nach und nach umstellt. Aus den Erfahrungen in Kassel werde man in den nächsten Umstellungsphasen lernen, unterstreicht Bendrich. Alles in allem sei die Neuordnung in Kassel gut angelaufen. Als Beispiele nennt sie die Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten und den Aufbau der Hausbesuchsdienste. Anlaufschwierigkeiten gab es indes bei der Erreichbarkeit der Dispositionszentrale über die bundesweit einheitliche Rufnummer 116 117. „Die bundesweite Zuschaltung der Nummer funktioniert gar nicht gut“, erläutert Popert. Man hoffe, dass dies irgendwann richtig klappt. So lange erhalte man über die Durchwahl 0561/1 92 92 schnell Rat und Hilfe in medizinischen Fragen.

Das Personal in der Dispositionszentrale sei gut geschult, bringe Erfahrungen aus dem Kasseler Bereitschaftsdienst mit und kenne die regionalen Besonderheiten. Popert: „Anders als in anderen Bundesländern haben wir kein größeres Chaos erlebt.“ Eine Besonderheit sei auch, dass Telefonärzte erreichbar seien, die beispielsweise die Notwendigkeit eines Hausbesuchs abklären können. So würden auch die Ärzte auf dem Land entlastet.

Von Martina Heise-Thonicke

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