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König Charles III. in Kassel: Ökotrip ohne Ahle Wurscht

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Von: Thomas Siemon

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Am Samstag wurde König Charles III. in der Londoner Westminster Abbey gekrönt. Vor 26 Jahren, damals war Charles noch Prince of Wales, hat der Monarch Kassel besucht.

Kassel – Selbstverständlich wird er die Krönung von Charles III. als britischer König am Fernseher verfolgen. Und ganz genau darauf achten, ob der frühere Öko-Professor Hardy Vogtmann vielleicht auch zu sehen ist. „Soweit ich weiß, haben die beiden immer noch Kontakt, beim Besuch von Charles in Berlin war er jedenfalls dabei“, sagt Hans-Georg Greger vom gleichnamigen Biomarkt in Bad Wilhelmshöhe.

Der 66-Jährige dürfte einer der wenigen Menschen in Kassel sein, der schon einmal mit Charles gesprochen hat. Vor ziemlich genau 26 Jahren am 12. Mai 1997 war das. Damals machte Prinz Charles einen Ökotrip nach Nordhessen. Den Kontakt hatte Hardy Vogtmann hergestellt, der in Witzenhausen ökologische Landwirtschaft unterrichtete. Von ihm ließ sich Prinz Charles bei seinen eigenen Aktivitäten auf diesem Gebiet beraten. Jetzt wollte er sich ansehen, wie man die Bio-Produkte vermarktet.

Landung im Bergpark Wilhelmshöhe: Hier kam Prinz Charles (links neben dem Ausstieg) am 12. Mai 1997 an. Vom Hubschrauber ging es weiter mit einer gepanzerten Limousine, die beim Biomarkt Schmanddibben an der Kunoldstraße vorfuhr.
Landung im Bergpark Wilhelmshöhe: Hier kam Prinz Charles (links neben dem Ausstieg) am 12. Mai 1997 an. Vom Hubschrauber ging es weiter mit einer gepanzerten Limousine, die beim Biomarkt Schmanddibben an der Kunoldstraße vorfuhr. © Privat/HNA-Archiv

Heutiger König Charles III. in Kassel: Image des Sonderlings zu Unrecht

„Wir haben damals schon Wert auf eine gute Präsentation gelegt, aber uns natürlich noch mal besonders ins Zeug gelegt“, sagt Hans-Georg Greger, der in Witzenhausen studiert hat und damals den Bioladen Schmanddibben betrieb. Mehrere Tabletts mit Häppchen zum Probieren standen bereit, Greger trug Sakko und Krawatte und hatte ein paar Worte zur Begrüßung vorbereitet. „Mein Englisch ist leider ziemlich furchtbar, entsprechend nervös war ich“, sagt der Kasseler Biopionier. Bevor Prinz Charles mit dem Hubschrauber im Bergpark Wilhelmshöhe ankam und dann mit einer gepanzerten Limousine vorfuhr, gab es einen Sicherheitscheck. „Die Polizei war mit Spürhunden im Laden, die haben aber zum Glück nichts gefunden“, sagt Greger. Bis heute gebe es Gerüchte, dass damals die Kanaldeckel im Umfeld des Bioladens aus Angst vor einem Anschlag zugeschweißt worden seien. Das stimme aber nicht.

Gespräch im Biomarkt Schmanddibben: Hans-Georg Greger (von links) mit Prinz Charles und Professor Hardy Vogtmann. Privat/Repro: Thomas Siemon
Gespräch im Biomarkt Schmanddibben: Hans-Georg Greger (von links) mit Prinz Charles und Professor Hardy Vogtmann. Privat/Repro: Thomas Siemon © Privat

Und dann kam Prinz Charles, dem lange Zeit das Image eines Sonderlings anhaftete. Zu Unrecht, wie Hans-Georg Greger aus eigener Anschauung findet. „Ich habe ihn als einen ausgesprochen freundlichen, höflichen und sehr interessierten Mann in Erinnerung“, sagt er.

König Charles III. in Kassel jederzeit wieder willkommen

Selbst bei den Erläuterungen zum Betrieb des Ladens in holprigem Englisch habe Charles immer nett gelächelt und zumindest so getan, als ob er alles gut verstehe. Nur beim Imbiss habe sich Charles sehr zurückhaltend gezeigt. Lediglich ein kleines Stück Vollkornbrot hat er probiert, die übrigen Häppchen mit Käse, Schinken und Ahler Wurscht aus heimischer Bioproduktion blieben stehen.

Allerdings nicht lange. Denn im und vor dem Schmanddibben warteten damals unter anderen die vier Kinder von Hans-Georg Greger und seiner Frau Claudia Neumann, Freunde, Verwandte, Mitarbeiter und viele Bio-Landwirte aus der Region. Da blieb vom Imbiss innerhalb weniger Minuten nichts übrig, während Prinz Charles schon auf dem Weg zur nächsten Station auf dem Gut Kragenhof unterwegs war. „Für uns und unsere Biobranche war der Besuch damals ein Ritterschlag“, sagt Hans-Georg Greger, der heute mit einer seiner Töchter einen deutlich gewachsenen Laden betreibt. Von König Charles III. erhofft er sich, dass er für frischen Wind in seiner neuen Rolle sorgt. Falls er in Kassel noch mal vorbeischauen wolle, sei er jederzeit herzlich willkommen. (Thomas Siemon)

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