SPD schaltet sich ein

Mann aus Kassel steckt mit Verlobter in Kabul fest: „Werde auf keinen Fall ohne sie abreisen“

Etliche Länder fliegen derzeit ihre Staatsangehörigen aus Afghanistan aus, so auch die deutsche Luftwaffe.
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Etliche Länder fliegen derzeit ihre Staatsangehörigen aus Afghanistan aus, so auch die deutsche Luftwaffe. (Archivbild)

Asib Malekzada aus Kassel befindet sich derzeit in Afghanistan. Er könnte als Deutscher ausreisen, seine Verlobte jedoch nicht. Es scheitere „an Formalitäten“.

Kassel/Kabul – Der Kasseler Asib Malekzada ist seit zwei Wochen in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Von dort aus will er seine Verlobte nach Deutschland bringen. Das Auswärtige Amt würde ihn ausfliegen, sagt er im HNA-Gespräch, denn er ist Deutscher. Für seine afghanische Verlobte gelte das aber nicht. Der Grund: Derzeit gelangen nur ausländische Staatsbürger auf das Kabuler Flughafengelände, wie Bundesaußenminister Heiko Maas in einer Pressekonferenz am Dienstagabend (17.08.2021) berichtete.

„Wir sind hier mitten im Krieg, und es scheitert an Formalitäten“, sagt Malekzada. Er möchte zurück nach Hause. „Als Begründung heißt es, es könnten nur unmittelbare Angehörige mitgenommen werden“, berichtet der 32-Jährige im Videotelefonat mit der HNA. „Meine Verlobte ist für mich eine unmittelbare Angehörige.“ Die Verzweiflung sei groß, auch die Angst. Denn die radikalislamischen Terroristen der Taliban kontrollieren schon fast das ganze Land.

Steckt derzeit in Afghanistan fest: Asib Malekzada aus Kassel.

Krise in Afghanistan: SPD Kassel engagiert sich für Kasseler in Kabul

Seit einem Jahr schon versuchen die beiden, ein Visum für seine Verlobte zu erhalten. Doch die Botschaft in Kabul bietet seit einem Anschlag keine konsularischen Dienste mehr an. Sie müssten zu den Botschaften in Indien oder Pakistan. „Für mich als Deutschen ginge das. Für sie bräuchte es aber neue Visa – das ist fast unmöglich“, sagt Malekzada. Es gibt sogar schon einen Eheschließungstermin beim Standesamt Kassel. Er werde auf keinen Fall ohne sie abreisen.

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Unterstützung bekommt er aus Nordhessen. Malekzada ist SPD-Mitglied und engagiert sich ehrenamtlich. „Ich kenne Herrn Malekzada persönlich und kümmere mich seit Mitte Juni um den Fall. Durch die Machtübernahme der Taliban hat sich die Lage für ihn und seine Verlobte deutlich verschärft“, sagt SPD-Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels. „Es darf jetzt nicht an bürokratischen Fragen scheitern“, fordert Gremmels, der sich beim Auswärtigen Amt für eine schnelle Lösung starkmacht.

Auch Kassels OB Christian Geselle hat sich eingeschaltet und Kontakt zum SPD-Parteikollegen Michael Roth aus Bad Hersfeld aufgenommen, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt ist. (Gregory Dauber)

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