Amt wirbt um Mediziner

Ärztemangel im Gesundheitsamt: Fünf von 20 Stellen unbesetzt

Eine Tätigkeit von vielen: Amtsärzte wie Martin Walter-Domes (weißer Kittel) untersuchen Leichen, die eingeäschert werden sollen. Mit auf dem Archivbild zu sehen ist Jochen Hupfeld, technischer Leiter des Krematoriums am Kasseler Hauptfriedhof. Archivfotos: Fischer, privat, Habich/nh

Kassel. Das Problem Ärztemangel bekommt seit kurzem auch das Gesundheitsamt der Region Kassel zu spüren: Heutzutage ist es gar nicht mehr so leicht, Mediziner-Stellen neu zu besetzen.

So bereitet es Amtschefin Dr. Karin Müller derzeit einige Kopfschmerzen, dass ein Viertel der Ärzte aus dem Amt (fünf von insgesamt 20) nahezu gleichzeitig in Praxen und Krankenhäuser gewechselt sind und sich Nachfolger nicht mehr so schnell finden.

Viele Kollegen gingen einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter, wenn die eigenen Kinder größer oder bereits aus dem Haus seien, erläutert Müller die Gründe für den Weggang der Mediziner. Denn das Gesundheitsamt biete nicht nur verlässliche Arbeitszeiten ohne Not- und Wochenenddienste, sondern auch die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten und so Beruf und Familie gut in Einklang zu bringen, hebt Kassels Gesundheitsdezernentin Anne Janz (Grüne) hervor.

„Vielen Ärzten ist gar nicht bewusst, wie spannend und vielseitig die Tätigkeit im Gesundheitsamt sein kann“, bedauert Karin Müller die Schwierigkeiten, freiwerdende Stellen neu zu besetzen. So begleiten die Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst die Menschen von Anfang an: von der Geburt mit dem Willkommensprojekt „Von Anfang an“ bis zum Tod. Denn Amtsärzte begutachten jede Leiche, die eingeäschert werden soll.

Große Verantwortung hätten auch die Ärzte im kinder- und jugendärztlichen Dienst, die jährlich die Kinder untersuchen, die eingeschult werden sollen, die über Zahnhygiene aufklären und Förderungsprogramme für Kinder und benachteiligte Bevölkerungsgruppen mitgestalten.

Im amtsärztlichen Dienst würden Gutachten beispielsweise für Anträge einer Mutter-Kind-Kur oder einer Rehamaßnahme bei chronischen Erkrankungen erstellt. Diagnosen und Behandlungsvorschläge stellen die Ärzte auch, wenn es um die Dienstfähigkeit von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst geht, erläutert die Amtsleiterin das Arbeitsspektrum.

Dazu gehöre die Bereiche der reisemedizinischen und Impfberatung, der Trinkwasserüberwachung und der Hygiene in Krankenhäusern, Praxen, Tätowierungs-, Piercing- und Kosmetikstudios sowie Restaurants. Karin Müller: „Wem es Spaß macht, auch vorbeugend tätig zu sein, der ist bei uns richtig.“

Gesucht werden beispielsweise Internisten und Allgemeinmediziner unter anderem für den Gutachterbereich. Und im sozialpsychiatrischen Dienst, der häufig hinzugezogen wird, wenn sich Menschen in seelischen Krisensituationen befinden, wird ein Psychiater oder eine Psychiaterin gebraucht.

„Wer ins Gesundheitsamt kommt, kann bei uns auch eine Weiterbildung zum Facharzt für Sozialmedizin oder öffentliches Gesundheitswesen machen“, wirbt die Amtsärztin.

Von Martina Heise-Thonicke

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