Das Klinikum Kassel hat ein Trainingslabor zur Simulation chirurgischer Eingriffe eingerichtet

Ärzte üben mit Gummibärchen

Vorsichtiger Vorstoß in den Brustraum: Unter der Anleitung des Leitenden Oberarztes Bernd Ruten (rechts) legt Sebastian Herzberg einen Abfluss in die Lunge. Prof. Dr. Jürgen Faß (Zweiter von rechts) und Fachärztin Dr. Yvonne Norpoth sehen zu. Fotos: Fischer

Kassel. Ärzte brauchen Fingerspitzengefühl, um zum Beispiel eine Vene zu ertasten oder zwischen den Rippen eine Lungenpunktion zu setzen. Am Klinikum Kassel können Nachwuchsmediziner solche Fertigkeiten in einem hauseigenen Trainingslabor üben – an eigens dafür angeschafften Modellen. „Je mehr man geübt hat, desto einfacher ist es später“, sagt Prof. Dr. Jürgen Faß, Projektleier des „Skills Lab“. Und: „Das ist für die jungen Ärzte und auch die Patienten angenehmer.“

Nadine Müller, Assistenzärztin in der Frauenklinik, beschreibt es aus ihrem Blickwinkel: „Das Training nimmt anfängliche Berührungsängste mit Patienten.“ Denn die Übungseinheiten im Labor helfen dabei, Routine zu bekommen. „Allein die Reihenfolge beim Zusammensetzen eines Katheters will gelernt sein“, sagt die angehende Fachärztin. Auch wenn es in einem Notfall hektisch wird, soll jeder Handgriff sitzen.

Ihr Kollege Sebastian Herzberg übt unter Anleitung eines erfahrenen Oberarztes gerade an einer Trainingspuppe. Nachdem er den Raum zwischen zwei Rippen ertastet hat, führt er eine Nadel in die Lungen und legt einen dünnen Kunststoffschlauch, um Flüssigkeiten oder Luft aus dem Brustraum abzuleiten. Eine solche Drainage kann beispielsweise nach einem Unfall lebensrettend sein. „Das sollte jeder können, der in der Chirurgie tätig ist“, sagt Faß, der auch Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bauchraumchirurgie) am Klinikum ist.

Nebenan üben Ärzte in der Weiterbildung, einen Gefäßzugang am Hals oder in der Leiste zu legen. Als Kunstblut durch die Kanüle fließt, ist klar, dass die Nadel gleich beim ersten Versuch richtig gesetzt wurde.

Spielerisch sieht die Übung beim Training laparoskopischer Operationen aus. Mithilfe von Spezialinstrumenten wie Greifarmen (sogenannten Endoskopen) werden dabei Eingriffe im Bauchraum mit kleinen Zugängen geübt. „Am Anfang greift man noch öfter daneben“, sagt Faß. Zunächst wird mit Gummibärchen und Gummibändern geübt. Wer schon ein wenig Routine hat, übt sich darin, mit einer feinen Nadel im Greifarm Nähte und Knoten zu versuchen – das alles mit dem Blick auf einen Monitor, der freilich nur zweidimensionale Bilder liefert. Das Angebot des Trainingslabors mache die Ausbildung am Klinikum zudem attraktiver, sagt Projektleiter Faß, der in Zusammenarbeit mit Spezialfirmen mehrmals im Jahr auch virtuelles Training für die Schlüssellochchirurgie anbietet.

Auch die Studenten der Kassel School of Medicine werden hier modernste Operationstechniken praktisch üben können.

Von Martina Heise-Thonicke

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