AfD-Politiker bezeichnet Abstimmung als "Schande"

Mit dem AfD-Denkmal für Trümmerfrauen in Kassel würden auch Nazis geehrt

Mythos Trümmerfrau: Helfer im vom Krieg zerstörten Berlin 1944. 
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Mythos Trümmerfrau: Helfer im vom Krieg zerstörten Berlin 1944. 

Die AfD will ein Denkmal für Trümmerfrauen in Kassel. Dabei haben Historiker längst gezeigt, dass die Trümmerfrau ein Mythos ist. Alle anderen Parteien sind darum dagegen. 

  • Stadtverordnetenversammlung lehnt Antrag der AfD für ein Trümmerfrauen-Denkmal in Kassel ab 
  • Mythos der Trümmerfrau ist historisch wiederlegt
  • Grüne Kassel: Denkmal würde auch Nazi-Frauen ehren

 Für Gerhard Gerlach ist das, was am Montagabend in der StadtverordnetenversammlungKassel passierte, „eine Schande für unsere Stadt“. So hatte es der AfD-Politiker jedenfalls angekündigt für den Fall, dass die Parlamentarier den Antrag seiner Fraktion ablehnen sollten, ein Denkmal für die Kasseler Trümmerfrauen zu errichten.

Gerlach beantragte eine namentliche Abstimmung, was sehr ungewöhnlich ist – zumal nach der Beratung im Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen klar war, dass alle anderen Fraktionen einstimmig dagegen sein würden. So kam es dann auch.

Grüne: AfD-Denkmal für Trümmerfrauen wird historischer Realität nicht gerecht

Die Ablehnung des Antrags der AfD begründete derGrünen-Abgeordnete Dr. Andreas Jürgens in einer mit viel Applaus bedachten Rede, die bald auf der Internetseite der Stadt Kassel nachzulesen sein soll. Der ehemalige Landtagsabgeordnete legte dar, dass das Bild der freiwillig arbeitenden Trümmerfrauen nicht nur im Fall von Kassel ein Mythos war. 

Demnach lag „die Hauptlast der Trümmerbeseitigung“ in der zerstörten nordhessischen Stadt Kassel „bei Baufirmen und vor allem bei den Menschen beiderlei Geschlechts, die der Notdienstverordnung folgend ihren Pflichtdienst leisteten“. Darunter seien „oftmals inhaftierte Nazis“ gewesen.

Mit einem Denkmal, wie es die AfD forderte, würde man laut Jürgens „dem komplexen Thema nicht gerecht“. Denn mit solch einem Mahnmal würde man „auch Nazi-Frauen ehren, die das nun wirklich nicht verdient hätten“.

AfD Kassel argumentieren auf Facebook gegen Entscheidung

Der Grüne ist überzeugt, dass die AfD in Kassel mit solchen Anträgen vor allem ablenken wolle „von der Verantwortlichkeit rechter und rechtsradikaler menschenverachtender Ideologien für die Trümmer, in denen Deutschland lag, durch eine Heroisierung derjenigen, die sie wegräumen durften“.

Von einer Schande sprach die AfD-Fraktion nach der Abstimmung nicht mehr. Dafür postete sie bei Facebook ein Bild des kriegszerstörten Kölns mit dem Slogan „CDU verweigert Trümmerfrauen die Anerkennung“. Im Text dazu heißt es: „Es ist erschütternd festzustellen, dass die sich christlich gebende CDU jegliche Form christlicher Nächstenliebe abgestreift hat, um dem rot-rot-grünen Zeitgeist regelrecht hinterherzuhecheln.“

AfD ist in Kassel seit 2016 im Stadtparlament Kassel

2019 verließ der AfD-Mann Dieter Gratzer die Kommunalpolitik in Kassel. Er war einer der großen Sieger bei der Kommunalwahl 2016. 

Bei der Landtagswahl 2018 demonstrierten 2500 Menschen in Kassel gegen eine AfD-Kundgebung

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