Abschied aus Kommunalpolitik

AfD-Mann Gratzer legt Mandat als Stadtverordneter in Kassel nieder

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Der Wahlsieger: Nach der Kommunalwahl im März 2016 zog Spitzenkandidat Dieter Gratzer mit sieben weiteren AfD-Mitgliedern in das Kasseler Stadtparlament ein. Unser Foto entstand am Wahlabend im Rathaus.

Dieter Gratzer war 2016 der strahlende Wahlsieger der Kasseler AfD. Nun hat der 64-Jährige seinen Abschied aus der Kommunalpolitik erklärt.

Nach knapp drei Jahren als Stadtverordneter legt er sein Mandat nieder, gibt auch den Posten im Kreisvorstand seiner Partei ab. Für seinen Rückzug führt Gratzer „private und gesundheitliche Gründe“ an.

Dieter Gratzer hatte Ende 2018 gesundheitliche Probleme

Sein Ausstieg überrascht nicht. Als AfD-Spitzenkandidat hatte der Handwerksmeister bei der Kommunalwahl mehr als 22.000 Stimmen geholt. Mit sieben weiteren Mitstreitern war er als Vorsitzender der neuen AfD-Fraktion in das Stadtparlament eingezogen. Doch den Ton gibt Gratzer in der Kasseler AfD schon lange nicht mehr an – weder in der Fraktion noch in der Partei. Seit Monaten hat er sich nicht mehr zu Wort gemeldet.

Vorzeitig das bis 2021 laufende Mandat niederzulegen, sei keine spontane Entscheidung gewesen. Gesundheitliche Probleme Ende vergangenen Jahres seien dafür der Auslöser, betont Gratzer. Mehr will er dazu auch nicht sagen, schon gar nicht zur Entwicklung und zum aktuellen Zustand seiner Fraktion. Mit ihm haben inzwischen vier der acht ursprünglichen AfD-Stadtverordneten ihr Mandat niedergelegt.

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Ist Dieter Gratzer enttäuscht?

Offiziell will er nichts weiter sagen. Und doch klingt in Gratzers Worten Enttäuschung durch. Enttäuschung darüber, wie Politik und Presse mit ihm umgegangen seien. Mit welcher „Negativität“ er es dauernd zu tun gehabt hätte. „Ich weiß, was man für einen Zoll zahlt“, lautet seine Bilanz nach drei Jahren Kommunalpolitik in Kassel.

Das ehemalige CDU-Mitglied startete 2014 als AfD-Mitgründer in Kassel durch. Auf den Wahlsieg im März folgte im Oktober 2016 jedoch bereits eine öffentliche Diskussion um seine Person. Grund war der heftige Streit mit Mietern, die sich von ihm gemobbt fühlten und meinten, er wolle sie aus der Wohnung drängen, um diese an Flüchtlinge zu vermieten. Die HNA berichtete über die Auseinandersetzung.

Wenig später gab Dieter Gratzer den Fraktionsvorsitz an Michael Werl ab. „Aus zeitlichen Gründen“, wie er damals sagte. Seitdem ist er quasi abgetaucht. Auf die Frage, ob er zur Kommunalwahl im Jahr 2021 wieder als AfD-Kandidat zur Verfügung stehen werde, betont er: „Das glaube ich auf keinen Fall.“

Dieter Gratzer will einen politischen Schlussstrich ziehen. „Ich bleibe Parteimitglied, werde mich aber nicht weiter engagieren“, sagt der 64-Jährige. Mit seinen Immobilien habe er genug zu tun. Und er spiele ja noch Golf.

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